Im zweiten Reboot und insgesamt achten Film der Reihe wird die komischere Seite einer Zombie-Apokalypse ausgekostet. Das ist manchmal echt dumm, aber immer unterhaltsam. Der kreative Zenit von Weapons Mastermind Zach Creggers mag Resident Evil zwar nicht sein. Warum er aber durchaus kurzfristige Unterhaltung bietet, das lest ihr in unserer Review.
von Susanne Gottlieb, 17. 9. 2026
Resident Evil ist einfach nicht tot zu bekommen. Fast so wie seine untoten Antagonisten. Seit 1996 können Videospiel-Fans sich durch zombieinfestierte Szenarien ballern. 2002 erschien die erste, bis heute bekannteste Verfilmung mit Milla Jovovich. Dem Film folgten immerhin fünf Fortsetzungen, ein Ableger, Welcome to Racoon City, war von Kritikern und Publikum verpönt, die durchaus Netflix-Serie hatte sehr wenig mit den Games zu tun (hier unsere Kritik) und wurde schon nach einer Staffel abgesetzt.
Was macht man also in Hollywood? Einfach immer weiter probieren. Diesmal durfte Zach Cregger die Zügel übernehmen. Der amerikanische Horror-Filmemacher erregte erstmals Aufsehen mit seinem Keller-Horror Barbarian, der große Durchbruch gelang ihm letztes Jahr mit Weapons, für den Amy Madigan einen Oscar als Tante Gladys gewann. Denselben Mix aus düsterem Setting und pointiert-absurdem Humor bringt Cregger nun auch in Resident Evil ein. Nach der so Weltschmerz- und ballerlastigen Interpretation von Paul W.S. Anderson auch eine echte Wohltat!

Ein letzter Job noch für den Abend. Der Organ-Kurier Bryan (Austin Abrams) soll eine sehr wichtige Lieferung möglichst schnell nach Raccoon City bringen. Doch während er mit seiner Freundin am Telefon heiß diskutiert, ob sie die ungeplante Schwangerschaft durchziehen sollen oder nicht, erwischt er plötzlich etwas mit dem Auto. Inmitten des heftigen Schneetreibens und der eisigen Kälte sieht es Bryan natürlich sofort als seine Pflicht an, zu überprüfen, was hier passiert ist. Und siehe da, er hat eine blutende, leicht verwirrte Frau angefahren!
Natürlich will er dieser Frau helfen. Und natürlich wissen wir, dass diese Frau nicht einfach ein bisschen verwirrt ist. Und schon bald, erst auf einem gruseligen Bauernhof, später in der Apokalypse von Raccoon City, wird Bryan mit den Grauen des T-Virus bekannt gemacht. Dabei trifft er unter anderem auf die Umbrella-Angestellten Dave (Zach Cherry), Maxine (Kali Reis) und Carl (Paul Walter Hauser), auf den Sheriff Earl (Johnno Wilson), sowie einen Haufen bizarrer, fast alienhafter Infizierter. Doch Bryan ist ein guter Kurier und hat nur eine Mission. Die Box muss ihr Ziel im Krankenhaus erreichen! Wie wichtig das ist, weiß er aber im ersten Moment selber noch nicht.

Ein Mann, eine Mission. Hier sieht man, was Zach Cregger wohl über die Jahre alles so geprägt hat. Alienhafte Auswüchse der Zombies, unter anderem in Labors, als hätte er ein paar Mal zu oft die Filme der Alien-Reihe gesehen. Ein irgendwann auf Schuhe verzichtender Bryan, der sich durch ein attackiertes Hochhaus kämpft – man könnte glauben, Bruce Willis wäre stolz. Aber vor allem lebt der Film von der Absurdität und der Freude an den Klischees, die er zelebriert oder untergräbt.
So darf Bryan schon mal gezielt “Nein danke” schnaufen, als eine tote Wegbegleiterin in einen dunklen Tunnel gezogen wird und er eigentlich noch die Autoschlüssel von ihrem Körper lösen will. Im nächsten Moment denkt er sich wieder, so ein Lift ist doch viel effizienter als ein vielleicht in einer Apokalypse sichereres Stiegenhaus. Angesiedelt ist der Film übrigens während der Handlung des Spiels Resident Evil 2. Ein Seitenhappening, während Raccoon City seinen großen Moment hat.
Allein im Finale überspannt Cregger vielleicht den Bogen ein wenig zu sehr. Die Fahrlässigkeit mancher Figuren, um die Handlung und die finale Konfrontation voranzutreiben, grenzt schon fast an Idiotie und hinterlässt, trotz slapstickhafter Momente, einen eher bitteren Nachgeschmack. Aber der Weg ist das Ziel und hier entfaltet sich in der an sich recht simplen Geschichte eine amüsante Prämisse. Zelebriert Cregger mit einem Augenzwinkern den gesellschaftlichen Individualismus?
Survival-Thriller leben ja meist davon, dass einer sich nur um sich selbst kümmert und so seinem Schicksal entkommen kann. Viele Zombie-Filme hingegen hatten Gruppen von Menschen, die über die Zeit durch Angriffe reduziert wurden, aber durch ihre Gemeinschaft überleben konnten. Bryan hat hingegen einen Auftrag: Schnell nach Raccoon City. Doch weil er sich immer wieder durch Herzensgüte und Hilfsbereitschaft ablenken lässt, andere Konfrontationen sollen hier nicht gespoilert werden, verzögert sich sein Auftrag, bringt ihn in Gefahr und die Katastrophe in Raccoon City nimmt ihren Lauf.

Vielleicht gräbt Cregger aber hier nochmals eine ganze Ebene tiefer und erzählt von einem jungen Mann, der seinem sorglosen Lebensstil so verfallen ist, dass er sich lieber mit ein paar tödlichen Zombies prügelt, als heim zu seiner Freundin zu fahren und über die Schwangerschaft zu diskutieren. Fakt ist: Abrams, der für Cregger schon den zugedröhnten Junkie James in Weapons gab, macht seine Sache exzellent. Der nette, aber doch überforderte Bryan entwickelt keine Superkräfte, oder eiskalten Killerinstinkt. Er ist wie Bruce Willis’ McClane einfach in eine Situation hineingeworfen und muss schauen, wie er da wieder rauskommt.
Dass er sich dabei fast am kompetentesten anstellt, ist vielleicht Creggers letzter Meta-Kommentar. Denn alle Mitglieder der Umbrella-Cooperation sind unfähige Feiglinge oder unqualifiziert, was Sicherheitsmaßnahmen angeht. Wenn unsere echten Multi-Milliarden-Dollar-Konzerne ebenfalls so lasch agieren, wer weiß, was die sonst noch in der Zukunft auf uns loslassen könnten. Vielleicht sind auch die mutierten Zombies, die sich zu einem konglomerierten Wesen zusammenfügen, ein Symbol für eine konforme Gesellschaftsschicht? Bei Cregger weiß man nie, aber dieses Knäuel an Menschen, wie ein Rattenkönig, macht viel Spaß. Auch ganz witzig: Die Figuren kommentieren immer wieder, wie sich das alles wie in einem Videospiel anfühlt. Beizeiten wechselt die Kamera dann auch schon mal in die Shooter-Perspektive eines Games. Man sieht nur mehr den Lauf der Waffe, während Bryan sich durch ein Labyrinth an Gängen und “Challenges” bannt.
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Mehr InformationenResident Evil ist ein kurzfristiger Horrorspaß, der einige Lacher und Schockmomente zu bieten hat und durchaus neben dem sehr aufgeblähten Franchise bestehen kann.
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Susanne Gottlieb schreibt als Filmjournalistin für die Helden der Freizeit, Kleine Zeitung, NZZ, Standard, TV Media, Filmbulletin, Cineuropa und viele mehr. Sie arbeitet im Filmarchiv Austria, berichtet von diversen Filmfestivals und hat Theater-, Film- und Medienwissenschaft studiert.
