Andreas Vitasek ist derzeit mit seinem neuen Programm “Wie es mir gefällt” auf Tournee. Anlässlich seines 70. Geburtstags und 45-jährigen Bühnenjubiläums blickt der Kabarett-Star zurück auf seine Karriere, mischt altbewährte Pointen mit brandneuem Material und läuft dabei zur Höchstform auf. Was euch da erwartet, liest du in unserer Review – schau dir dazu hier ein paar Video-Impressionen an.
von Stefanie Riegler, 13. 10. 2026
70 Jahre auf der Welt, 45 Jahre auf der Bühne: Andreas Vitasek hat im heurigen Jahr gleich doppelten Grund zum Feiern: In seinem Jubiläumsprogramm mit dem Titel Wie es mir gefällt, das unlängst in der Kulisse uraufgeführt wurde, präsentiert der Wiener ein Best-Of seiner Karriere gepaart mit neuen Nummern.

Dass die Wien-Premiere ausgerechnet in der Kulisse stattfand, ist kein Zufall. Denn genau hier feierte Vitasek seine ersten Erfolge als Kabarettist. Das allererste Plakat seines Programms Soloabend hängt seit den 1980er Jahren in den Räumlichkeiten der Kulisse. Und auch 45 Jahre später zählt er immer noch zu den großen Publikumsmagneten.
Wie es mir gefällt lautet also der Titel seines neuen Stücks. Nach so vielen Jahren auf der Bühne hat sich Vitasek neue Freiheiten erlaubt. Es ist ein Programm, das auch über die kommende Tour hinweg bewusst im Fluss bleiben darf. Kein Abend soll so werden wie der andere, heißt es in der Pressemitteilung. Wir haben uns das neue Stück in der Kulisse angesehen und verraten dir, in unserer Kritik, warum sich ein Besuch definitiv lohnt.
Denn Vitasek beweist, dass er auch mit 70 Jahren noch in Bestform und kein bisschen bühnenmüde ist. Gleich zu Beginn des Programms kramt der Wiener alte Erinnerungen hervor und gibt mit subtilem Schmäh Anekdoten zum Besten, bei denen das Publikum nur rätseln kann, ob diese Geschichten tatsächlich stattgefunden haben. So erzählt Vitasek etwa von einer Begegnung mit Falco in der Sauna oder davon, wie er gemeinsam mit Udo Jürgens in einer Bar Wein trank und ihm dazu riet, darüber ein Lied zu schreiben. Jürgens habe elegant geantwortet: “Komm, schenk’ dir ein.”

Absolut komisch sind auch seine Erzählungen über seine ersten Jobs, etwa als Weihnachtsmann verkleidet in einem Großwarenhaus oder bei der Post (“Einen so gut organisierten Alkoholismus gibt es nur in Österreich”). Begegnungen mit Leuten, die ihn auf der Straße erkennen, arten ebenfalls zu schrägen Situationen aus: Als ein Kontrolleur in der U-Bahn ihn offenbar wegen seiner Prominenz nicht nach der Fahrkarte fragt, ruft eine Dame erzürnt: “Aber den Herrn Vitasek müssen’s schon auch kontrollieren!”
Der Wiener Kabarettist beherrscht die Kunst, aus kleinen Geschichten, pointierten Anekdoten und schelmischen Seitenhieben ein ebenso facettenreiches wie unterhaltsames Gesamtbild zu schaffen. Statt brachialer Komik setzt Vitasek auf feinsinnigen Humor. Mit seiner unverwechselbaren Mimik werden selbst kleine Alltagssituationen zu witzigen Höhepunkten. Oft genügt schon ein Blick oder eine kleine Geste, um das Publikum zum Lachen zu bringen. Der rote Faden im ganzen Stück ist er selbst.

So schreckt er auch nicht davor zurück, sogenannte “Tiefschläge” seiner Karriere in humoristische Pointen umzuwandeln. Etwa als er bei einer ORF-Chartshow der “lustigsten Österreicher” auf Platz 19 gewählt worden war – von 20. Weiters trifft das Publikum auf alte Bekannte wie seinen Mops und bekommt lustige Geschichten aus Vitaseks Jugend präsentiert.
Die zweite Hälfte startet mit dem vorgetragenen Gedicht “Wochenendvater”, in dem der Wiener Kabarettist eine absurde Situation nach einer Trennung in Reimform schildert. Hier gibt er zum ersten Mal private Familienerlebnisse preis und erzählt, wie es war, als Scheidungskind bei seinem Vater aufzuwachsen.

Manche Pointen mögen mit einem bitteren Beigeschmack daherkommen. Dank Vitaseks unverwechselbaren Charme gehen sie trotzdem auf. Etwa wenn er in einer neuen Nummer vom Tod seines Vaters erzählt und eine absurde Situation beschreibt, wie er noch schnell vor dem Begräbnis Socken organisieren musste.
Dass sein treues Publikum mit Vitasek gealtert ist, merkt man besonders an den lauten Lachern, wenn er sich über die Probleme mit der ID-Austria lustig macht oder über den gedruckten Brockhaus sinniert.
Als Zugabe präsentiert Andi Vitasek mit einem Couplet aus dem “Alpenkönig” noch eine überraschende Gesangseinlage und einen wunderbar komisch dargestellten Gag über ein Gespräch mit dem Zahnarzt während der Zahnbehandlung. Nach rund 2,5 Stunden ist dann Schluss mit Wie es mir gefällt – und der jubelnde Applaus beweist, dass es auch dem Publikum gefällt.

Andreas Vitasek präsentiert mit Wie es mir gefällt ein wahrhaft lustiges Programm, das vor Pointendichte nur so sprüht. Altbewährte, humorvolle Anekdoten mischen sich mit absurden, neuen Geschichten, die ein schillerndes Gesamtbild formen. Mit 70 Jahren läuft der Kabarettist zur Höchstform auf, wenn er mit seiner charakteristischen Mimik und in bestem Wienerisch eine Wuchtel nach der anderen raushaut. Für ein paar Eindrücke schau dir dieses Video auf Instagram an.
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Aufmacherfoto: © heldenderfreizeit.com
Stefanie Riegler ist seit 2009 als Journalistin tätig. Sie liebt das Wiener Stadtleben, geht gerne auf Reisen oder auf Konzerte und schätzt besonders österreichische Filme.
