
Warum es der Leftovers-Bassistin Anna Grob bei ihrem Rockoper-Projekt vor allem um die Musik geht. Von welcher Location sie dabei träumt, wie sie Tolkien dabei inspirierte und mit wem sie eine Theaterfassung besetzen würde. Die Helden der Freizeit haben vor ihrer Deutschland-Tour und Release-Show im Chelsea nachgefragt.
von Christian Orou, 8. 10. 2026
Es ist mehr als 50 Jahre her, dass die Rockband The Who mit Tommy das Genre der Rockoper aus der Taufe gehoben hat. Seit damals haben sich viele Künstler:innen an dieser Spielart des Musiktheaters versucht. David Bowie schrieb eine, Pink Floyd ebenfalls, sogar Green Day brachten mit American Idiot eine Rockoper auf die Bühne. Anna Grob, unter anderem Bassistin bei den Leftovers, gibt mit ihrem neuen Projekt der Rockoper ein neues, modernes, diverses Gesicht. Die Helden der Freizeit trafen die Musikerin zu einem Gespräch über ihr Werk CIRCLE OF LIGHT, Tolkien und die Archetypen in der Mythologie.
Schon beim Interview Backstage beim ersten Konzert der Leftovers in der Arena 2023 erzählte uns Anna von ihrem Plan, eine Rockoper zu schreiben (unsere Review mit Videointerview könnt ihr übrigens hier nachschauen). Auch den Plot hatte sie schon im Kopf. Es sollte eine Fantasy-Geschichte werden, die von starken Frauen- und Flintacharakteren getragen wird. Drei Jahre nach diesem Interview sitzt mir Anna Grob wieder gegenüber, alleine, ohne die Leftovers.

Die Fantasy-Geschichte hat einen Namen, Circle of Light. Der erste Akt ist fertig, wurde im Kramladen und beim Popfest im Prechtlsaal bereits ausprobiert, hat am 19. November im Chelsea seine Release-Show und wird am 20. 11. veröffentlicht. Davor tourt sie damit sie damit durch ganz Deutschland (Termine unten). Akt zwei und drei sind von den Texten und der Musik her fertig, es fehlt noch die Umsetzung im Studio.
Die Rockoper von Anna Grob ist von den Geschichten von J.R.R. Tolkien inspiriert. Eine Stadt ist dem Untergang geweiht und kämpft ums Überleben. Was fasziniert die Künstlerin an der Welt der Mythen? „Es sind diese Archetypen, die seit Jahrtausenden in unseren Geschichten bestehen.“ sagt sie im Gespräch mit uns. „Egal in welche Kultur ich schaue, finde ich überall Parallelen. Tolkien klaubt sich für seine Geschichten aus verschiedenen Erzählungen Teile heraus und mischt sie zu etwas Eigenen. Das macht ihn so faszinierend.“

Bei den Leftovers war Anna Grob noch Verfechterin der deutschen Sprache, jetzt sind die Texte von Circle of Light auf Englisch. Warum? „Weil ich Tolkien auf Englisch gelesen habe. Da war für mich sehr schnell klar, dass meine Charaktere nicht Deutsch sprechen.“ erklärt sie. Musikalisch wandert die Musikerin bei ihrer Rockoper quer durch die Genres. Im Vordergrund steht natürlich die Rockmusik, aber es gibt auch Anklänge von Punk, Jazziges ist zu hören. „Ich habe versucht, für jeden Charakter das Passende zu finden.“ erklärt die Musikerin.
Eine Inszenierung des Stückes auf der Bühne ist noch kein Thema. Noch begnügt sie sich mit kleinen Versatzstücken und mit optischer Unterstützung durch eine düstere Lichtshow. Druck besteht keiner. Noch ist Grob auf der Suche und fokussiert sich auf kleine Symbole. „In erster Linie geht es um die Musik, die soll nicht abhandenkommen.“

Welchen Charakter hat sie für sich geschrieben? Grob denkt lange nach. „Ursprünglich war es die Intuition, aber am liebsten möchte ich alle meine Charaktere singen.“ Und wenn sie bei der Rollenbesetzung freie Hand hätte, sich jeden Cast wünschen könnte? Dann kommen von Anna erst einmal keine großen Namen. Fame ist nicht wichtig. „Das sind mir zu viele Möglichkeiten.“ lacht sie. „Mir ist wichtig, dass das Stück von Flintapersonen getragen wird. Ich weiß gar nicht, ob ich in einer Theaterfassung überhaupt mitspielen will. Ich bin viel lieber mit Band unterwegs und wenn eine Produktion von Circle of Light startet, toure ich vielleicht schon mit einem anderen Album.“
2028 soll die Rockoper dann fertig sein. Ziel ist, das Stück langsam wachsen zu lassen. Es wird wieder konzertante Aufführungen geben und mit Versatzstücken gearbeitet, vielleicht steht auch irgendwann einmal ein Turm auf der Bühne. „Natürlich ist die Visualisierung wichtig. Aber ich glaube, alles braucht Zeit und es wird sich langsam entwickeln.“ Und vielleicht findet sich auch jemand, der das Stück auf einen große Bühne bringt. „Wenn der dritte Akt herauskommt, tät ich gerne das ganze Stück im Steinbruch von St. Margarethen konzertant mit Band aufführen.“ sagt Anna am Ende. Wie toll diese Kulisse wirkt, kannst du in unserer Review zur vergangenen Oper im Steinbruch nachlesen.
Anna Grob – Circle of Light
Release Show: 19. 11. 2026, Chelsea
Album Release: 20. 11. 2026 auf allen gängigen Plattformen
www.annagrob.at
Deutschland-Tour 2026 mit Desolat-Support:
Noch mehr Konzerte, Events und neue Musik …
findest du hier in unserem Hörer-Bereich.
Alle Fotos: (c) Christian Orou
Der Chefredakteur der Helden der Freizeit hat das Onlinemagazin 2016 ins Leben gerufen und ist seit 2000 als Sportjournalist im Einsatz. Bei heldenderfreizeit.com ist er spezialisiert auf actiongeladene Outdoor-Aktivitäten, Ausflüge, Videos, Spiele, Filme, Serien und Social Media.