Wikinger in der Marx Halle, ein Geschichte-Krimi im Kunsthistorischen Museum, ein moralisch fragwürdiger Gründer einer “Künstlerkommune”, Minecraft-Challenges in der METAstadt und, und, und. Die heißen Monate sind zwar vorbei. Dafür heizen euch die heurigen Herbst-Ausstellungen umso mehr ein. In unserer Übersicht erfährst du, was die goldene Jahreszeit an Kunst für dich in petto hat.
von Christina H. Janousek, 10. 10. 2026

Die wohl bekanntesten skandinavischen Seefahrer und Krieger lichten seit Ende September den Anker ihrer imposanten Drachenboote – und das direkt in der Karl-Farkas-Gasse. Hier tauchen Besucher:innen virtuell nicht nur in das Leben der mächtigsten Familie der Wikingerwelt, sondern auch in die sagenumwobene nordische Mythologie ein – von den Runenschriften, vom Wald der Zeit, dem Weltenbaum Yggdrasil, der die Welt der Götter, der Menschen und die Unterwelt verbindet, bis zur dänischen Königin Aslaug, die ihrem Gemahl Ragna Lodbrok in Gestalt eines Bären begegnete.
Aber auch abseits des Schlachtfeldes lernst du die Wikinger kennen – als Bauern und Händler, Handwerker und Gesetzgeber. Und auch Frauen ließen sich hier von niemandem den Mund verbieten. Was uns an der Ausstellung gut und weniger gut gefällt, erfährst du hier in unserer Kritik mit Video.

Die neue Schau „Otto Muehl: Art at the Abyss“ schickt dich auf eine wilde Achterbahnfahrt von den rebellischen Materialaktionen der 60er-Jahre bis hin zu den düsteren Schattenseiten seiner Kommune Friedrichshof. Genau an diesem radikalen Wendepunkt kippt die Stimmung knallhart von kreativer Befreiung zu Machtmissbrauch und Kriminalität. Weil Muehl Kunst und Leben komplett miteinander verschmolzen hat, zwingt dich die Ausstellung zur wohl spannendsten Frage der Kunstwelt: Darf und kann man das Werk überhaupt vom Täter trennen? Ein absolut intensiver Trip, der definitiv hängenbleibt und nichts für zart Besaitete ist.

Das Weltmuseum widmet seine aktuelle Ausstellung der komplexen Geschichte des internationalen Waffenhandels um 1900. Sie zeigt die Waffe dabei nicht nur als Instrument kolonialer Gewalt, sondern auch anti-kolonialen Widerstands – anhand von historischen Fotografien, Objekten aus den Beständen des Museums sowie von internationalen zeitgenössischen Kunstwerken und Filmen. Die Ausstellung lädt dazu ein, einen genaueren Blick auf koloniale Vorstellungen zu werfen und zu entdecken, wie die einseitige Darstellung von Pfeilen und Bögen ein verzerrtes Bild des Globalen Südens entstehen ließ.

Was für bunte Geschichten können 350 Kleiderstücke wohl erzählen? Die Antwort findest du im Wien Museum, wo das Zusammenspiel von Mode, Macht, Ästhetik und Identität zur Schau gestellt wird. Egal, ob Arbeitskleider und Ballroben, Dessous und Kopfbedeckungen, Holzsandalen oder Bürokostüme: Die thematisierten Farben Rot, Weiß, Schwarz, Blau, Grün und Gelb sind im Wandel der Geschichte – hier vier Jahrhunderte – immer auch schon an politische Machtverhältnisse gekoppelt.

Zwischen Fauvismus und Expressionismus sind die inneren Bildwelten der in Atlanta geborenen Künstlerin Shara Hughes angesiedelt. Besonders ihre Riesenblumen-bilder haben dabei immer etwas leicht Psychedelisches, weil sie gerade keine realen Orte abbilden, sondern erfundene, psychologische Landschaften, die den direkten Blick in eine emotionale und farbintensive Innenwelt ermöglichen.

Fans des wohl beliebtesten pixeligen Landschaftsspiels werden mehr als erfreut sein: In der METAstadt können sie jetzt nämlich selbst auch virtuell minen, sammeln und sich ganz wie im klassischen Minecraft gegen feindliche Kreaturen, Bosse oder andere Ungünstlige behaupten. Minecraft-Kenntnisse sind dafür zwar ein Bonus, aber keineswegs ein Muss. Die Challenges können sowohl allein als auch in Gruppen gelöst werden. Mitmachen zahlt sich auf alle Fälle aus, denn die Website wirbt mit folgendem Versprechen “Nach dem Minen, Craften und Kämpfen in diesem interaktiven Abenteuer erhält jeder Gast einen exklusiven digitalen Umhang im Halb-Zombie-Halb-Dorfbewohner-Design.”

In der Ausstellung des Kunsthistorischen Museums, das in der neuen Hofburg beim Weltmuseum präsentiert wird, erwartet euch ein echter Geschichte-Krimi. Und die einen oder anderen von euch lernen dabei noch eine historische Figur kennen, die mit der letzten Pharaonin Ägyptens und somit zugleich mit der am häufigsten dargestellte Frau der Antike, der sprachbegabtesten Herrscherin ihrer Dynastie und der erfolgreichsten politischen Netzwerkerin ihrer Zeit verwandt war. Die Rede ist von keiner Geringeren als der Schwester Kleopatras Arsinoë, die unter bis dato ungeklärten Umständen ermordet und begraben wurde. Die Ausstellung nimmt dabei neben Kleopatra auch jene Figuren genauer unter die Lupe, die auf ihre eigene Art und Weise eine entscheidende Rolle beim Fall der Pharaonin spielten. Julius Caesar, Marc Antonius und Kaiser Augustus.

Andy Warhol ist zwar berühmt für seine Suppendosen, aber eigentlich war er ein echter Feinschmecker auf großem Fuß – er hatte nämlich einen handfesten Schuh-Tick. Ausgehend von seiner grafischen Serie À la Recherche du Shoe Perdu (dt. Auf der Suche nach dem verlorenen Schuh) widmet sich die Kabinettausstellung dem Damenschuh als Fetischobjekt, Projektionsfläche und Gegenstand feministischer Auseinandersetzung. Neben Andy Warhol sind Arbeiten von Künstlerinnen wie Birgit Jürgenssen, Gudrun Kampl und Lena Henke zu sehen, die sich auf unterschiedliche Weise mit dem Schuh auseinandersetzen. Dabei erscheint er zugleich als Objekt der Begierde, als Instrument von Disziplinierung und als Sinnbild gesellschaftlich geprägter Geschlechterrollen.

Menschen mit Down-Syndrom erzählen in dieser Ausstellung unter dem Motto Nichts über uns ohne uns! persönlich und mit einem Augenzwinkern aus ihrem eigenen Alltag, über ihre Hobbys, Freundschaften, Träume sowie ihre Schul- und Arbeitswelten – ohne dabei in Mitleid zu verfallen oder ihre Herausforderungen schönzureden.

Woher stammen textile Bestandteile? Und wie werden sie eigentlich verarbeitet? Textilien sind uns so nah wie kaum etwas anderes – und doch bleibt meist verborgen, woher ihre Fasern kommen und wie aus ihnen Kleidung und andere Alltagsstoffe entstehen. „Tec/xtil“ nimmt die komplexen Wege der Textilproduktion unter die Lupe und verbindet historische Objekte aus den Sammlungen des TMW mit zeitgenössischer Mode und innovativen Alltagstextilien. Aktuelle Forschung, Technik und Design zeigen, wie eng textile Materialien mit unserem Alltag, unserer Umwelt und der Zukunft verbunden sind.

Anlässlich ihres 250-jährigen Jubiläums widmet sich die Albertina erstmals umfassend der eigenen Sammlungsgeschichte aus der Perspektive von Frauen. Obwohl Frauen über Jahrhunderte hinweg mit enormen gesellschaftlichen und institutionellen Hürden zu kämpfen hatten (z. B. dem Verbot des Akademiestudiums), schufen sie herausragende Werke. Die Ausstellung zeigt Grafik, Malerei und Druckkunst von Wegbereiterinnen quer durch verschiedenste Epochen und Stilrichtungen – darunter Klassikerinnen, Vertreterinnen der Moderne und zeitgenössische Ikonen wie Louise Bourgeois, Maria Lassnig, Valie Export oder Meret Oppenheim.

Die neue Sonderausstellung im Naturhistorischen Museum Wien nimmt uns mit auf eine faszinierende Zeitreise ins frühe Mittelalter. Im Zentrum stehen keine Könige, sondern das Leben ganz gewöhnlicher Menschen aus Gräberfeldern in Leobersdorf und Mödling. Modernste Archäogenetik macht ihren Alltag greifbar: Wer war verwandt, wer gründete eine Familie, wer ruht Seite an Seite? Von Ernährung und Kindheit bis hin zu Gesundheit und Mobilität – DNA, Archäologie, Anthropologie und Geschichte entschlüsseln Hand in Hand die Geheimnisse früherer Generationen.
Noch mehr Kultur gefällig? Dann ab in unseren Event-Bereich. Hier eine Auswahl:
Musical-Highlights in London
Schönste Herbst-Events 2026
Burgenland-Events für das ganze Jahr
Kulturweg Mautern: Wachau-Highlight für Römerfans
Aufmacherfoto: Aufmacherfoto: (c) TimTom/Wien Museum; Estate of Birgit Jürgenssen/Bildrecht, Wien 2026; heldenderfreizeit.com; Albertina/Marie-Louise von Motesiczky/Tate
Christina lebt bei den Helden der Freizeit ihre Leidenschaft für das geschriebene Wort aus. Sei es mit Berichten zu Events, Filmen, Ausflügen oder Literatur. Dazu schreibt sie auch für andere Medien und veröffentlicht englischsprachige Kurzgeschichten.
