Es liegen ein paar Perlen im Meer zwischen England und Frankreich. Aber nicht etwa am Meeresgrund, sondern an der Oberfläche! Jersey, Guernsey und ihre kleinen Schwesterninseln sind ein wenig bekanntes Urlaubsziel im Ärmelkanal. Für wen sich die Reise auf die Kanalinseln lohnt und was du für die Planung wissen solltest, erfährst du hier. Dazu haben wir hier ein kurzes Video auf Instagram und hier auf TikTok mit ein paar schönen Impressionen.
von Sabrina Farkas
Palmen in England? Wer hätte das gedacht! Die Kanalinseln überraschen mit subtropisch anmutender Vegetation ganz ohne die große Hitze. Dafür warten spektakuläre Klippen, französisch angehauchte Küche und freundliche Inselbewohner auf Besucher:innen, die sich abseits der ausgetretenen Touristenpfade bewegen möchten.
Zugegeben: Die Idee, auf den Kanalinseln Urlaub zu machen, ist nicht neu und auch nicht meine gewesen. Meine Großmutter und meine Großtante waren schon rund zwanzig Jahre vor meiner Mutter und mir hier. Damals gab es einen regelrechten Jersey Boom – inzwischen kenne ich aber niemanden mehr, der schon einmal hier war.
Viele wissen gar nicht erst, wo sie auf der Landkarte die Inselchen suchen sollten. Sie sind aber auch gar nicht so leicht zu finden! Mit weniger als 15 Kilometern Länge scheinen sie auf den meisten Karten mit großem Maßstab nicht auf. Von der französischen Normandieküste aus sind sie an klaren Tagen jedoch zu entdecken.
Nach einem kurzen Flug von London Heathrow und einer angenehm unkomplizierten Anreise zum Hotel mit dem im ersten der beiden Busse gekauften Transferticket begrüßt uns Jersey mit typisch englischem Wetter: Nieselregen und einer frischen Brise vom Atlantik.
Wir lassen uns nicht beirren und checken ins Thalatta Guest House in Jerseys Hauptstadt St. Helier ein. Dann geht es zum Abendessen bei der griechischen Taverne ums Eck. Die angeblich französisch beeinflusste Küche der Kanalinseln muss, ebenso wie ein erster Spaziergang, noch einen Tag auf uns warten.
Nach dem englischen Frühstück geht es am nächsten Morgen bei Sonnenschein mit dem ersten Tagesausflug los. Jersey lässt sich auch ohne Mietwagen gut entdecken – das Bussystem ist zuverlässig und bringt uns in alle Ecken der Insel.
Wir fahren zur Endstation der Linie 12a: La Corbière. Schon der Weg zum Leuchtturm bietet uns beeindruckende Blicke. Wir sind zum Einsetzen der Flut vor Ort und beschließen daher, uns nicht mehr hinüber zu wagen. Stattdessen beobachteten wir von der Küste aus, wie der Weg zum Corbière immer mehr vom Meer überspült wird. Bis zu zwölf Meter kann der Tidenhub auf den Kanalinseln betragen und stellt somit eine Sehenswürdigkeit für sich dar, aber auch einen Faktor, der in die Tagesplanung einkalkuliert werden möchte.
Der anschließende Küstenpfad belohnt uns mit spektakulären Aussichten und Sichtungen von Dünenhäschen, Eidechsen, Vögeln und Schmetterlingen, bis wir die Fishermen’s Chapel erreichen. Wir machen einen Abstecher zur Lavendelfarm, auf der zwar Anfang Juni noch kaum lila Blüten zu sehen sind, wofür uns aber tolle Scones und Eis entschädigen.
Der Railway Walk, ein Fußweg entlang einer ehemaligen Bahnstrecke, führt uns durch einen Wald mit vielfältiger Flora samt Palmen nach St. Aubin, einen der schönsten Orte der Insel. Nach einem Blick auf den Hafen spazierten wir die Bucht entlang zurück zum Hotel, wo wir mit über 33.000 Schritten erschöpft, aber glücklich ankommen.
Am nächsten Tag hat sich wieder Regen angekündigt. So entscheiden wir, vorerst in St. Helier, der lebhaften Hauptstadt, zu bleiben. Hier lohnen sich ein Bummel durch die Markthallen, ein Abstecher zum Hafen mit seiner Steam Clock und ein Spaziergang durch die kleinen Gassen. Außerdem besuchen wir das The Cows of Jersey Denkmal. Auf ihre Kuhmilch und Butter sind die Jerseymen und -women nämlich besonders stolz! Zum Shoppen rufen King Street und Queen Street.
Am Nachmittag machen wir uns auf den Weg zum Samarès Manor, einem Herrenhaus mit botanischen Gärten. Wir besichtigen den japanischen Garten, das Wildland, den Walled Garden sowie Kräuter- und Rosengarten. Dann setzt der Regen wieder ein und lockt uns zu einer heißen Schokolade mit Mini Marshmallows ins Café vor Ort.
Unser dritter Tag auf Jersey beginnt mit einem kurzen Besuch der St. Matthew’s Glass Church. Von dort nehmen wir zu Fuß eine der vielen Green Lanes. Dabei handelt es sich um Straßen, auf denen Fußgänger:innen und Radfahrer:innen Vorrang haben. Zudem gilt dort eine Höchstgeschwindigkeit von 24 km/h.
Ein netter, scherzender Busfahrer bringt uns enge, gewundene Straßen entlang zum Devil’s Hole im Norden der Insel. Leider war gerade Ebbe, sodass wir die Gischt nicht aufspritzen sahen. Dennoch ist der Blick traumhaft und wir starten unsere Wanderung entlang des Klippenpfades nach Westen. Frauhoher Farn umgibt uns weite Teile des Weges.
Nach einem Mittagessen mit Fisch und Meeresfrüchten in der Ugly Oyster Strandbar kommen wir nachmittags in der Plémont Bay an. Hier gibt es Papageientaucher-Garantie: Wer wie wir nicht zur richtigen Jahreszeit auf Jersey ist, um die putzigen Klippenvögel in der Natur zu beobachten, kann hier immerhin die Two Giant Puffins, eine überlebensgroße Skulptur zweier Vögel, bestaunen. Da der nächste Bus erst zwei Stunden später zu erwarten ist, addieren wir noch ein paar tausend Schritte auf unseren Zähler, bevor es Richtung Hotel geht.
Jersey hat eine eigene Sprache, die sich Jèrriais nennt und von der wir auch an Tag vier nicht ein einziges Wort zu verstehen vermögen. Glücklicherweise sprechen unsere Gastgeberinnen, wie die meisten Bewohner:innen von Jersey, auch Englisch und Französisch. Heute geht es bei Ebbe den Strand entlang Richtung Osten, wo sich rund um Le Mare das größte Felsenwatt Europas befindet.
Schließlich erreichen wir mit La Rocque den südlichsten Punkt der Insel. Abends speisen wir im The Seymour und entscheiden uns dann zugunsten eines Abendspaziergangs durchs Landesinnere gegen eine Busfahrt. Kurzärmlig genießen wir die Abendsonne und machen uns einen Spaß daraus, wie echte Inselbewohnerinnen die französischen Straßennamen englisch auszusprechen.
Der nächste Tag beginnt mit einem Besuch des von Gerald Durrell gegründeten Jersey Zoo. Besondere Highlights sind die aktiven Orang Utans, die seltenen Erdferkel und das begehbare Schmetterlingshaus. Dann marschieren wir zum nördlichen Cliff Path, der uns, begleitet von zahlreichen Rotkehlchen, in den Fischerort Rozel bringt. Wir begutachten die bunten Häuschen am Hafen, bevor wir weiter nach St. Catherine’s gehen und uns mit einem Jersey Dairy Eis vom The Breakwater Cafe belohnen.
Der vorletzte Tag führt uns nach L’Etacq im Nordwesten. Wir folgen der St. Ouen’s Bay und biegen beim Kempt Tower zu Le Noir Pré im Landesinneren ab, wo wir nach einiger Suche wilde Orchideen entdecken. Weiter geht es nach St. Peter, wo wir den Samstagsmarkt unweit der St. Peter’s Church besuchen. maps.me lotst uns wie immer verlässlich entlang angenehmer Fußwege zu unserem nächsten Ziel: Bei Ebbe kommen wir am Causeway zum Elizabeth Castle an und können daher problemlos zu Fuß die Burg erreichen.
Eines der Highlights haben wir uns für unseren letzten Tag auf Jersey aufgehoben: Den Besuch von Gorey. Wir sehen uns zuerst im frei zugänglichen Garten am Fuße des Mont Orgueil Castle um, bevor es zum Pier und die Hafenzeile entlang geht. Die ganze Zeit über behalten wir die Boote im Hafen im Auge: Schon innerhalb weniger Minuten kann ein Schiff, das soeben noch im Wasser war, durch den großen Tidenhub komplett im Trockenen liegen.
Unser Rückweg führt uns, unter anderem über das Queen’s Valley Reservoir und die Le Petit Catillon, eine Straße mit Aussicht. Im Howard Davis Park unweit des Hotels ruhen wir uns ein wenig aus. Abends haben wir eine Reservierung im Coast, dem Restaurant des Ommaroo Hotels und bekommen den besten Platz mit Blick auf den Rockpool. Im Verlauf des Abends verschwindet dieses Meerwasserbecken vor unseren Augen, während wir uns die Köstlichkeiten des Hauses – darunter Kartoffelstampf aus Jersey Royals, den besonderen Knollen der Insel – schmecken lassen.
Jersey ist ein perfektes Ziel für alle, die Natur, britischen Charme und ein entspanntes Reisetempo lieben. Wer mehr Zeit hat, kann ein paar Tage auf Guernsey und/oder Tagestrips zu den kleineren Inseln Sark, Herm und Alderney einplanen. Die Mischung aus wilden Klippen, sanften Stränden und putzigen Ortschaften macht die Kanalinseln zu einem echten Geheimtipp. Je nach Handyanbieter erwartet dich vielleicht auch Digital Detox: spusu scheint beispielsweise auf den Kanalinseln keinen Partner zu haben und so waren wir auf unserer Reise außerhalb vom WLAN herrlich offline und auch telefonisch für die Dauer unserer Reise nicht erreichbar.
Die Kanalinseln werden mir im Ohr bleiben mit ihrem Möwengeschrei und -gelächter. Sie werden mir in der Nase bleibe mit ihrem Blumenduft. Ich werde sie vor Augen behalten mit ihren gemauerten Häusern und verzierten Dachfenstern, ihren Wintergärten und Blumenmeeren. Und ich werde sie im Herzen behalten, mit den lächelnden Menschen auf der Straße und den Fremden, die sich im Bus wie alte Freunde unterhalten.
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Alle Fotos: (c) heldenderfreizeit.com
Als Luftakrobatiktrainerin und Yogalehrerin darf ich jeden Tag meine Begeisterung mit meinen Schülerinnen teilen. Das Schreiben liebe ich schon seit meiner Jugend. Seit 2020 schreibe ich Gastartikel für Magazine und Kurzgeschichten auf story.one, aus denen bereits zwei Analogien entstanden sind. Außerdem erkunden mein Mann und ich, so oft wir können, auf Reisen die Welt.