
In Teil 25 meiner Serie Grenzgänger führe ich dich in eine der ältesten Städte Zentraleuropas. Nitra (deutsch Neutra, 90 Kilometer östlich von Bratislava) wurde 828 erstmals urkundlich erwähnt. Die damals begründete enge Verbindung von weltlicher und geistlicher Macht ist hier nach wie vor baulich sichtbar. Die prachtvoll restaurierte Bischofsburg (Burg Nitra) thront auf einem markanten Felsen. Innerhalb der Burgmauern befinden sich seit unfassbaren 1.100 Jahren die Kathedrale und der Bischofssitz – das ist in Europa einzigartig! Von der Festung hast du herrliche Ausblicke auf die Stadt und zum Zobor, dem Neutraer Hausberg und höchsten Gipfel des Tribetzgebirges (Tribeč). Dieses strahlt mit seinen offenen Eichenwäldern, Weingärten und felsigen, mit Trockengras bewachsenen Hängen südländisches Flair aus.
Wie gewohnt gebe ich dir auch Tipps für die Altstadt und einen Abstecher in das Umland, wie zum Kalvarienberg mit seinen Kreuzwegstationen, zur romanischen Kirche von Dražovce und dem Wisent-Wildgehege Kleintopoltschan. Abgerundet wird unser Guide mit gastronomischen Empfehlungen und einer praktischen Karte zur Orientierung. In einem kurzen Video auf Instagram und auf TikTok kannst du dir einen ersten Eindruck und Überblick verschaffen.
von Martin Kienzl, 22. 8. 2026
Als in Nitra 828 bereits ein slawischer Fürstensitz mit Kirche existierte, war das spätere Wien noch weit davon entfernt, eine bedeutende Stadt zu sein. Als einzige Stadt im heutigen Österreich war Salzburg Nitra ebenbürtig und als kirchliches Zentrum bedeutender.

Fürst Pribina errichtete im damals überwiegend heidnischen Fürstentum Nitra (Nitrianske kniežatstvo) eine Kirche, der früheste klar schriftlich belegte Kirchenbau im slawischen Raum (828). Danach wurde Pribina allerdings aus Nitra vertrieben. Worauf ihn der Ostfrankenkönig Ludwig der Deutsche mit der Verwaltung des slawischen Plattensee-Fürstentums betraute. Pribina gründete dessen neue Haupstadt, das heute ungarische Zalavár, damals slawisch Blatnohrad, deutsch Mosapurc (Moosburg).

Erst 1938 holte man Pribina wieder aus der frühmittelalterlichen Schublade. Denn nun konnte man ihn perfekt politisch instrumentalisieren. Hitler hatte in diesem Jahr die Tschechoslowakei zerschlagen. Die deutschsprachigen Gebiete Böhmens und Mährens wurden, wie zuvor Österreich, dem Deutschen Reich angeschlossen. Die tschechischen Länder wurden zum vom nationalsozialistischen Deutschen Reich kontrollierten Protektorat Böhmen und Mähren.
Und die Slowakei wurde unter dem Priester Jozef Tiso zum klerikal-faschistischen Slowakischen Staat (Slovenský štát) in Allianz mit dem Deutschen Reich. Da kam es gelegen, Pribina als historisches Vorbild einer gelungenen slawisch-deutschen Verbindung darzustellen.

Die Kriegsbeteiligung der Slowakei an der Seite des Deutschen Reichs sollte Nitra zum tragischen Verhängnis werden. Am 26. März 1945 wurde die Stadt von sowjetischen Flugzeugen bombardiert. Eine Tatsache, die bis 1989, da die Slowakei im sowjetischen Machtbereich lag, tabuisiert und totgeschwiegen wurde. Erst 2005 thematisierte der Autor Štefan Košovan (geboren 1934) in seinem Buch Nitra, druhé Coventry? (Neutra, ein zweites Coventry?) die Bombardierung. Košovan erachtet sie als ähnlich schwer wie den Beschuss des englischen Coventry durch die Deutsche Wehrmacht 1940.

In einigen Teilen der Stadt sind die damaligen Zerstörungen spürbar; in erstaunlich vielen Straßenzügen entschieden weniger. Gänzlich geheilt sind die Wunden, die 1945 der Hauptsehenswürdigkeit, der Neutraer Bischofsburg (Nitransky hrad), geschlagen wurden. Das Burggelände ist nach heutigen Maßstäben relativ klein. Doch zur Zeit ihrer Entstehung im 9. Jahrhundert war sie die größte Burg des Mährerreichs, das auch den Nordosten des heutigen Niederösterreichs umfasste.
Schon im Jahr 880, hundert Jahre bevor es Österreich überhaupt gab, wurde Nitra Bischofssitz. Fürst bzw. König des Mährerreichs mit Sitz in Nitra war damals Svatopluk I..

Beim Ringen um eine slowakische Nationenbildung wird ihm seit dem 20. Jahrhundert eine gewichtige, aber umstrittene Rolle beigemessen. Kritiker meinen, dass mit der Erinnerung an Svatopluk, zu dessen Zeit die slowakische Nation als solche noch nicht existierte, Geschichte für heutige Politik instrumentalisiert wird. Eugen Suchoňs Oper Svätopluk von 1960 wird an slowakischen Gedenktagen aufgeführt. 2010 wurde ein neues, monumentales Reiterstandbild Svatopluks prominent vor der Burg von Bratislava platziert.

Am Burggelände erwarten dich drei Besichtigungsorte, die es alle drei wert sind, besucht zu werden: Die Kathedrale – die Basilika des Heiligen Emmeram von Regensburg (Katedrála – Bazilika sv. Emeráma z Regensburgu), der Turm der Kathedrale (Katedrálna veža) und das Diözesanmuseum (Diecézne múzeum). Vor dem Eingang zur Bischofsburg steht eine barocke Pestsäule des Tiroler Bildhauers Martin Vögerl.
Über eine Steinbrücke mit barocken Heiligenfiguren gelangst du durch zwei Tore der Festung in den Innenhof der Bischofsburg. Eine breite Treppe führt zur Kathedrale hinauf. Durch die jahrhundertelange Baugeschichte und die Errichtung auf einem steilen Felsen entstand eine ungewöhnliche Verzahnung von zwei Ebenen, einer Unter- und einer Oberkirche, die zusammen eine Basilika bilden.

Die Unterkirche (Dolný kostol) überrascht dich mit gleich zwei Highlights. Der barocke Marmoraltar zeigt ein eindrucksvolles Relief der Kreuzabnahme, 1662 vom Salzburger Hans Pernegger geschaffen. Als Vorlage diente ihm die Kreuzabnahme (Deposizione) von Daniele da Volterra, ein berühmtes Meisterwerk des Manierismus. Angesichts des tonnenschweren Altars kannst du dir vorstellen, welchen Aufwand es bedeutete, ihn von der gegenüberliegenden Seite an seine heutige Stelle zu setzen.

Denn im Zuge von Restaurierungsarbeiten entdeckte man 2012 hinter dem Altar ein gotisches Fresko, das behutsam freigelegt wurde und das du nun gegenüber dem Marmoraltar bewundern kannst. 1360-70 entstanden, zeigt es rechts die Krönung Marias durch Jesus Christus im Himmel, links das letzte Gebet Marias im Kreis der Apostel, und oben das Schweißtuch der Veronika mit dem Antlitz Christi.
Dieses mittelalterliche Juwel gilt heute als das am besten erhaltene Kathedralfresko im gesamten ehemaligen Königreich Ungarn, zu dem die heutige Slowakei, früher als Oberungarn (Felvidék) bezeichnet, gehörte.

Die erste auf dem Burgfelsen errichtete Kirche war klein und romanisch. Im 14. Jahrhundert baute man die heutige einschiffige Oberkirche. Sie wurde im 17. und darauf nochmals im 18. Jahrhundert umgebaut. So zeigt sich die Kirche heute im Stil des österreichischen Barock. Der berühmte italienische Baumeister Domenico Martinelli, von dem du in Wien das Palais Harrach und Gartenpalais Liechtenstein kennst, leitete den Umbau.

Der Austro-Italiiener Gottlieb Anton Galliardi (1689 Steyr-1728 Wien), dessen gleichnamiger Sohn später im oberösterreichischen Kremsmünster arbeitete, schuf die Fresken. Charmant anzusehen sind seine Trompe-l’œil-Fresken an den Seitenwänden. Sie sollen dir vortäuschen, zu geöffneten Sprossenfenstern hinaufzublicken. Aus einem schauen drei Männer, darunter ein Kleriker im Ornat, auf dich zum Kirchenschiff herunter. Bei einem anderen kannst du einen Geistlichen beim Lesen sehen.
Mag die Kathedrale auch klein sein – die prachtvolle Gestaltung des Innenraums und der reich verzierte Hochaltar erzeugen eine Wirkung, die einem der ältesten und historisch bedeutendsten christlichen Zentren Zentraleuropas würdig ist.

Mit dem empfohlenen Kombiticket kommst du, im Rahmen einer kurzen Führung, auf den Turm der Kathedrale (Katedrálna veža), der dir einen Panoramablick über Neutra bietet. Zu deinen Füßen siehst du das rokoko-klassizistische Großpropstpalais (Veľprepoštský palác) mit seinem charakteristischen Säulenvorbau. Es wurde 1778-80 im Auftrag Maria Theresias durch den kaiserlichen Hofarchitekten Franz Anton Hillebrandt, dem zum Beispiel Schloss Hof sein heutiges Aussehen verdankt, errichtet. Nach seiner Renovierung 2004 sind dort nun wieder Ämter des Neutraer Bistums untergebracht.

Sowohl vom Kirchturm als auch von den Aussichtsterrassen der Bischofsburg überblickst du die reizvolle Lage der Stadt zwischen Gebirge und Tiefebene. Über allem thront der 588 Meter hohe Zobor, der Hausberg der Stadt im Tribetzgebirge, einem Teil der Karpaten. Der 1970 eröffnete Doppelsessellift auf den Zobor wurde leider 1993 außer Betrieb genommen.
Das Tribetzgebirge (Tribeč) ähnelt hinsichtlich seines teilweisen Waldsteppencharakters und seiner Lage am Rand des Pannonischen Tieflands dem burgenländischen Leithagebirge. Allerdings wirkt das Tribetzgebirge majestätischer – weil es hundert Meter höher und doppelt so groß ist, sowie Steilhänge, ja sogar Felswände und Kalksteingipfel, aufweist. Nirgendwo in der Slowakei ist es so warm und so trocken wie hier. Wenn du den warmen Hauch, der von der Adria, östlich an den Alpen vorbei, bis Wien weht, noch ein paar Grad hinauf drehen möchtest, solltest du nach Nitra fahren. Im Süden grenzt das Gebirge an das Weinbaugebiet Nitra (Nitrianska vinohradnícka oblasť), eines der Pannonischen Vorland-Weinbaugebiete, wie die Weinregionen Neusiedler See in Österreich und Tokaj in Ungarn.

Direkt neben der Kathedrale befindet sich seit unglaublichen 1.100 Jahren der Bischofssitz. Eine Rarität: Nirgendwo sonst in Europa befindet sich ein aktiver Diözesanbischofssitz noch innerhalb einer echten, historischen Burganlage. In allen anderen Fällen, wie in Krakau, Wien, Prag oder Esztergom, ist der Sitz entweder teilweise ausgelagert oder liegt nicht innerhalb der Burgmauern.
Das Bischofspalais (Biskupský palác) geht in seinen Grundmauern und Kellern auf das 12. Jahrhundert zurück. Seine heutige Gestalt erhielt es Anfang des 18. Jahrhunderts im Stil des Spätbarocks. Vor dem Bischofspalais, inmitten des Platzes vor der östlichen Aussichtsterrasse, befindet sich seit 2012 eine vier Meter hohe Bronze-Statue von Papst Johannes Paul II. zur Erinnerung an seinen Neutraer Besuch am 30. Juni 1995 im Rahmen seiner Slowakei-Reise.
Die Monumentalität des Denkmals hat kein tschechische Gegenstück. Eine Tatsache, die dir in Erinnerung ruft, dass die Slowakei, im Gegensatz zu Tschechien, ein stark christlich geprägtes Land ist. Laut Eurobarometer betrachten sich bis zu 80% (!) der Tschechen als nicht religiös gebunden, davon ist fast die Hälfte atheistisch. Die slowakische Bevölkerung ist hingegen zu 70 % christlich (60% katholisch, 10% Angehörige anderer christlicher Glaubensgemeinschaften). Viele Christen sind, ähnlich wie in Polen, regelmäßige Messbesucher. Nur 5–10% der Slowaken bezeichnen sich als Atheisten. Das erklärt auch die sozio-kulturelle Spaltung der früheren Tschecho-Slowakei und die 1993 erfolgte Teilung der beiden Länder.

Im Kombiticket inkludiert ist ein Besuch des Diözesanmuseums gegenüber der Kathedrale. Die Schatzkammer der Neutraer Diözese gibt dir mit ihren prunkvollen Monstranzen, goldenen Kelchen, antiken Münzen und kostbaren Priestergewändern aus mehreren Jahrhunderten eine eindrucksvolle Vorstellung von ihrem Reichtum.
Darüber hinaus werden hier bedeutende alte Handschriften gezeigt. Einige sind in der Glagoliza, der glagolitischen, der ältesten bekannten slawischen Schrift, verfasst. Die Glagoliza wurde 863 von den Slawenaposteln Kyrill und Method, abgeleitet aus dem griechischen Alphabet, geschaffen. Die beiden, eigentlich als Konstantin und Michael im griechischen Thessaloniki geborenen Missionare waren auch in Nitra tätig. Das nach Kyrill benannte Alphabet, die Kyrillische Schrift, die heute für Ukrainisch, Serbisch, Bulgarisch, Russisch verwendet wird, entstand, abgeleitet von der von Kyrill mitentwickelten Glagoliza, erst später, wahrscheinlich Anfang des 10. Jahrhunderts.

Die Glagoliza nahm ihren bedeutenden Ausgang von Nitra, das in jener Epoche als eines der wichtigsten christlichen Zentren galt. In der kroatischen Erinnerungskultur begegnest du ihr bis heute. Zur Abgrenzung gegen den lateinischen Westen und den orthodoxen / kyrillischen Osten wurde die Glagoliza national-kroatisch interpretiert. Musikfreund:innen ist die Schrift durch Janáčeks gewaltige Glagolitische Messe ein Begriff.
Kommst du aus Südtirol, so wirst du dich darüber freuen, dass man für die Neutraer Kathedrale 2017 eine große Bergmeister-Krippe, klassische Grödner Holzschnitzkunst, in Auftrag gab. Außerhalb der Weihnachtszeit ist sie im letzten Raum des Diözesanmuseums zu bewundern.

Wunderschön am Fuss der Bischofsburg, in einer Flusschleife der Neutra, liegt der Stadtpark in der Au (Mestský park na Sihoti – Sihoť bedeutet Au/Flussinsel). Über die Nordseite des Burgbergs führen gut befestigte Wege zu ihm hinunter. Ein Besuch der Stadt ohne Spaziergang durch den Stadtpark wäre unvollständig. Altarme des Neutra-Flusses (Relikte der Au, die hier früher war), der Blick auf den Zobor, ein Streichelzoo, Springbrunnen, naturnahe Kieswege und Spielplätze machen den Reiz der gepflegten Anlage aus.
Inmitten des Stadtparks liegt das Alte Bischöfliche Gasthaus (Stary Biskupsky hostinec), das 2015 aufwendig restauriert wurde. 1831 im Stil des Klassizismus errichtet, diente es ursprünglich als Herberge für reisende Gäste des Bischofs, später als Parkcafé. Heute ist es empfehlenswertes Café-Restaurant für alle Tageszeiten.

Über die kleine Wiese unterhalb der Marien-/Pest-Säule, heute Johannes Paul II. Platz (Námestie Jána Pavla II.), gelangst du auf schnellem Weg in die Altstadt. Am Pribina-Platz (Pribinovo námiestie) steht die Statue des einleitend erwähnten Fürsten Pribina vor dem 1770 erbauten Großen Seminar. Gegenüber steht das klassizistische Chorherrenhaus mit einem muskulösen Atlanten an der Ecke. Am unteren Ende des Platzes befinden sich in der Franziskanerkirche St.Peter und Paul (Kostol sv. Petra a Pavla) 33 Holzreliefs mit Szenen aus dem Leben des Franziskus, vom Wiener Franz Xaver Seegen im 18. Jahrhundert geschaffen.
Durchschreitest du die Durchfahrt neben der Franziskanerkirche, so verlässt du die Oberstadt. Gleich um die Ecke befindet sich das repräsentative ehemalige Komitatshaus (Župný dom), das heute die Neutraer Galerie (Nitrianska galéria) mit Wechselausstellungen von Gegenwartskunst beherbergt.

In den anschließenden Straßen und am Svätopluk Platz (Svätoplukovo námestie) stehen großteils Neubauten. Viel von der alten Bausubstanz ging hier durch den verheerenden Bombenangriff von 1945 verloren. Hier sieht Nitra wie Kaiserslautern oder Kassel aus. Wie in vielen deutschen Städten, ersetzt ein Neubau, das Andrej Bagar Theater (Divadlo Andreja Bagara), das kriegszerstörte Theater. Seit 1992 findet dort das international renommierte Schauspielfestival Divadelná Nitra statt bei dem Tophäuser wie das Stary Teatr Kraków, das Deutsche Theater Berlin, die Münchner Kammerspiele oder das Katona József Színház gastieren.

Am Svätopluk Platz beginnt auch die Štefánik-Straße (Štefánikova trieda), Hauptstraße und Fußgängerzone. Mehr über ihren Namensgeber Milan Rastislav Štefánik und dessen monumentales Grabmal haben wir dir in unserem Beitrag Blutgräfin-Burg Čachtice: Einer der gruseligsten Orte der Welt erzählt.
In einer ihrer Seitengassen befindet sich die ehemalige Synagoge, entworfen von Lipót Baumhorn, dem mit 22 Tempeln meist beschäftigten Synagogen-Architekt der letzten Jahrzehnte der Donaumonarchie. Heute ist sie ein Kulturzentrum für Veranstaltungen. Eine Ausstellung präsentiert das Jüdische Neutra. Der große Jüdische Friedhof (Židovský cintorín) liegt westlich der Altstadt.

Die dominantesten Türme der Altstadt sind die der großen barocken Piaristenkirche St. Ladislaus. Möchtest du in einem Schanigarten deine Zeit bei Kaffee, Drink oder Eis genießen, so kommt dafür neben der Štefánik-Straße die kleine Kupecká-Straße in Frage. Mehr dazu findest du weiter unten bei unseren Gastronomie & Hotel Tipps.
Nach traditioneller Auffassung liegt Nitra auf sieben Hügeln. Neben dem Burgberg (Hradný vrch) ist vor allem der Kalvarienberg (Kalvária), ein Kalksteinhügel, ein beliebter Aussichtspunkt. Ihn zu erreichen ist ohne motorisierten Untersatz gar nicht so einfach, da er zwei Kilometer südlich des Zentrums liegt und die Öffis in dem Fall keine vernünftige Alternative anbieten.

Vom Missionshaus Gottesmutter (Misijný dom Matky Božej) erreichst du über eine steile Wiese, an der dreizehn Kreuzwegstationen aus dem Jahr 1885 liegen, das Kapellerl des Heiligen Grabes (Kaplnka Božieho hrobu) und eine Kreuzigungsgruppe. Obwohl die Stadt sehr nahe herangewachsen ist, lohnt sich der kurze Aufstieg wegen der freien, aussichtsreichen Lage des Hügels. Die herrliche Einbettung Neutras zwischen Tribetz-Gebirge und Pannonischem Tiefland genießt du hier ganz besonders. Auf dem Kalvarienberg entstand auch das Titelfoto unseres Beitrags.

Unbedingt einen Abstecher wert ist auch die romanische Erzengel-Michael-Kirche von Dražovce (Kostol svätého Michala archanjela), ein ikonischer Ort. Die kleine Kirche befindet sich, etwa 7 km vom Neutraer Stadtzentrum entfernt, in Dražovce, heute ein Ortsteil von Nitra. Eine romanische Kirche, die derartig fotogen und völlig frei in der Landschaft steht, findest du in Österreich nicht. Noch dazu thront sie dominant an einer Felsklippe des Tribetzgebirges. Fast könntest du dich mit etwas Fantasie in die abgeschiedene Einsamkeit des Frühmittelalters zurückversetzt fühlen.

Doch musst du dabei eine der modernsten Autofabriken Europas übersehen (indem du nicht ganz an den Klippenrand gehst kannst du das sogar). Denn direkt darunter hat Jaguar Land Rover eine gigantische, glücklicherweise niedrige Fabrik errichtet. Sie kannst du bei Werksführungen besichtigen. Die Slowakei ist bei der Fahrzeugproduktion pro Einwohner seit Jahren Nummer 1 (oder unter den Top 2) weltweit. Kaum ein anderes Land produziert so viele Autos im Verhältnis zur Bevölkerung.
So du deinen Ausflug nach Nitra für einen langen Sommertag oder für 2 Tage planst, bieten sich in der näheren und weiteren Umgebung unzählige weitere Ausflugsziele an. Einen Überblick, von einer Klosterruine bis zum Geburtshaus des Hotel-Sacher-Gründers, geben wir dir am Ende des Beitrags.

Östlich von Nitra, gibt es eine Überraschung für Tierfreunde: ein Reservat für Wisente – europäische Bisons. Inmitten von Wäldern und Wiesen findest du eine kleine Population dieser größten am Land lebenden Wildtiere Europas. Sie kannst du in Österreich zwar in Tierparks wie Stadt Haag oder Herberstein sehen. Doch wer einen Eindruck davon gewinnen möchte, wie Wisente mit weiten Auslauf und in ihrer bevorzugten Landschaft leben, findet in dieser Auswilderungs-Zuchtstation, 38 Kilometer nordöstlich von Nitra, die aus Österreich betrachtet nächstgelegene Möglichkeit.
Denn das Kleintopoltschaner Wisent-Wildgehege (Topoľčianska zubria zvernica) bietet dem Europäischen Bison halboffene Waldlandschaften mit einer Mischung von Buchen, Linden, Kiefern, Birken – und vor allem Eichen. Eichenwälder, in Österreich nur ganz im Osten unseres Landes zu finden, sind nahrungsreich und herrlich lichtdurchflutet. Auch im berühmtesten Wisent-Lebensraum und Europas letzten Tiefland-Urwald, dem polnisch-belarusischen Belowescher Urwald (Białowieża-Urwald), dominieren Eichen. Aus diesem UNESCO-Welterbegebiet stammen auch die Elterntiere der Wisentherede von Kleintopoltschan.

Im Kleintopoltschaner Gehege von insgesamt 140 Hektar könnte eine Herde von bis zu 30 europäischen Bisons gehalten werden. Die bei Nitra gezüchteten Tiere werden in erster Linie im Poloniny-Nationalpark im slowakisch-ukrainisch-polnischen Dreiländereck ausgewildert.
1958, als die Kleintopoltschaner Anlage gegründet wurde, war der Wisent als eines der seltensten Großsäugetiere Europas vom Aussterben bedroht. Es ist unter anderen dieser einzigen Wisentzuchtstation der Slowakei zu verdanken, dass die bis zu 900 Kilo schweren Riesen wieder in die Karpaten zurückgekehrt sind. Und dass der Wisent, der in Österreich bereits im Mittelalter ausgerottet war, seit 2020 in Europa immerhin nicht mehr als stark gefährdet – aber auch nicht als ungefährdet – gilt.

Nitra zählt zu den ältesten Städten Zentraleuropas und beeindruckt mit einer über 1.100 Jahre ununterbrochenen Verbindung von geistlicher und weltlicher Macht. Die Neutraer Bischofsburg (Burg Nitra) ist einzigartig in Europa: Sie beherbergt den einzigen Bischofssitz, der bis heute innerhalb einer mittelalterlichen Burg existiert.
Die edle Kathedrale, die sonnenverwöhnte Lage am Fluss Nitra und am Übergang des Tribetzgebirges in das Pannonische Tiefland verleihen der Stadt eine besondere Atmosphäre. Der karstige Kalvarienberg mit seinen 13 Kreuzwegstationen bietet eine großartige Aussicht auf Nitra. Die romanische Kirche von Dražovce, einem Nitra eingemeindeten Dorf, beeindruckt durch ihre spektakuläre Lage. All diese Highlights machen Nitra zu einem lohnenden Ziel für einen Tagesausflug ab Wien.
Wer mehr Zeit mitbringt, kann den Aufenthalt durch einen Besuch eines der vielen Ausflugsziele in der Umgebung, etwa das nahe gelegene Wisent-Reservat von Kleintopoltschan, ideal ergänzen.
Hier alle weiteren Ausflugstipps unserer Grenzgänger-Reihe
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Alle Fotos: (c) heldenderfreizeit.com
Der erfahrene Kulturjournalist (ehemals Bühne, Wien exklusiv, Stil Ikonen usw.) berichtet bei den Helden der Freizeit über Eventhighlights und in seiner beliebten Grenzgänger-Serie über erstaunliche Ausflugsziele nahe der österreichischen Grenze.