Jane Schoenbrun liefert in ihrem neuen Film Teenage Sex and Death at Camp Miasma ein Hoch auf die Quintessenz des Slasher-Films. Die pointierte Frage, wer hier eigentlich wen beobachtet, gibt es obendrauf. Unsere Review zum Kinostart.
von Susanne Gottlieb, 18. 8. 2026
Wenn man eine Liste der aktuell interessantesten Regisseurinnen und Regisseure machen müsste, dann würde sich Jane Schoenbrun auf jeden Fall darauf wiederfinden. Nach ihrem verstörenden Debüt We’re All Going to the World’s Fair und ihrem tragischen, von der eigenen Trans-Erfahrung geprägten I Saw the TV Glow kommt nun Teenage Sex and Death at Camp Miasma, ihr wohl bisher “fröhlichster Film”. Darin nimmt sie genüsslich Horror, Kommerz, Narrative und Deutungshoheiten auseinander und mischt noch einmal eine Menge heiße queere Energie hinein. Wohl nicht umsonst ist Gillian Anderson eine der beiden Hauptdarstellerinnen.
Warum ihr den Film auf keinen Fall verpassen solltet, lest ihr hier in unserer Kritik. Aber zuerst sei die Frage beantwortet – warum dreht er sich überhaupt?

Kennen wir das nicht? In den 80ern war der Teenie-Slasher Camp Miasma ein großer Hit. Dann ruinierten schlecht durchdachte Sequels und der Kommerz das Franchise. Nun möchte es Hollywood, in der Hoffnung, einen sicheren Hit an der Angel zu haben, neu beleben. Nur, als Produkt seiner Zeit ist Camp Miasma im Departement Feminismus und Intersektionalität nicht sonderlich gut gealtert. Soll heißen, so kann man’s nicht mehr machen. Um hier neue Zuschauer abzuholen, engagieren die Produzenten die junge Filmemacherin und Sundance-Darling Kris Williams (Hannah Einbinder). Diese will ihre Sache auch gleich richtig machen, und fragt um ein Treffen mit Billy Presley (Gillian Anderson), dem Final Girl aus dem gefeierten ersten Teil an.
Doch Billy ist ein sehr zurückgezogener Kauz. Sie hat ausgerechnet ein Haus auf dem Grund jenes Jugendcamps gekauft, in dem der erste Film gedreht wurde. Ein erstes Treffen der beiden bringt nicht den erwartenden Durchbruch für Kris, doch verabschieden kann sie sich noch nicht. Wegen eines Schneesturms muss sie erst einmal bei Billy bleiben. Ab diesem Punkt beginnt alles etwas wirr zu werden. Der See erwacht zum Leben, dann ist da die starke Anziehung, die Billy auf Kris ausübt, und generell scheint diese mehr von dem Camp Miasma-Bösewicht Little Death besessen zu sein, als eine fiktive Figur vermuten lassen würde.

Little Death ist die seltsame Konstante, die sich durch die ganzen aufgepeitschten Momente dieser amüsanten Satire zieht. Schoenbrun, die eine Faszination für Außenseiter hat, stilisiert die Figur nicht zu einem Opfer, das Rache nehmen will. Vielmehr deckt sie strukturelle Missstände auf und übergibt ihren Figuren die Macht, sich hier mit eigener Stärke zu positionieren. Sex und Tod als bizarres Spiel, könnte man meinen. Die Offenbarung, warum Billy einst mit ihrer Darstellung so die Massen begeistern konnte, taucht ins Übernatürliche und stellt offen die Frage, wer eigentlich wen beobachtet. Wer hier das Skript schreibt. Und wo die Grenze zwischen Realität und Film verläuft.
Schoenbrun, eine eindeutige Filmenthusiastin, nutzte die Macht der bewegten Bilder schon in I Saw The TV Glow, um den seelischen Zustand ihrer Hauptfigur widerzuspiegeln. Waren es dort Referenzen auf pokulturelle Großkaliber wie Buffy – Im Bann der Dämonen, kann man hier so ziemlich jeden Halloween, Freddy oder Jason reininterpretieren. Die Verbindung zwischen queerer Identität und Horror ist auch nicht weit hergeholt. Hier sind jene, die anders sind. Die überdrehte, campy Ästhetik, die Schoenbrun auf ein Maximum treibt. Und da ist natürlich der queer gecodete Slasher, der hier aber dadurch nicht zur Bedrohung wird, sondern vielleicht sogar der eigentliche Drahtzieher. Wer beobachtet wen.

Umso süffisanter wird das Ganze auch noch durch die Besetzung der Hauptfiguren. Queer Icon Gillian Anderson und Hacks-Star Hannah Einbinder, die offen bisexuell ist, geben ein sehr dynamisches Duo ab. Jack Haven, ein nicht-binärer Darsteller:in, gibt Little Death. Die weiteren, kleineren Rollen, sind mit einigen talentierten Comedians besetzt. Wenn man dann in die Höhle des Löwens hinabsteigt, in das Reich von Little Death, wird es nochmal extra schräg. Aber hier ist auch eine fast sentimentale Botschaft von Schoenbrun versteckt. Filme, wie auch das Leben, sind nicht immer ein vorgegebenes Skript. Wer die Kontrolle über das Narrativ abgibt, kann sich damit auch retten.
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Mehr InformationenTeenage Sex and Death at Camp Miasma ist eine bizarre aber unterhaltsame Reise in eine Welt, in der Slasher uns etwas über das Leben lehren.
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Alle Fotos: (c) Filmladen
Susanne Gottlieb schreibt als Filmjournalistin für die Helden der Freizeit, Kleine Zeitung, NZZ, Standard, TV Media, Filmbulletin, Cineuropa und viele mehr. Sie arbeitet im Filmarchiv Austria, berichtet von diversen Filmfestivals und hat Theater-, Film- und Medienwissenschaft studiert.
