Das große Finale mag geschlagen sein, und Vecna besiegt. Aber man kann ja nie genug Stranger Things haben. Deshalb geht es auf Netflix nun zurück ins Jahr 1985 für eine kleine animierte Sidequest.
von Susanne Gottlieb, 23. 4. 2026
Die Darsteller sind natürlich inzwischen viel zu alt. Aber das sollte einen nicht daran hindern, sie nochmals in junger Form als Streaming-Event zu droppen, mit neuen Abenteuern und neuen Herausforderungen. Diesmal komplett animiert und mit einem jungen, neuen Voice Cast, kehren El, Mike, Will, Dustin, Lucas, Max und der Rest der Stranger-Things-Gang zurück.
Angesiedelt zwischen Staffel 2 und 3 müssen die Kids erkennen, dass die Schattenwelt, das Upside Down, doch nicht so geschlossen ist wie erhofft.

Die jüngsten Monster wurden gerade besiegt, das Upside Down in einem spektakulären Kampf geschlossen. Eigentlich will die Gang rund um Mike einfach mal entspannen. Er selber seiner übernatürlichen Freundin El einige seiner liebsten Orte in Hawkins zeigen. Doch das Übernatürliche macht keine Pause. Schon in den ersten Minuten sieht man ein düsteres Wesen, das sich durch den Schnee gräbt und wahllos Leute anfällt. Als die Gang für die Nachbarschaft Schneeschaufeln will, passiert das Dramatische. Sie sehen, wie sich das Wesen, bedrohlich wie ein Schneehai, den Schneepflugfahrer schnappt und verschwindet.
Mike hat natürlich Angst, dass Papa Hopper El wieder daheim verstecken könnte, sollte dieses neue Monster zu viel Aufmerksamkeit bekommen, unter anderem von der Regierung. Also beschließen er, Will, Lucas, Dustin und Max, das Monster selbst zu fangen. Unerwartete Hilfe bekommen sie dabei von der neuesten Einwohnerin Hawkins, dem bedrohlich wirkenden, aber freundlichen Punk Nikki. Sie ist gerade mit ihrer Mutter nach Hawkins gekommen und wäre selbst fast von dem Monster geschluckt worden. Nun gilt es herauszufinden, wie man es besiegen kann und es in diese Dimension gekommen ist.

Was war nochmals in Staffel 2 passiert? Ein bisschen muss man sich zurückdenken, um hier inhaltlich nochmals einzusteigen. Immerhin haben sich die letzten Staffeln der Original-Serie ziemlich gezogen, und nicht umsonst gab es einige Gags, wie alt die Darsteller schon für ihre Rollen wirkten. Das ist hier natürlich nicht das Problem. Die Stimmen sind neu, aber auch hier wird das nach all den Jahren, in denen die Originale schon längst den Stimmbruch durchschritten hatten, nicht weiter auffallen. Allein bei den Erwachsenen, wie etwa Chief Jim Hopper, kann man dann doch deutlich hören, dass das nicht David Harbour ist. Auch in der deutschen Synchronisation müssen sich die Fans mit neuen Stimmen anfreunden.
Animation ist das perfekte Mittel, hier eine kleine, aber spannende Nebengeschichte zu erzählen, die die Ereignisse der späteren Staffeln vorbereitet, aber auch nicht allzu viel vorwegnimmt, und nicht ganze Teile der Serie plötzlich in einem neuen Licht erscheinen lässt. Denn nichts ist lästiger, als wenn eine Sache, die man mag, Jahre später plötzlich rigoros immer wieder neu interpretiert oder mit dem Gedanken “was du noch nicht wusstest” umgeschrieben wird (moderne Popkultur par excellence). Optisch erinnert das Ganze an die LucasArts Adventure Games der späten 80er. Auch wenn natürlich anzunehmen ist, dass die Duffer Brüder nur Inspiration, aber kein Plagiat betrieben haben.

Wie in jeder Staffel Stranger Things gibt es natürlich auch wieder neue Verbündete. Odessa A’zion (bekannt als Jugendfreundin in Marty Supreme) als Nikki Baxter und Janeane Garofalo (Gen X-Ikone und Winona Ryder Zeitgenossin) als ihre Mutter Anna Baxter gehören zum bekannteren Voice Cast in dieser Serie. Wieder einmal geht es um Außenseiterfiguren. In diesem Fall um einen jungen Punk, der in einer Kleinstadt wie Hawkins, wie Nikki selber sagt, sofort raussticht. Weitere bekannte Namen wie Lou Diamond Philips oder Robert Englund sind auch dabei. Ob Nikki ein ähnlich tragisches Schicksal wie andere Figuren in der Serie ereilt, soll natürlich nicht verraten werden.
Allgemein haben die Macher auf einen bunteren, unterhaltsameren Ton als im Original gesetzt. Die Animation ist peppig, es gibt mehr Lacher. Wie sich das Monster in der ersten Folge wie ein Schneehai durch die tiefen weißen Massen pflügt, ist vor allem unterhaltsam und eine charmante Hommage an geliebte B-Movies. Hier kann man sich schon gut vorstellen, dass man mittels Animationsmaterial jüngeren Generationen die Serie schmackhaft machen will, sie für ein Viewing in der Zukunft, wenn der düsterere Ton verkraftbar ist, in Position bringen will. Aber man kann der Serie dieses Marketing vergeben. Denn Stranger Things: Tales from ’85 macht halt wirklich Spaß.
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Mehr InformationenDie Serie mag natürlich nicht die bedeutungsschwangere Schwere des Originals bringen, und auch an einige neue Stimmen muss man sich gewöhnen. Aber die Animationsversion der Kultserie sorgt für vergnügliche Minuten mit einigen liebevollen Popkultur-Referenzen.
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Susanne Gottlieb schreibt als Filmjournalistin für die Helden der Freizeit, Kleine Zeitung, NZZ, Standard, TV Media, Filmbulletin, Cineuropa und viele mehr. Sie arbeitet im Filmarchiv Austria, berichtet von diversen Filmfestivals und hat Theater-, Film- und Medienwissenschaft studiert.
