In der zweiten Verfilmung eines Andy-Weir-Romans nach Der Marsianer muss Ryan Gosling herausfinden, wie man die Sonne vor dem Erlöschen rettet. Warum man den Film auf jeden Fall sehen sollte, erfahrt ihr in unserer Der Astronaut Kritik.
von Susanne Gottlieb, 19. 3. 2026
Einst musste Matt Damon in Der Marsianer als gestrandeter Astronaut vom Mars gerettet werden. Ein Auftritt, der es auch unsere Top10 Matt Damon Filme geschafft hat. Die von Ridley Scott inszenierte Sci-Fi-Komödie bestach durch Gesellschaftsoptimismus, Liebe zur Technik und feinen Humor, der quer durch das Skript gestreut war. Nun, elf Jahre später, haben sich die amerikanischen Komödien-Experten Phil Lord und Christopher Miller an den nächsten Roman des Autors, Der Astronaut, gewagt. Weniger in der technischen Realität unserer Welt verankert, sondern vielmehr eine klassische Science-Fiction-Saga mit Aliens. Aber die Kernthemen bleiben die selben.

Der Molekularbiologe Ryland Grace (Ryan Gosling) erwacht an Bord des Raumschiffs Hail Mary aus einem künstlichen Koma. Er steht noch unter Schock. Nicht nur, dass er unter Amnesie leidet und nicht weiß, wie er hierhergekommen ist. Er muss zugleich erkennen, dass er als Einziger seiner Crew überlebt hat. Während das Schiff lautlos durch den Weltraum gleitet, setzen nach und nach Erinnerungen ein, die die dramatische Ausgangslage enthüllen.
Die Sonne steht vor dem Sterben, weil parasitäre Alien-Einzeller, genannt Astrophagen, ihre Energie absaugen und sich über einen Infrarotstrahl zur Venus ausbreiten, wo sie sich weiter vermehren. In wenigen Jahrzehnten drohen durch die Dimmung der Strahlkraft eine globale Katastrophe und eine neue Eiszeit. Vor seiner Reise war Grace Teil eines internationalen Teams unter der Leitung von Eva Stratt (Sandra Hüller), das nach einer Lösung suchte, die Sonne zu retten. Nun reist er zum 11,9 Lichtjahre entfernten Stern Tau Ceti, der als einzige Hoffnung gilt. Denn er ist in einem Meer aus kranken Sternen als einziger gesund. Und seine Strahlkraft ist noch nicht beeinflusst.
Im Tau Ceti-System stößt Grace aber nicht nur auf diese Anomalie, sondern auch auf ein außerirdisches Raumschiff. Dessen Bewohner, ein spinnenartiges Felswesen, das Grace Rocky nennt, stammt aus einem ebenfalls bedrohten System, 40 Eridiani. Nach anfänglichem Schock wird den beiden klar, dass sie nur gemeinsam eine Chance haben, ihre Welten zu retten.

In einer Zeit, in der sich die Weltgemeinschaft zunehmend zerkracht, wissenschaftliche Erkenntnisse an den Rand gedrängt und Wissenschaftler an den Pranger gestellt werden, und auch der Zukunftsoptimismus fast wie ein Luxusgut wirkt für jene, die sich mit Geld aus Problemen herauskaufen können, entfalten die Werke von Andy Weir eine wohltuende Gegenkraft. Seine Geschichten erzählen von Zusammenarbeit, Vertrauen in die Wissenschaft und der Hoffnung, dass Menschen im entscheidenden Moment doch über sich hinauswachsen und selbstlos handeln können. Ein Gegenentwurf zur oft ernüchternden Realität.
Ähnlich wie in Der Marsianer stehen auch in diesem Film weniger die actionreichen Höhepunkte im Zentrum, sondern die wissenschaftlichen Prozesse. Wie man es aus der Forschung gewohnt ist, werden Hypothesen aufgestellt, getestet, verworfen und neu gedacht. Ein ständiger Kreislauf aus Test, Wiederholungstest, Erfolg oder Irrtum. Gleichzeitig verliert die Geschichte aber auch nie ihren Sinn für das Abenteuer. Neben der nüchternen Forschung gibt es Begegnungen mit außerirdischem Leben, phantastisch gestaltete Raumschiffe und Planeten sowie visuell eindrucksvolle Actionszenen, die das Geschehen auflockern.

Drehbuchautor Drew Goddard, der schon das Skript für Der Marsianer geschrieben hatte, gelingt es wieder, die Balance zwischen wissenschaftlicher Genauigkeit und emotionaler Erzählung zu halten. Die Regisseure Phil Lord und Chris Miller, die sowohl für brachialeren Humor wie 21 Jump Street, aber auch sensiblere Inszenierungen wie Spider-Man: A New Universe bekannt sind, laden die Inszenierung wieder mit ihrer gewohnt verspielten, aber auch einfühlsamen Handschrift auf. Freundschaft und Völkerverständigung werden mit Leichtigkeit und spürbarer Wärme erzählt, ohne ins Kitschige abzurutschen.
Ryan Gosling trägt den Film über weite Strecken nahezu allein. Er überzeugt mit einer gelungenen Mischung aus nüchterner Problemlösungsmentalität und spürbarer innerer Unsicherheit. Seine Darstellung verleiht der Figur Tiefe und macht sie greifbar. Einziger Kritikpunkt bleibt die Länge. Mit rund zweieinhalb Stunden und einer ganzen Aneinandereihung von Filmenden wird die Geduld des Publikums stellenweise etwas strapaziert.
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Mehr InformationenWenn auch nicht ganz so unterhaltsam wie Der Marsianer, ist Der Astronaut erneut ein schönes Werk der optimistischen Science-Fiction-Unterhaltung.
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Alle Fotos: (c) Sony Pictures
Susanne Gottlieb schreibt als Filmjournalistin für die Helden der Freizeit, Kleine Zeitung, NZZ, Standard, TV Media, Filmbulletin, Cineuropa und viele mehr. Sie arbeitet im Filmarchiv Austria, berichtet von diversen Filmfestivals und hat Theater-, Film- und Medienwissenschaft studiert.
