Disney sendet seinen Serienhit The Mandalorian ins Kino, doch ein wahres Kinoerlebnis entsteht dabei nicht. Warum sich Star Wars: The Mandalorian and Grogu wie eine zähe 4. Staffel der Serie anfühlt.
von Susanne Gottlieb, 20. 5. 2026
2019 war er ausgerückt, um ein schwächelndes Star-Wars-Imperium zu retten: The Mandalorian tauchte just in dem Moment in unserem Streaming-Angebot auf, als nach einer Reihe kritischer Flops im Star Wars-Filmdepartment eine Ermüdung einsetzte. Das immer weiter wachsende Serien-„Imperium“ wird nun zurück auf die große Leinwand geschickt, und der „Daddy“ der Bewegung macht den Anfang. Warum das nur mäßig gelingt, lest ihr in unserer The Mandalorian and Grogu Kritik, der jetzt im Kino gestartet ist und wohl spätestens im Herbst auf Disney+ landet.

Seit dem Ende der dritten Staffel von The Mandalorian dient der Kopfgeldjäger Din Djarin (Pedro Pascal), stets in Begleitung seines Ziehsohns Grogu, nicht mehr dem höchsten Bieter, sondern der Neuen Republik. Für Colonel Ward (Sigourney Weaver) fliegt er regelmäßig Missionen, um Getreue des alten Imperiums auszuforschen und dingfest zu machen. Einen solchen General, von dem niemand weiß, wie er aussieht, soll er mithilfe des Verbrecherclans der Hutts aufspüren. Die Zwillinge, die seit dem Tod ihres Cousins Jabba the Hutt regieren, wollen, dass der Mandalorian ihnen Jabbas verschwundenen Sohn und Erben Rotta (auf Englisch Jeremy Allen White) zurückbringt, dann wollen sie reden. Also macht sich Mando widerwillig auf den Weg, Rotta zu finden.
Doch wie so oft bei Star Wars, will der Sohn nichts mit dem Erbe des Vaters zu tun haben. Zudem glaubt er, dass diese ihn sowieso umbringen würden. Er ist sich sicher, Mando auch ohne einen Deal mit den Hutts bei der Suche helfen zu können. Doch ein Bruch mit den Hutts hat natürlich Konsequenzen …

Als „The Mandalorian” 2019 auf Disney+ sein Debüt feierte, empfanden viele Fans die Serie wie eine Befreiung. Ein galaktischer Western, der sich von den Altlasten des Franchise emanzipierte und stattdessen eine schlichte, aber herzerwärmende Geschichte erzählte: Die eines einsamen Kopfgeldjägers, der im verwaisten Grogu so etwas wie einen Sohn findet. Die Serie traf einen Nerv, denn die Kinofilme der Saga litten zu jener Zeit unter dem Vorwurf, sinnlosem Fanservice zu frönen und den Kanon planlos zu zerdehnen. Disney zog erstmals die Konsequenzen und verlagerte nach dem Erfolg der von Jon Favreau und Dave Miloni geschaffenen Serie seinen Fokus fortan auf das Serienformat.
Dass der Mandalorian nun doch den Sprung auf die große Leinwand wagt, verdankt er einem eher unrühmlichen Anlass. Der Autoren- und Schauspielerstreik von 2023 verhinderte zunächst eine vierte Staffel. Disney nutzte die entstandene Pause und änderte seine Pläne, um eines seiner zugkräftigsten Franchises wieder ins Kino zu schicken. Das Resultat ist aber kein großes Kino. Favreau und Filoni haben schlicht eine überlange Fernsehfolge auf die Kinoleinwand gehievt. Die episodischen Aufträge, die eine viel zu wenig genutzte Sigourney Weaver erteilt, zerbröseln jeden dramaturgischen Aufbau und jegliche Tiefe der Handlung. Was bleibt, ist eine Anhäufung aus Actionsequenzen und eine Flut computergenerierter Figuren und Set Pieces.

Dass Rotta nicht in die Fußstapfen seines Vaters treten will, macht eher wieder einen langsam ermüdenden, altbekannten Vater-Sohn-Konflikt auf, den man im Star-Wars-Universum einfach zu oft sieht. Spannender ist das Gegenteil: Mando muss lernen, seinem ihm nacheifernden Sohn mehr Raum zu geben, damit er die Fackel weiter tragen kann. Ein paar andere Lichtblicke gibt es auch noch. Ludwig Göranssons atmosphärischer Synth-Soundtrack fetzt wie anno 1984, Martin Scorsese zeigt, dass er nicht jeden Blockbuster verurteilt und gibt im Original die Stimme eines Imbisswagen-Besitzers.
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Mehr InformationenLeider kann die Rückkehr von Star Wars in die Kinos nur wenig begeistern. Der Film ist eher wie eine zähe vierte Staffel der Kultserie zu sehen. Grogu ist aber natürlich wie immer megasüß!
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Alle Fotos: (c) Walt Disney
Susanne Gottlieb schreibt als Filmjournalistin für die Helden der Freizeit, Kleine Zeitung, NZZ, Standard, TV Media, Filmbulletin, Cineuropa und viele mehr. Sie arbeitet im Filmarchiv Austria, berichtet von diversen Filmfestivals und hat Theater-, Film- und Medienwissenschaft studiert.
