
Magie und Mythos oder Schall und Rauch? Wir waren für euch bei der Ausstellung “Wikinger ein immersives Erlebnis”, die du seit dem 23. September in der Wiener Marx Halle erleben kannst. Geboten wird ein buntes Spektakel für Jung und Alt im Setting der Wikingerzeit mit einer Mischung aus 360-Grad-Projektionen, Displays, VR-Headsets und KI-Avataren. Blutige historische Schlachten und mythologische Erzählungen werden mal mehr und mal weniger erfolgreich vermischt. Lohnen sich die knapp 30 Euro für ein Ticket? Als Entscheidungshilfe haben wir für euch dieses Video und unseren Erfahrungsbericht.
von Pascal Allgäuer, 3. 10. 2026

Eintauchen in eine andere Zeit und ausklinken aus dem Alltag. Das wird hier im 3. Wiener Gemeindebezirk versucht. “Die Karte zeigt die Welt so, wie man sie sich in der Wikinger-Zeit vorgestellt hat”, erklärt uns Prof. Dr. Rudolf Simek stolz auf die Frage, was sein persönliches Highlight der Ausstellung ist. Der Historiker und skandinavische Mediävist hat maßgeblich an der Kuratierung mitgewirkt. Die gesamte “Experience” soll für ihn nicht zwingend die historischen Fakten, wie wir sie heute kennen, wiedergeben.
Mehr ist das Ziel die Besucher:innnen, soweit es möglich ist, durch die Augen der Figuren der damaligen Zeit blicken zu lassen. Das Framing passiert hier durch Aslaug, Gemahlin des Wikingerkönigs Ragnar Lodbrok. “Sowohl Aslaug als auch ihr Mann Ragnar haben so nicht wirklich existiert”, stellt Simek fest. Stattdessen sind sie Figuren aus der nordischen Mythologie. Ihre Söhne waren aber wohl echte, historische Personen. Als Aufhänger funktioniert das erstmal gut.

… ist das Ganze. Schon beim Reinkommen bekommst du Knochenschall-Kopfhörer mit einem Handy um den Hals gehängt. Diese spielen automatisch in relevanten Locations diverse Fakten als Audio-Wiedergaben ab. Gleichzeitig ist im ganzen Bereich sehr stimmungsvolle und mystische Musik zu hören. Gemischt mit 360 Grad Projektionen, den vielen Bildschirmen und VR-Headsets kann das stellenweise sehr sinnesflutend sein. Es schafft den erwünschten Effekt, das Gehirn vom Alltag im 21. Jahrhundert in die Welt der Mythologie zu transportieren. Stellenweise stellt sich eine gewisse Reizüberflutung ein. Weil es aber auch noch manuell abspielbare “Bonus-Informationen” gibt, lässt sich auf die automatisch über die Kopfhörer abgespielten Infos an vielen Stellen einfach verzichten.

Wo die “Immersive Experience” wirklich brilliert, ist die handgemachte Virtual-Reality-Reise durch Aslaugs Kindheit und Jugend unter einem sehr schön ausgeleuchteten Weltenbaum. Auch der Raum mit 360-Grad-Projektion, in dem eine Erzählung der Sage über die Geburt der Söhne von Aslaug stattfindet, ist beeindruckend gestaltet. Mit einer Länge von 30 Minuten ist das Ganze aber dann doch etwas langatmig. Gerade Kinder im Alter von 10 bis 15 Jahren werden hier aber auf ihre Kosten kommen. Davon ist Simek überzeugt.

Abgesehen von diesen Highlights bietet die Ausstellung aber noch ein Sammelsurium an kleineren Aktivitäten und Erfahrungen. Diese fühlen sich aber leider oft eher nach Lückenfüllern an. Die KI-generierten Avatare, mit denen man sich unterhalten kann, wirken billig und lieblos reingesträußelt. Die Touchscreens, auf denen detaillierte Karten jede einzelne historische Schlacht der Wikingerzeit dokumentieren und im Zeitraffer abspielbar machen, sind extrem beeindruckend. In einem Museum hätte ich auch sehr gerne mehr mit diesen Displays interagiert, aber durch die generelle Reizfülle der Ausstellung fällt es schwer, sich darauf zu konzentrieren. Die Dekorationen sind stellenweise wirklich detailreich und liebevoll gestaltet, während sie ein paar Meter weiter eher wie schlechte Halloween-Kulissen wirken.
Alles in allem stellt sich WIKINGER – Ein immersives Erlebnis sehr breit auf und versucht, dem Besucher ein Sammelsurium an Unterhaltung unter dem Motto “Wikinger” zu bieten. Für Menschen mit großem Interesse an Wikingern und ihrem Mythos und/oder Besucher mit wenig VR- und KI-Erfahrungen auf jeden Fall ein spannendes Erlebnis. Wer sich an den immersiven Ausstellungen in der Marx Halle bereits ein bisschen satt gesehen hat oder klassische Ausstellungserlebnisse mit echten historischen Artefakten bevorzugt, sollte sich aber genau überlegen, ob sich ein Ticket auszahlt. Immerhin muss man diesmal, im Vergleich zur Titanic Ausstellung zuvor, keinen Aufpreis für ein VR-Erlebnis zahlen. Noch mehr Eindrücke gibt es in unserem Video auf Instagram.
Factbox: Wikinger – ein immersives Erlebnis
Adresse: Marx Halle, Karl-Farkas-Gasse 19, 1030 Wien
Öffnungszeiten: Mo., Di., Mi. und So. 10 – 20 Uhr. Do., Fr. und Sa. 10 – 21 Uhr
Dauer: Etwa 90 Minuten
Preis: Dynamisch je nach Tag etwa 24 bis 30 Euro (Kinder bis 6 Jahren kostenlos)
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Aufmacherfoto: (c) heldenderfreizeit.com