
Bist du schon mal auf Schienen Rad gefahren? Eine Stunde von Wien entfernt, kannst du genau das machen und dich auf einigen Stopps auf der Strecke kulinarisch verköstigen lassen. Wir haben die Sonnenland Draisinentour getestet und verraten dir in unserem Erfahrungsbericht, was dich bei diesem außergewöhnlichen Ausflug und der 23 Kilometer langen Strecke erwartet, wie der Betreiber auf die Idee kam und wem wir es empfehlen können. Schau dir dazu auch hier in unserem Video auf Instagram und TikTok an, was uns dabei besonders überrascht hat.
von Kirstin Kriz und Christoph König, 19. 9. 2026
Wenn du an eine Draisine denkst, dann vermutlich an eine klassische Eisenbahn-Draisine, die du mühselig mit den Armen antreiben musst. Im Mittelburgenland gibt es allerdings eine viel angenehmere Alternative, die wir dir jetzt in Teil 3 unserer Serie Natur-Ausflüge im Burgenland vorstellen.

Tatsächlich wollte Eisenbahnfan Günther Glöckl ursprünglich mit der armbetriebenen Variante seinen Betrieb aufziehen. “Beim Test mit meiner Schwester haben wir aber schnell gemerkt, dass uns nach rund einem Kilometer schon die Luft ausgegangen ist.” Die entscheidende Inspiration kam aus Schweden – dort nutzen Tramper und Ausflügler Rad-Draisinen, um auf alten Bahngleisen schneller voranzukommen. “So haben wir unsere eigenen Modelle entwickelt. Und sind 2004 mit unserer Sonnenland Draisinentour gestartet”. Eine Erfolgsgeschichte, denn inzwischen stehen bereits über 120 Draisinen zur Verfügung. Gerade bei Familien und Vereinen aus Österreich, aber auch Ungarn, kommt das Angebot super an. Die Samstage sind meist mit 600 Gästen ausgebucht, die Sonntage gut besucht und an Wochentagen findet man auch spontan immer ein Platzerl.

Aber wie funktioniert das genau? In einer Standarddraisine haben bis zu 4 Leute Platz. Sie wird von zwei Rädern, die vom Design älteren Heimtrainern ähneln, betrieben. In der Mitte können zwei weitere Personen auf der Bank Platz nehmen. Vorne findet sich ein Ablagebereich für Rucksäcke, Taschen usw. und auch an eine Getränkehalterung wurde gedacht. Die Bremsen sind angenehmerweise sowohl von den Radsitzen als auch den Bankplätzen gut erreichbar. Je nach Modell können bis zu 12 Personen in einer Draisine fahren. Da gibt es sogar Varianten speziell für Rollstuhlfahrer:innen und in den verrücktesten Designs: Im Polizei-Look, als Railjet oder sogar mit einem Tischerl zum gemütlich Zusammensitzen. Weitere Option: Mittels Kupplung kannst du beispielsweise 4er-Draisinen zu einer Draisine mit 8, 12 oder mehr Plätzen zusammenhängen.

Die 23km lange Strecke (Teilabschnitte siehe Factbox unten) führt an geraden Tagen von Horitschon/Neckenmarkt nach Oberpullendorf und an ungeraden Tagen in die andere Richtung. Es gibt bei beiden Versionen Abschnitte, die du gemütlich bergab rollen kannst oder auch mal bergauf radeln musst. An Straßenkreuzungen stehen Schranken, die du selbst händisch bedienst. Bei kreuzenden kleinen Wegerln musst du dein Tempo drosseln.
Die Bahnhöfe und kulinarischen Stopps (Stoob, Markt St. Martin, Lackenbach) bieten asphaltierte Bereiche, bei denen du die Draisine aus dem Gleis heben und am Rand parken kannst, damit du niemandem den Weg versperrst. Am besten hebst du die Draisine zu zweit, um deinen Rücken zu schonen, denn das Standardmodell wiegt immerhin 135 Kilo. Besonders attraktiv ist ein Stopp beim Esterhazy-Schloss Lackenbach (was es bietet, liest du in unserem Artikel mit den 11 schönsten Schlössern und Burgen im Burgenland). Zurück zum Ausgangspunkt fährt dich dann ein Autoshuttle, den du angenehmerweise bereits beim Start deiner Tour buchst.

Die Helden der Freizeit starten an einem ungeraden Tag in Oberpullendorf. Nachdem wir die Anmeldung erledigt und den Mietvertrag für unsere Draisinen unterschrieben haben, werden wir eingeschult und auf die Sicherheitsbestimmungen (z.B. nicht während dem Fahren auf- oder abspringen) hingewiesen. Dafür solltest du etwa 30 Minuten einplanen. Bei einer Klopause vor der Fahrt stellen wir außerdem fest, dass wir noch nie so ein cooles WC gesehen haben. In welchem Klo kann man sich schon Bier abzapfen oder mit der besten Freundin gemeinsam Sekt trinken. Dann starten wir motiviert los und genießen die Natur.

Du fährst viel in schattigen Wäldern, aber auch an vielen Sonnenblumen-Feldern vorbei. Wir hatten bei dem Abschnitt, der bergab ging, besonders viel Spaß. Nachdem wir mit zwei Draisinen unterwegs waren, haben wir uns zwischendurch auch immer mal wieder zusammengekoppelt. Ein Mindestabstand von 30 Metern zum Vordermann wird wegen des Bremswegs bei trockenem Wetter empfohlen, bei Regen sollte er deutlich größer sein. Die Bremsen haben bei unserem Test ausgezeichnet funktioniert – und so konnten wir das Vehikel immer sehr schnell zum Stillstand bringen. Das ist auch nötig, denn an der Strecke sind viele Schranken händisch zu bedienen. Am Witzigsten sind die zwei großen Anlagen, die du per Knopfdruck bedienen musst – ein interessantes Gefühl, wenn man den Spieß einmal umdreht und der Autoverkehr für einen Stehenbleiben muss.

Unser erster Stopp führt uns zum Mittagessen in der Mittelstation beim Bahnhof Markt St. Martin – ungefähr auf halber Strecke. Hunger haben wir mittlerweile auch schon mitgebracht. Dort gibt es allerlei österreichische Klassiker oder auch Burger zur Auswahl. Das Ambiente ist eine gelungene Mischung aus industriellem und modernen Stil und man erkennt, mit wie viel Liebe zum Detail hier alles geplant wurde. Zugnostalgiker werden sich auch an den vielen alten Bildern erfreuen.

Mit ein bisschen mehr Gewicht, sind die folgenden Abwärtspassagen besonders spaßig. Anschließend halten wir dann noch bei der Süßen Station in Lackenbach. In der urigen Backstube erwarten dich frisch gemachte Palatschinken – sehr groß und üppig belegt. Am besten nach dem Mittagessen dafür noch etwas Platz lassen. Dazu empfiehlt sich ein Kaffee oder eine Mehlspeise. Wegen der Nähe zum Schloss greifen wir stilecht zur Esterhazy-Torte. Entsprechend gestärkt, gehen wir die letzten 5,5 Kilometer nach Lackenbach an.

Wir hatten viel Spaß auf der Tour und können sie für alle empfehlen, die einen außergewöhnlichen Ausflug ausprobieren möchten. Die reine Fahrzeit mit der Draisine beträgt zwar nur gut zwei Stunden, wir empfehlen aber mindestens einen halben Tag einzuplanen. Das gleichmäßige Dahingleiten auf den Schienen ist perfekt zum Abschalten und hat ein bisschen einen meditativen Charakter. Durch die 4 Plätze und die Sitzbank in der Mitte, kann man sich beim Strampeln gut abwechseln, was gerade für Familien ein angenehmes Feature ist.
Du musst zwar eine gewisse Grundfitness mitbringen, es sind ja schließlich 23 Kilometer, allerdings ist die Draisinentour auch nicht zu fordernd. Unsere Richtung (ungerader Tag) hat für uns perfekt gepasst, weil wir uns nach dem Mittagessen auf die Süße Station freuen konnten und die lange Bergabstrecke am Ende besonders gemütlich war. Welche Richtung einem besser gefällt, ist absolut Geschmackssache. Plane auf jeden Fall genug Zeit für Pausen und Essen ein, damit du dann rechtzeitig zum Rückshuttle am Ziel ankommst.
Factbox: Sonnenland Darisinentour
Startzeiten: Werktags 10.00 bis 12.00 Uhr; Samstag, Sonntag & Feiertag 9.00 bis 12.00 Uhr (April, Oktober, November: Do. bis So. & Mai – September Mi. bis So.)
Adresse: Startbahnhof an geraden Tagen: Bahngasse, 7311 Neckenmarkt,
Startbahnhof an ungeraden Tagen: Bahngasse, 7350 Oberpullendorf
Anfahrt aus Wien: Neckenmarkt: A23, A3, Burgenland Schnellstraße (S31) bis Ausfahrt Weppersdorf, B62 (Deutschkreutzer Straße) Richtung Horitschon und Neckenmarkt; Oberpullendorf: A3, S31 Richtung Süden bis Ende S31 (Oberpullendorf Süd)
Preise: Standarddraisine für 4 Personen 84 Euro (werktags)/99 Euro (Wochenende und Feiertage), hier geht‘s zur kompletten Preisliste
Streckenabschnitte (Kilometerdistanzen): Oberpullendorf -> 4,7km nach Stoob -> 6,2km nach Markt St. Martin -> 6,6 km nach Lackenbach -> 5,5 km nach Neckenmarkt/Horitschon.
Video zu unserer Tour: Hier auf Instagram & hier auf TikTok
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Alle Fotos (c) heldenderfreizeit.com
Advertorial Hinweis: Dieser Artikel ist im Zuge einer Kooperation mit dem Burgenland Tourismus entstanden.
Kirstin Kriz aus Wien-Liesing berichtet bei den Helden der Freizeit vor allem über Ausstellungen, Ausflugstipps und Sportaktivitäten. Die Journalistin und Kommunikationswissenschaftlerin produziert außerdem Social Media Content.