Vatersorgen, Schwestersorgen, Kriegssorgen: Sandra Hüller reist als Erika Mann durch Deutschland, Sandra Bullock und Nicole Kidman zaubern wieder und Andrew Garfield rebelliert gegen die Krone. Dazu erwarten uns düstere Geheimnisse und zwei starke österreichische Filme.
Filmexpertin Susanne Gottlieb stellt dir die größten Highlights unter den Kinofilmen im September 2026 vor – inklusive Geheimtipp und der Liste aller Starttermine.
Der September bringt viel österreichische Ware, aber auch wieder die ersten spannenden großen Blockbuster. Warum man ganz bequem zwischen den letzten Sonnenstrahlen des Spätsommers, aber auch dem Kino pendeln sollte, das verraten wir hier.

Nach Cold War schickt Regisseur Paweł Pawlikowski wieder ein ungleiches Paar auf Reisen. Diesmal ist es aber kein Liebespaar, sondern Vater und Tochter. Sandra Hüller ist Erika Mann, Hanns Zischler ihr Vater Thomas Mann. Die beiden Mitglieder der berühmten Literatenfamilie reisen 1949, mitten im Kalten Krieg, von Frankfurt im Westen bis nach Weimar im Osten, weil Thomas Mann in beiden Zonen einen Preis erhalten soll. Der Film basiert lose auf Colm Tóibíns Roman The Magician, Pawlikowski gewann in Cannes den Regiepreis. Die Reise hat es übrigens wirklich gegeben. 1949 nahm Thomas Mann an den Goethe-Feiern in Frankfurt und in Weimar teil, was ihm in den USA prompt den Vorwurf der Kommunistenfreundlichkeit einbrachte.

28 Jahre nach dem Kultfilm Practical Magic (lief auf deutsch unter dem Titel Zauberhafte Schwestern) kehren Sandra Bullock und Nicole Kidman als die magischen Schwestern Sally und Gillian zurück. Wieder einmal schlägt der Familienfluch zu, nämlich just in dem Moment, als Sallys Tochter Kylie (Joey King) beginnt, dunkle Familiengeheimnisse und ihre eigenen Kräfte zu entdecken. Gemeinsam mit Schwester Antonia (Maisie Williams) und den schrulligen Tanten Frances und Jet (Stockard Channing, Dianne Wiest) reist die Familie von Massachusetts bis nach England, um an den Ursprung ihrer Magie zurückzukehren. Regie führte die Dänin Susanne Bier, die Geschichte basiert auf Alice Hoffmans Roman The Book of Magic, dem vierten und letzten Band der Buchreihe. Zwischen dem ersten Buch und dem, auf dem dieser Film basiert, liegen übrigens tatsächlich 26 Jahre. Alice Hoffman schrieb 2017 und 2020 zwei Prequels (The Rules of Magic, Magic Lessons), bevor sie 2021 die Geschichte der Owens-Frauen endgültig abschloss.

Der Meister der Shaky Cam, Regisseur Paul Greengrass, verlässt sein gewohntes Terrain moderner Krisen und wagt sich zurück ins Jahr 1381. Hier wütet die Pest. Das Volk wird außerderm mit immer neuen Steuern zur Finanzierung des Hundertjährigen Krieges geplagt. Ein einfacher Bauer (Andrew Garfield) schwingt sich zum Anführer des größten Volksaufstands im mittelalterlichen England, gegen die Truppen des gerade einmal 14-jährigen König Richard II, auf. Den Bauernaufstand von 1381, bekannt als “Wat Tyler’s Rebellion”, gab es wirklich. Er ist ein wichtiger Anker in der englischen Geschichte. Zum ersten Mal stellte sich das einfache Volk offen gegen die Krone. Weiters dabei: Jamie Bell, Thomasin McKenzie, Cosmo Jarvis und Katherine Waterston. Produziert wird das Actiondrama unter anderem von Jason Blums Blumhouse, es dürfte also sehr blutig werden.
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Mehr InformationenEin österreichischer Erfolgsfilm, endlich im Kino. Regisseurin Marie Kreutzer (Corsage) verwebt in ihrem neuen Drama zwei Frauenschicksale. Léa Seydoux spielt Lucy, eine erfolgreiche Pianistin, die herausfinden muss, dass ihr Mann Philip (Laurence Rupp) pädophile Neigungen hat. Parallel dazu ringt Elsa (Jella Haase), die Ermittlerin in diesem Fall, mit ihrem an Demenz erkrankten Vater, der seine Pflegekraft bedrängt. Beide Frauen müssen mit den Abgründen ihrer Liebsten und Nächsten ringen. Der Film verhandelt geschickt, wie wir Dinge benennen, oder einfach mit Entschuldigungen ausblenden. Catherine Deneuve ist in einer Nebenrolle als Lucys Mutter zu sehen. Eine Antwort auf den Pädophilie-Skandal rund um Corsage-Star Florian Teichtmeister ist der Film aber nicht. Die Idee entstand lange vor dem Skandal.
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Mehr InformationenTrigger-Warnung für ein schwieriges Thema! Es ist einer der umstrittensten Momente der amerikanischen Fernsehgeschichte: In Primetime geht es um die Entstehungsgeschichte von To Catch a Predator, der Dateline-NBC-Sendung, in der Reporter Chris Hansen zwischen 2004 und 2007 mutmaßliche Kinderschänder mit versteckten Kameras in eigens präparierten Häusern konfrontierte. Robert Pattinson spielt Hansen, Dokufilmer Lance Oppenheim, bekannt für die Serie Ren Faire, gibt sein fiktionales Spielfilmdebüt. Praktisch zeitgleich mit Primetime kommt übrigens auch die Doku Predators von David Osit heraus, die dieselbe Sendung noch einmal kritisch aufarbeitet.
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Mehr InformationenUnd noch ein österreichischer Film: Regisseurin Jola Wieczorek blickt in ihrem dokumentarischen Debüt auf ihre eigene Familiengeschichte zurück, die Emigration der Eltern aus Polen, und versucht zu verstehen, warum sie in den österreichischen Alpen aufgewachsen ist, und nicht, wie es einmal hätte sein können, in einem Vorort von Toronto. Gedreht wurde auf Digital- und Super-8-Material in Polen, Tschechien, Österreich und Kanada. Wieczorek reist mit ihren Eltern Wieslawa und Romuald Wieczorek an die Orte ihrer Vergangenheit. Diese sehr persönliche Spurensuche eröffnet sich als Fenster in die mannigfaltigen europäischen Migrationsschicksale des 20. Jahrhunderts, und die seelischen Narben, die bleiben und oft weiter vererbt werden.
3. 9. Arnie & Barney – Retten das Wasser, Cars, Vaterland, Onslaught, That’s Why the Lady Is A Champ, Das gewisse Etwas
4. 9. Our Girls, The Fast and the Furious, Mit leiser Stimme, I’m Game
7. 9. Generation Change – Wer rettet die Welt?
9. 9. Oasis: Don’t Look Back in Anger
10. 9. Practical Magic 2 – Zauberhafte Schwestern, The Uprising – Für die Freiheit, Frühstück bei Audrey
11. 9. Shrek, Wax & Gold, Teresas Körper
17. 9. Coyote vs. Acme, Resident Evil, Pressure, Gentle Monster, Runner
18. 9. Adams Acht, David, Frost ohne Schnee und Eis, Wet Sand
19. 9. A Normal Life
21. 9. Inner Blooming Springs
24. 9. Spa Weekend, Primetime, Bibi Blocksberg – Die total verhexte Zeitreise, Eiserne Wildnis – Heart of the Beast, Emil und die Detektive, Meeting the Buddha, The Train
25. 9. Die noch unbekannten Tage, Ecce Homo – Der verlorene Caravaggio
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Aufmacherfoto: (c) Polyfilm, Constantin Film, Warner Bros
Susanne Gottlieb schreibt als Filmjournalistin für die Helden der Freizeit, Kleine Zeitung, NZZ, Standard, TV Media, Filmbulletin, Cineuropa und viele mehr. Sie arbeitet im Filmarchiv Austria, berichtet von diversen Filmfestivals und hat Theater-, Film- und Medienwissenschaft studiert.
