
Wie wird aus Hopfen, Malz und Wasser eigentlich ein gutes Bier? Und was hat ein sprechender Roboter damit zu tun? Wer schon immer wissen wollte, was hinter den Kulissen einer Brauerei passiert, kann sich im Waldviertel auf eine Entdeckungstour begeben. Wir haben die Privatbrauerei Zwettl besucht und uns angeschaut, wie aus regionalen Zutaten das bekannte Zwettler Bier entsteht und warum das Waldviertler Familienunternehmen eine Vorreiterrolle in der Region hat. Ein Video von unserem Besuch findest du hier auf Instagram.
von Miriam Usenik, 7. 11. 2026
Tief im Waldviertel, wo sich Wälder, Granitfelsen und kleine Ortschaften abwechseln, wird seit Jahrhunderten Bier gebraut. Eine der größten und erfolgreichsten Privatbrauerein des Landes findest du im kleinen 4.000 Einwohner Städtchen Zwettl. Wir haben bei einer Führung hinter die Kulissen geschaut und dabei nicht nur einiges über die Braukultur erfahren. Auch eine geschmackliche Überraschung war dabei.

Bierbrauen hat in Zwettl eine lange Tradition. Bereits 1708 wurde das Brauhaus in der Syrnau erstmals urkundlich erwähnt – und vorher bereits im Stift Zwettl betrieben. Seit 1890 befindet sich die Brauerei im Besitz der Familie Schwarz, die das Unternehmen mittlerweile in fünfter Generation führt. Trotz moderner Technik ist Zwettler bis heute eine unabhängige Privatbrauerei und ein Familienunternehmen geblieben. Eines, dem besonders wichtig ist, das Feld nicht den Großkonzernen aus dem Ausland zu überlassen.
Eine ganz zentrale Rolle spielt dabei die Region. Denn die Zutaten für das Zwettler Bier müssen keine weiten Wege zurücklegen. Ein Großteil der Braugerste stammt von landwirtschaftlichen Betrieben aus der Umgebung. Und der Hopfen wird im Waldviertel dank dem Bier wieder angebaut. Diese jahrhundertelange, aber auch arbeitsaufwändige, Tradition war wegen der Weltkriege und des damals wichtigeren Getreideanbaus in Österreich weitgehend aufgegeben worden. Im Waldviertel konnte sie erst in den 90er Jahren, nicht zuletzt dank der Initiative von Zwettler, reaktiviert werden. Das Brauwasser kommt sogar aus einer der 20 eigenen Quellen.

Wie das alles in der Praxis zusammenfindet, erfahren wir beim Zwettler Brauerlebnis. Die Führung besteht hauptsächlich aus informativen Videos und beginnt mit einer Einführung in die Geschichte der Brauerei, der Herkunft der Zutaten und dem Brauprozess. Du erfährst, welche Rolle Hopfen, Malz, Wasser und Hefe spielen und welche Schritte notwendig sind, bis das fertige Bier in der Flasche landet. Vom historischen Brauhaus geht es dann rüber in den neueren Bereich. Vorbei an den großen Tanks, in denen das Bier bei -2 Grad reift und den bis an die Decke gestapelten typisch blauen Bierkisten, geht es zu einem ganz besonderen Mitarbeiter: Der Bierroboter Robby bringt mit seiner unterhaltsamen Art etwas Abwechslung in die Führung. Für uns war die Begegnung jedenfalls eines der Highlights des Rundgangs.

Wie leistungsfähig die Anlagen sind, zeigt die moderne Abfüllhalle. Hier können mehr als 30.000 Flaschen pro Stunde gereinigt, befüllt und etikettiert werden. Eine beeindruckende Zahl, auch wenn wir die Maschinen bei unserem Besuch nicht in Aktion erlebt haben, weil unsere Führung an einem Samstag stattfand. Da ruht die Produktion, die von Montag bis Donnerstag im Schichtbetrieb läuft. Wer die Abfüllanlagen tatsächlich bei der Arbeit sehen möchte, sollte sich daher eher für einen Termin unter der Woche entscheiden. Vorteil allerdings am Wochenende, du kannst das Ganze gleich mit einem längeren Ausflug in die wunderschöne Gegend und zum Stift verbinden (mehr dazu weiter unten).

Nach so vielen Informationen über das Bierbrauen darf natürlich auch das fertige Produkt nicht fehlen. Zum Abschluss der Führung geht es deshalb in die Zwickl-Stube, wo verschiedene Zwettler Biere verkostet werden können. Bei unserem Besuch standen vier unterschiedliche Biere zur Auswahl, die einen guten Eindruck davon vermitteln, wie vielseitig das Sortiment der Brauerei ist. Besonders überrascht hat uns dabei ausgerechnet die alkoholfreie Variante Zwettler FREI. Das kann geschmacklich wirklich gut mit seinen alkoholhaltigen Verwandten mithalten. Das liegt unter anderem an der Herstellung: Das Zwettler FREI wird zunächst wie ein klassisches Bier gebraut. Erst anschließend wird ihm der Alkohol durch ein besonderes Verfahren entzogen, damit möglichst viel vom ursprünglichen Biergeschmack erhalten bleibt.

Wem eine gewöhnliche Verkostung nicht reicht, der kann sich auch für das Freitagabend-Dämmerschoppen entscheiden. Jeden Freitag um 18.30 Uhr geht es zunächst auf Entdeckungstour durch die Brauerei. Anschließend darf in der Zwickl-Stube gemütlich verkostet werden. Verschiedene Zwettler Biere oder eine der acht alkoholfreie Limos stehen dabei zur freien Auswahl, dazu gibt es ein schmackhaftes Braumeisterbrot. Für das gesamte Erlebnis sollte man bis zu drei Stunden einplanen. Das Dämmerschoppen kostet 29,80 Euro pro Person.

Wer für die Brauereiführung schon einmal ins Waldviertel fährt, sollte ruhig etwas mehr Zeit für die Region einplanen. Denn rund um Zwettl warten noch viele weitere Ausflugsziele. Naturliebhaber kommen etwa am Ottensteiner See auf ihre Kosten. Auch die imposante Burg Rappottenstein, die auf einem Granitfelsen thront, ist einen Abstecher wert. Wer das Waldviertel gerne gemütlich erkundet, kann mit der nostalgischen Waldviertelbahn durch die abwechslungsreiche Landschaft tuckern. Für Familien lohnt sich außerdem ein Besuch in der SONNENWELT Großschönau. Dort geht es auf eine interaktive Reise durch die Geschichte der Menschheit, bei der sich alles um Energie und die Kraft der Sonne dreht.
Für Gruppen ab 20 Personen gibt es Kombi-Tickets für zwei Ausflugsziele an einem Tag. Zur Auswahl stehen eine Führung durch das historische Stift Zwettl, ein Besuch bei SONNENTOR oder ein Abstecher in die Whisky-Erlebniswelt. Auch der Waldlandhof oder das Biererlebnis Schwarz Alm lässt sich im Rahmen eines Kombi-Pakets erkunden.
Factbox: Alle Infos zum Zwettler Brauerlebnis
Adresse: Syrnauer Straße 22-25, 3910 Zwettl
Preis: Erwachsene 16,80 Euro, Kinder von 6 bis 15 Jahren 8,40 Euro (bei Gruppen unter 20 Personen zusätzlich 80 Euro Führungspauschale)
Öffnungszeiten: Führungen nach Voranmeldung: Mo bis Fr zwischen 9 und 15 Uhr, Sa um 9 und 11 Uhr
Dauer: 1 bis 1 1/2 Stunden | Dämmerschoppen: Fr um 18:30 Uhr (außer Feiertage), 29,80 Euro pro Person, inkl. Führung, Getränke nach Wahl und Braumeisterbrot.
Anreise von Wien: Mit dem Auto über die A22, S5, B37 ca. 1 1/2 Stunden Fahrzeit
Hier ein kurzes Video von der Führung
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Alle Fotos: (c) heldenderfreizeit.com
Hinweis: Dieser Artikel ist im Zuge einer Kooperation mit Zwettler Bier entstanden
Miriam Usenik schreibt seit 2017 für die Helden der Freizeit über Events, Ausflugsziele und das monatliche Netflix-Programm. Für ihre Serie "Miriams Ausflugstipps" produziert sie tollen Social Media Content.