
Im sonnenverwöhnten tschechischen Südmähren liegt Schloss Buchlovice (deutsch Buchlowitz bzw. Buchlau), 130 km nordöstlich von Wien. Für viele das schönste Barockschloss im Stil einer italienischen Landvilla nördlich der Alpen. Der 18 Hektar große Park gehört zu den bedeutendsten historischen Schlossgärten in Mähren. 1908 wurde im Schloss, zu der Zeit im Besitz von Leopold Graf Berchtold (österreichischer Botschafter in St. Petersburg und späterer Außenminister) zwischen Österreich-Ungarn und Russland das Abkommen von Buchlau geschlossen. Nach diesem erhielt die Donaumonarchie Bosnien-Herzegowina.
Unweit des Schlosses befindet sich sein Vorgängerbau, Burg Buchlov (Buchlau) im waldreichen Marsgebirge (Chřiby). Burg Buchlov wurde im 13. Jahrhundert nach dem Vorbild bayerisch-österreichischer Donauburgen errichtet und im 16. Jahrhundert im Renaissancestil erweitert. Von ihr übersiedelten 1702 ihre damaligen Besitzer, die Familie Peterswald (Petřvald), in das Barockschloss.
Velehrad liegt sieben Kilometer östlich von Buchlovice. Der Ortsname des bedeutendsten tschechische Wallfahrtsorts verweist auf den nahe gelegenen altslawischen Ort Veligrad (wörtlich übersetzt Große Burg), dem heutigen Staré Město (Altstadt). Im 9. Jahrhundert soll dort einer der beiden Slawenapostel, der Heilige Method, gestorben sein. Die Weihung der Kirche auf ihn und Kyrill, den zweiten Slawenapostel, unterstreicht die enorme kulturell-symbolische Bedeutung Velehrads für die tschechische Nationsbildung.
In Teil 26 meiner Serie Grenzgänger (hier alle weiteren Teile) präsentieren wir dir Schloss Buchlovice, sowie Burg Buchlov und den Wallfahrtsort Velehrad. Wegen ihrer Nähe zueinander perfekt für einen Tages- oder Wochenendausflug. Selbstverständlich geben wir dir wieder kulinarische Tipps und stellen eine praktische Karte zur Orientierung an das Ende des Berichts. Verschaff dir bei unserem Kurzvideo hier auf Instagram oder hier auf TikTok einen Eindruck. Noch mehr grenznahe Ausflugsperlen findest du übrigens in unserem ultimativen Überblick 99 Prachtschlösser und Burgen der Donaumonarchie.
von Martin Kienzl

Seit Generationen beschäftigt Besucher von Schloss Buchlovice eine zentrale Frage: Wie kann es sein, dass sich hier, 500 Kilometer von Italien entfernt, ein barockes Bauwerk befindet, das den unverwechselbaren Charme einer italienischen Villa versprüht? Die Schlossflügel sind niedrig, die Verbindung der Innenräume zum Garten erinnert an Einfamilienhäuser von heute, die Architektur wirkt leicht statt pompös. Du fühlst dich hier mehr wie in einer Villa Venetiens nach dem Vorbild der Villa Barbaro, als in einer monumentalen Barockresidenz.
Die Vermutung würde naheliegen, dass der Auftraggeber des Schlosses, Graf Johann Dietrich von Peterswald (Jan Dětřich Petřvaldský), einem Wunsch seiner Frau, Agnes Eleonore Gräfin Colonna von Fels, folgte. Ihr Name klingt ja italienisch. Doch die Colonna von Fels bekamen ihr Colonna für Kriegsverdienste verliehen. Von italienischer Abstammung kann keine Rede sein. Peterswald hat – im Gegensatz zu den meisten Adeligen Zentraleuropas – die mediterrane Auffassung einer Villa als Landsitz offenbar einfach besser gefallen als der Aspekt der repräsentativen Wirkung.

Bauten des berühmten italienischen Barockarchitekten Carlo Fontana, wie die Villa Cetinale, haben die Architektur dieser Luxusvilla maßgeblich beeinflusst. Beim Unteren Schloss, dem dreistöckigen Hauptschloss. haben sich nach neuesten Erkenntnissen ein Italiener und ein Österreicher die Baumeister-Aufgaben geteilt: Domenico Egidio Rossi, der bevorzugt mit härtestem Kaiserstein aus dem österreichischen Leithagebirge arbeitete, und Christian Alexander Oedtl.
Das Obere Schloss befindet sich gegenüber dem Hauptgebäude und ist auf unserem Aufmacherfoto (siehe oben) zu sehen. In der Durchsicht der Mittelachse siehst du die Statue der Göttin, die diesem Teil des Schlosses seinen Beinamen gab: Flora. Moritz Grimm ist der Baumeister dieses früheren Wirtschaftsgebäudes, in dem die Dienerschaft untergebracht war.

Das Untere und das Obere Schloss bilden gemeinsam einen ovalen Platz. Beide Baukörper sind hufeisenförmig angelegt und schaffen dadurch eine intime Atmosphäre. Der Platz ist zu beiden Seiten zum Garten hin offen. In der Mitte des Hofs befindet sich ein sanft plätschernder Barockbrunnen mit einem ovalen Becken. Gerundete Balustraden umgeben den Brunnen und verstärken das Gefühl des Cocoonings. Diese Atmosphäre entsteht durch die kreisrund einschließenden Formen der Gebäude. Du fühlst dich unwillkürlich eingeladen, dich auf eine der Bänke zu setzen und diese Umgebung zu genießen.
Die endgültige, heute zu sehende Fassung, erhielt das Landschloss Anfang des 20. Jahrhunderts. Die Familie Berchtold, die 1800 Buchlovice nach dem Tod der letzten Peterswald (Petřvaldský) erbte, ließ es zum Teil neobarock, und mit dem Wunsch nach noch mehr Italianità, umgestalten. So wurden eine dekorative Parkmauer und geschwungene Steinbalustraden im Gartenbereich errichtet. Wie schon beim Bau des Schlosses beschäftigte man Fachleute wie Othmar Leixner von Grünberg, die künstlerisch in Wien beheimatet waren. Ein Phänomen, das du in ganz Südmähren beobachten kannst. Hier war die Gesellschaft zu Zeiten der Donaumonarchie sozio-kulturell österreichischer als in Böhmen.

Ein Besuch der Innenräume des Unteren (Haupt-) Schlosses im Rahmen einer Führung lohnt sich. Doch bevor du das Schloss betrittst, muss dir klar sein: Diese Räume sind weitgehend in dem Zustand erhalten, in dem sie ihre Bewohner verlassen haben – im Mai 1945, offenbar überstürzt unter erheblichem Zeitdruck und ohne Aussicht auf Rückkehr. Die nationalsozialistische Führung hielt Buchlovice, wie ganz Mähren und Böhmen, als Protektorat besetzt. Und sie plante die Beseitigung der Tschechen als eigenständige Nation aus den böhmischen Ländern. Was die Auslöschung der tschechischen Nation bedeutet hätte. Entsprechend groß war der tschechische Wunsch nach Vergeltung.

Neben sowjetischen waren es vor allem rumänische Truppen (nachdem Rumänien als zunächst Verbündeter Deutschlands 1944 die Seiten wechselte), die nach Buchlovice kamen und die Familie Berchtold auswiesen. Der letzte Besitzer, Graf Sigismund Berchtold (1900–1979), der das Schloss 1942 von seinem Vater übernommen hatte, wurde politisch unerwünscht und verbrachte den Rest seines Lebens in Wien. Private Fotografien, Schreibtische, Wohnzimmermöbel, Kinderspielzeug, Bücherschränke, Betten, Badezimmer, selbst Toiletten, die sehr persönlich gestalteten Zimmer werden in dir das mulmige Gefühl hervorrufen, als ungebetener Gast in eine private Wohnung einzudringen. Ein Gefühl, das dich auf tschechischen Schlössern öfter beschleichen wird. In einem villenartigen Schloss wie Buchlovice wirkt es noch stärker.

Zwei Mitglieder der Familie Berchtold haben die Geschichte des Schlosses geprägt. Leopold I. Berchtold (1759–1809), der erste Leopold der Familie, war ein Menschenfreund, den man heute als Aktivisten bezeichnen würde. In der Türkei protestierte er gegen Sklaverei, in Portugal gegen Stierkampf, und in seiner Heimat Buchlov setzte er sich für die Bildung der Armen und die Pockenimpfung ein. Unter ihm wurde das Schloss teilweise zu einem modernen Krankenhaus umgestaltet.

Der ovale barocke Festsaal bzw. Musiksaal von Ende des 17. Jahrhunderts, mit einem Deckenfresko, das den Bauherrn Peterswald und seine Frau Collona von Fels darstellt, war damals einige Zeit Teil dieses Spitals. Die Stuckarbeiten stammen von Baldassare Fontana aus der Svizzera italiana. Es ist der größte, in der Mitte gelegene Hauptraum des Schlosses, das ansonsten aus vielen kleinen behaglichen Wohnräumen mit großteils Barock- und Rokokomobiliar besteht.
Wenn du Glück hast, und es findet dort gerade eine Veranstaltung statt, so kannst du auch einen Blick in die Sala terrena unter dem Festsaal werfen. Deren Wände sind mit schönen ornamentalen Mosaiken verziert. Leopold I. Berchtold gründete Leopolds Schwefelbad (Sirnaté lázně Leopoldov), das bis heute besteht. Für seine medizinischen Verdienste verlieh ihm die Wiener Universität das Ehrendoktorat. Er wurde Opfer seiner Menschenliebe. Bei der Rettung eines Scheintoten steckte sich Leopold mit Nervenfieber an, an dem er mit 50 Jahren verstarb.

Dank Leopold II. Berchtold (1863-1942), österreichisch-ungarischer Außenminister von 1912-15, ging Buchlau in die Geschichtsbücher ein. Berchtold, damals Botschafter in St. Petersburg, organisierte am 15. und 16. September 1908 auf dem Schloss vertrauliche Zusammenkünfte der Außenminister Russlands und Österreich-Ungarns.
Das kleine Arbeitszimmer Berchtolds, ein Barockkabinett mit Rokokomöbeln, in dem das Treffen stattfand, kannst du noch heute mit unveränderter Einrichtung besichtigen. Dort wurde das Abkommen von Buchlau geschlossen. Österreich-Ungarn wurde gestattet, Bosnien-Herzegowina, seit 1878 besetzt, endgültig zu annektieren. Die darauf folgende Bosnische Annexionskrise hätte schon 1908 fast zum Ausbruch eines Weltkriegs geführt. Das Versprechen Österreichs an Russland, die Bosporus-Durchfahrtsrechte für deren Kriegsschiffe zu ermöglichen, konnte nicht gehalten werden.
Im Zuge der Einverleibung des mehrheitlich muslimischen Bosniens war Österreich eines der ersten Länder Europas, die dem Islam den rechtlichen Status einer staatlich anerkannten Religionsgemeinschaft verlieh. Als erstes europäisches Land erließ es 1912 ein Islamgesetz. Es gilt als wegweisend und ist bis heute in Kraft. Übrigens: In der nahen Slowakei ist der Islam nach wie vor keine staatlich anerkannte Religionsgemeinschaft.

Sechs Jahre nach der Annexion, 1914, in der Julikrise, spielte Berchtold wieder eine entscheidene Rolle. Nach der Ermordung des österreichischen Thronfolgers Franz Ferdinand von Österreich-Este in Sarajevo befürwortete er einen sofortigen Angriff auf Serbien. Am 23. Juli 1914 formulierte Berchtold das berühmte Ultimatum an Serbien. Wesentlichste Forderung, die die serbische Souveränität eingeschränkt hätte: Österreichische Beamte hätten in Serbien gegen die Hintermänner des Attentats ermitteln dürfen. Serbien lehnte ab. Russland stellte sich an die Seite Serbiens. Der Erste Weltkrieg brach aus.

Dem schönen Schlosspark solltest du unbedingt Zeit widmen. Rechts des Schlosses ist noch ein Rest des Italienischen Gartens, der ersten Buchlowitzer Gartenanlage, mit geometrisch geschnittenen Hecken, zu sehen. Brücken über den Buchlowitzer Bach (Buchlovický potok), der, romantisch mit Mauern und Steinvasen eingefasst, paralell zu Längsachse des Schlosses fließt, führen dich in den Parkbereich vor der Gartenfassade. Dieser Teil wurde in einen Französischen Barockgarten umgestaltet. Sein ursprünglicher Charakter wurde bewahrt – gerade Sichtachsen, Skulpturen und ein Wasserbecken sind noch erhalten.

Im Jahr 1840 erwarb Sigmund Berchtold südlich des Schlosses und des Französischen Gartens weiteres Land und ließ dort einen englischen Landschaftspark gestalten. Mehr als 400 Baumarten kannst du hier, sorgfältig zusammengestellt, sehen. Wenn du mehr erfahren möchtest, kannst du am Parkeingang einen Plan mit den wichtigsten, nummerierten Bäumen erwerben. Als Österreicher freut man sich darüber, dass Baum Nr. 3, eine Österreichische Föhre, eine Schwarzföhre, besonders eindrucksvoll gewachsen ist. Im Frühjahr bewunderst du zwischen den Bäumen Rhododendren, die in allen Farben blühen.

Nach 1945 hat sich Pavel Vlášek, in ganz Südmähren als Experte für Schlossgärten geschätzt, um die Weiterführung und Ergänzung des historischen Gartenerbes verdient gemacht. 1982 begann Vlášek damit, eine Fuchsien-Sammlung (Výstava a prodej fuchsií – Ausstellung und Verkauf von Fuchsien) anzulegen, die alljährlich von Juni bis September geöffnet ist. Die Sammlung ist auf mittlerweile über 1.000 Sorten und Arten von Fuchsien angewachsen und heute überregional bekannt. Du findest sie links vom Unteren Schloss an der Nordseite des Gartens.

Sieben Kilometer nordwestlich von Schloss Buchlovice thront, auf einer Erhebung des kleinen Marsgebirges (Chřiby), majestätisch der Vorgängerbau des Schlosses: Burg Buchlau (Hrad Buchlov). 1250 gründete der böhmische König Václav I. (Wenzel I.) die Burg, um von hier aus Handelswege überwachen zu lassen. Sein Sohn war der (u.a. aufgrund von Grillparzers Drama König Ottokars Glück und Ende) legendäre Ottokar II. Přemysl, unter dem Österreich 23 Jahre (1253-1276) politisch von Prag aus gelenkt wurde. Ehe Ottokar in der Schlacht von Dürnkrut 1278 gegen Rudolf von Habsburg unterlag und starb.

Die Burg ist eine der besterhaltenen des Landes. Im Wesentlichen hat sie bis heute ihren Charakter des 13. Jahrhunderts bewahrt. Der älteste, spätromanisch-frühgotische Kern der zwei rechteckigen Wohntürme mit einem kleinen Palast dazwischen entspricht ganz dem Typus der Donauburgen Bayerns und Österreichs. In der Renaissancezeit wurde die Veste unter dem damaligen Besitzer Jan Žďánský von Zástřizly (Jan Ždánský ze Zástřizl) im Inneren zu einer Wohnburg umgestaltet. Bei Betreten des äußeren Burghofs wird dir eine akrobatische Kiefer ins Auge stechen, die wagemutig sechs Meter über dem Boden aus einem Sims wächst.
Gleich am Beginn der Führung wird dir etwas Kondition abverlangt, wenn es eine lange steile Treppe bergauf zur Burgterrasse am Eingang ins Burginnere geht. Davor erwartet dich ein weiterer wundersamer Baum, die sagenumwobene vierhundertjährige Linde der Unschuld. Angeblich wurde sie mit der Krone nach unten und den Wurzeln nach oben gepflanzt. Ein Ritter, der des Wilddiebstahls bezichtigt wurde, wollte mit dieser ungewöhnlichen Pflanzung seine Unschuld beweisen. Sollte die Linde grün austreiben, sei er unschuldig. Sie trieb aus und steht bis heute.

Die Burg wurde bereits 1848 in ein Museum umgewandelt. Vom romantisch verwinkelten Arkadenhof trittst du in das Innere. Zu sehen sind eine schwarze Küche, Rüstkammer, Zisterne, die Reste der ehemaligen Kapelle im Palas, Rittersäle, eine Bibliothek, Räume aus Gotik und Renaissance. Randvoll mit allem, was Mitglieder der Familie Berchtold, die teilweise um die halbe Welt reisten, hier ab 1800 zusammentrugen. Bücher, Herbarien und alle möglichen Exotika, bis hin zu einer Mumie, sind zu sehen. Demjenigen, der die Burg zum Museum machte, ist eine Ausstellung gewidmet: Siegmund Berchtold, der sich 1848/49 am Aufstand der Ungarn gegen die Habsburger beteiligte. Er wurde zum Tode verurteilt und später von Kaiser Franz Joseph I. begnadigt. Allerdings erhielt er Hausarrest: er durfte die letzten 20 Jahre seines Lebens Buchlau nicht mehr verlassen. So blieb ihm viel Zeit, die Hinterlassenschaften seiner Vorfahren zu ordnen und die Burg zu einem Museum zu machen.

Von den Türmen und Terrassen der Burg genießt du eine schöne Fernsicht. Nach Westen hin blickst du in das dicht bewaldete Marsgebirge (Chřiby). Die Mittelkuppel von Schloss Buchlowitz ist auszunehmen, ebenso wie die barocken Türme der Wallfahrtskirche Velehrad. Du überblickst die weite Untere Marchtal-Senke (Dolnomoravský úval), nördlichster Ausläufer des Pannonischen Beckensystems, bis zu den Weißen Karpaten (Bílé Karpaty), Grenzgebirge zur Slowakei. Bei guter Sicht siehst du im Süden – leicht an den Windrädern zu erkennen – bis ins niederösterreichische Weinviertel.

Auf dem Hügel, der östlich gegenüber der Burg liegt, steht die Barbara-Kapelle, die von den Einheimischen liebevoll Barborka genannt wird. Siegmund von Peterswald (Petřvaldský) ließ sie 1672/73 als Familiengruft erbauen. Später wurden dort auch die Mitglieder der Familie Berchtold, zuletzt 1942 der Bosnien-Verhandler Leopold II. Berchtold, beigesetzt.
Die Peterswald haben am nahen Nordrand des Marsgebirges in Střílky eine weitere Grabstätte, den einzigartigen Barockfriedhof (Barokní hřbitov), errichtet. Die Figuren der Friedhofsmauer schuf Gottfried Fritsch, Schüler von Raphael Donner. Die damals enge wirtschaftlich-politische Verflechtung von Mähren und Österreich unter Wiens Führung wirkte sich auf die Kunst aus. Die Wiener Akademie beeinflusste tschechische Bildhauer wie Franz Kohl, Václav Böhm oder eben Fritsch. Von allen dreien findest du sowohl in Mähren als auch in Wien Werke.

Lediglich sieben Kilometer östlich von Buchlovice liegt Velehrad – Velký hrad heißt Große Burg. Unmittelbar neben Velehrad lag vermutlich das altslawische Veligrad (übersetzt ebenfalls Große Burg), heute Staré Město (Altstadt) u Uherského Hradiště (bei Ungarisch Hradrisch). Der Volkstradition – wissenschaftlich nicht belegbar – nach war Veligrad das Hauptzentrum des Mährerreichs, wo um 863 die ostkirchlich-byzantinischen Slawenapostel Kyrill und Method wirkten. Sie kamen im Auftrag von König/Fürst Rastislav, der sich damit vom Einfluss des Fränkischen Reichs und der von Passau und Salzburg ausgehenden Christianisierung, lösen wollte. Anstelle des westkirchlichen Latein sollte die slawische Sprache verwendet werden. Die beiden aus Saloniki (Thessaloniki) stammenden Missionare schufen die Glagoliza-Schrift und übersetzten die Bibel ins Altkirchenslawische – der Beginn von slawischer Schrift und Liturgie. Kyrill von Saloniki starb bereits 869 in Rom; Method von Saloniki 885, vermutlich in Veligrad.
1205 wurde in Velehrad ein Zisterzienserkloster gegründet. Unter Berufung auf das Erbe von Kyrill und Method fanden 1907–1948 die ökumenischen Velehrader Unionskongresse zur Annäherung von katholischer und orthodoxer Kirche statt. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts, zur Zeit der Tschechischen nationalen Wiedergeburt (České národní obrození), wurde Velehrad zum Ort tschechischer nationaler und spiritueller Identitätssuche.

Zum 1000. Todestag des heiligen Method kamen 1985 in Velehrad – wie damals in Polen – zwischen 100.000 und 200.000 christliche, regimekritische Pilger am bedeutendsten tschechischen Wallfahrtsort zusammen. Papst Johannes Paul II. wollte 1985 nach Velehrad kommen. Die kommunistischen Machthaber untersagten es.
Die enorme symbolische Bedeutung Velehrads für Europa zeigte sich nach Fall des Kommunismus. Am Tag seiner Amtseinführung als Staatspräsident am 28. Dezember 1989 lud Václav Havel, der erst wenige Monate zuvor aus politischer Haft entlassen worden war, Papst Johannes Paul II. ein. Am 21. April 1990 kam der Papst in Prag an. Am nächsten Tag fuhr er nach Velehrad. Es war die erste Papstreise in ein ehemals kommunistisches Land nach den Revolutionen von 1989. In der Predigt vor 350.000 Menschen aus Tschechien, der Slowakei, Polen, Österreich und Deutschland bezeichnete er Velehrad als einen Eckstein der europäischen Einheit.

Das Innere der Basilika Mariä Himmelfahrt und der Heiligen Kyrill und Method weist die Struktur des 13. Jahrhunderts mit drei Kirchenschiffen auf. Der kaiserliche Hofingenieur Giovanni Pietro Tencalla, der durch den Bau des Leopoldinischen Trakts der Wiener Hofburg (heute Präsidentschaftskanzlei) sowie des Palais Lobkowitz (Theatermuseum) in Wien kein Unbekannter ist, leitete von 1684 bis 1689 die Barockisierung der Kirche. Der mährische Barockmaler Johann Georg Etgens schuf die Deckenfresken. In den Seitenschiffen wurden 14 separate Seitenkapellen errichtet. Besonders beeindruckend ist das prächtige Chorgestühl mit 60 aus Lindenholz geschnitzten Figuren. Die Fragmente der freigelegten Anlage der romanischen Kirche und des Kreuzgangs kannst du unterirdisch besuchen.

Wenn Du eine Vorstellung davon bekommen möchtest, wie die Menschen zur Zeit von Kyrill und Method in Mähren gelebt haben, lohnt sich ein Abstecher zum Archäologischen Freilichtmuseum Modrá (Archeoskanzen Modrá). Es liegt direkt neben Velehrad, lediglich zwei Kilometer entfernt. Das größte frühmittelalterliche archäologische Freilichtmuseum Tschechiens arbeitet für temporäre Ausstellungen mit dem Mährischen Landesmuseum Brünn (Moravské zemské muzeum Brno) zusammen. Hier wurden auf wissenschaftlich fundierter Basis Befestigungen, Wohnhäuser, Werkstätten, Wirtschaftsgebäude, kirchliche und repräsentative Bauten des Mährerreichs (Großmährens / Velká Morava) rekonstruiert.
Seit 2024 gibt es einen großen unterirdischen Ausstellungsraum, der über den steinernen Fürstenpalast betreten werden kann: Die Schatzkammer Großmährens (Klenotnice Velké Moravy) präsentiert in jährlichen Wechselausstellungen hochkarätige Objekte in moderner Ausstellungsarchitektur. Neben dem Freilichtmuseum befindet sich die Ausstellung Lebendiges Wasser Modra (Živá voda Modrá). In einem unterirdischen, verglasten Tunnel kannst du das Ökosystem der March (Morava) und deren Fische zum Greifen nahe beobachten. Im Außenbereich spazierst du durch Biotope mit ihren charakteristischen Kräutern und Gehölzen.
Wie du siehst, gibt es in der Region jede Menge touristischer Angebote. Weiter unten findest du einen Gesamtüberblick über die Ausflugsziele der Umgebung.

In Buchlovice befindet sich eine italienische Schlossvilla, die nördlich der Alpen ihresgleichen sucht – sowohl wegen ihrer Schönheit als auch ihrer behaglichen Atmosphäre. Ganz in der Nähe steht die mittelalterliche Burg Buchlau (Buchlov), die ihren ursprünglichen Charakter bewahrt hat und heute als eine der besterhaltenen Burgen Tschechiens gilt. Ebenfalls unweit liegt Velehrad, der historisch bedeutendste Wallfahrtsort des Landes, geprägt von einer imposanten, barockisierten Basilika. Der Ortsname geht auf das frühmittelalterliche Veligrad zurück, an das Ausgrabungen und nachgebildete Bauwerke erinnern.
Hier geht es zu allen weiteren Teilen unserer Grenzgänger-Ausflugsguides.
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Buchlovice liegt am Rand des Slovácko, der Mährischen Slowakei, deren nördliche Grenze beim Marsgebirge (Chřiby) verläuft. Wenn du von Österreich anreist, gelangst du schon wenige Kilometer nach der Grenze, ab dem Ort Hrušky (Birnbaum), in die Mährische Slowakei (Slovácko).
Der Süden des Slovácko ist klimatisch pannonisch beeinflusst. Weite Felder, Wein- und Obstgärten prägen die Landschaft. Hier wächst der Rohstoff für Mährens berühmten Schnaps, den Sliwowitz (Slivovice): die Zwetschken. Verarbeitet werden sie meist bei Jelinek, der berühmten Destillerie samt Besucherzentrum und Museum, im nahen Vízovice im angrenzenden Valašsko, der Mährischen Walachei.

Vereinzelt siehst du auch noch traditionell blau-weiß gestrichene, mit farbenfrohen Blumenmustern über dem Fensterrahmen verzierte, alte Bauernhäuser und Weinkeller (besonders schön die Weinkeller von Plže).
Zu besonderen Anlässen, wie dem Ritt der Könige, der Jízda králů (siehe unten bei Vlčnov), legt man auf die heimische Tracht noch besonderen Wert. Doch die Zeiten, da alte Damen, wie noch in den 1990er Jahren, in feingestickter Tracht und hohen schwarzen Lederstiefeln zur Sonntagsmesse gingen, sind vorbei

Von der fruchtbaren Unteren Marchtal-Senke (Dolnomoravský úval) um Hodonín (Göding), dem Geburtsort von Tomáš Garrigue Masaryk, dem Gründer der Tschechoslowakei und ihrem ersten Präsidenten, über Uherské Hradiště (Ungarisch Hradisch) bis nach Otrokovice und Zlín folgt ein Ort dem anderen – ein Ballungsraum von fast 200.000 Einwohnern. Um den Durchzugsverkehr im Wohngebiet einzudämmen, entsteht hier die Autobahn D55 Břeclav-Olomouc (Lundenburg-Olmütz). Durch sie werden Uherské Hradiště, Zlín, und auch Buchlovice, von Wien aus mit dem Auto von Jahr zu Jahr schneller erreichbar sein.






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Böhmisch-Kanada: Von Teufelshintern bis rosa Schloss
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Einige Orte in der Region werden als Ungarisch-… / Uherské-… bezeichnet, weil sie früher an der alten ungarischen Grenze gelegen sind. Die Slowakei gehörte zu Ungarn. Und wurde von den Ungarn früher als Felvidék (was Oberland oder Hochland bedeutet) bzw. amtlich als Felső-Magyarország (Oberungarn) bezeichnet. Das multinationale Königreich Ungarn, einschließlich Siebenbürgen, Kroatien, der Slowakei usw., das etwa vom 12. Jahrhundert bis 1918 bestand, wird im Tschechischen als Uhersko bezeichnet. Das Ungarn in den heutigen Grenzen wird als Maďarsko bezeichnet – abgeleitet von der ungarischen Selbstbezeichnung für ihr Land, Magyarország. Für uns Deutschsprachige ist das insofern spannend, als wir diese begriffliche Trennung bei Ungarn nicht kennen.
Bei Tschechien liegt der Fall anders. Obwohl das Land keine territoriale Veränderung erfuhr, änderte sich im 20. Jahrhundert sein deutscher Name. Aus Böhmen bzw. Böhmisch, wurde, abgeleitet aus der Landessprache (Česko/Čechy bzw. česky), Tschechien bzw. Tschechisch. Plötzlich gab es keine Wörterbücher Deutsch-Böhmisch mehr, sondern Deutsch-Tschechisch. Grund war wohl, dass die Deutschböhmen so den Bezug zur böhmischen Sprache, die sie meist nicht beherrschten, aus ihrer deutschen Bezeichnung “herausfiltern” konnten. Durch die Umbenennung konnte man nun Böhme sein ohne tschechisch zu sprechen.

Alle Fotos: (c) heldenderfreizeit.com
Der erfahrene Kulturjournalist (ehemals Bühne, Wien exklusiv, Stil Ikonen usw.) berichtet bei den Helden der Freizeit über Eventhighlights und in seiner beliebten Grenzgänger-Serie über erstaunliche Ausflugsziele nahe der österreichischen Grenze.