Toy Story 5 weiß zu unterhalten und den aktuellen Zeitgeist geschickt einzufangen, auch wenn man sich vielleicht etwas am Spielzeug sattgesehen hat.
von Susanne Gottlieb, 23. 7 2026
Disney wird dem Spielzeug nicht müde. Dem Merch, mit dem es ein Milliardenbusiness aufgebaut hat, sowieso nicht. Aber auch sein bahnbrechender, so nie dagewesener erster 3D-Animationsfilm Toy Story bekommt ein Sequel nach dem anderen. Sieben Jahre sind seit Teil 4 (lies hier unsere Review) vergangen. Nun müssen sich Woody, Buzz und die Gang mit elektronischen Spielzeugen und der Künstlichkeit von Online-Bubbles herumschlagen. Soll mal wer sagen, dass die Macher nicht am Puls der Zeit sind.
Ob der Film selber auch was kann, das erfahrt ihr hier.

Eigentlich läuft es gut im Kinderzimmer von Bonnie. Woody (im Original: Tom Hanks/auf deutsch: Michael „Bully“ Herbig) mag es vor einer ganzen Weile verlassen haben, um mit Porzellinchen auf seine eigene Reise zu gehen. Aber Cowgirl Jessie (Joan Cusack/Carolin Hartmann) und Buzz Lightyear (Tim Allen/Walter von Hauff) haben noch alles im Griff. Glauben sie zumindest. Denn Fakt ist, Bonnie ist sehr einsam, findet niemanden zum Spielen. Ein wenig Nachforschung ergibt, jedes Kind hat inzwischen ein sogenanntes Lilypad oder ähnliche elektronische Geräte. Niemand spielt mehr mit physischem Spielzeug.
Doch die Sicherheit, dass Bonnie anders ist, währt nur kurz. Auch ihre Eltern haben festgestellt, dass Bonnie keinen Anschluss findet, und kaufen ihr ihr eigenes Lilypad (Greta Lee/Laura Maire). Dies übernimmt sofort die Herrschaft im Kinderzimmer und versucht ihre eigene Idee davon durchzudrücken, wie man heutzutage Freundschaften schließt. Doch Jessie glaubt dieser Methode nicht und schleicht sich bei einer Übernachtungsparty mit diesen neuen “Freunden” ein. Just geht sie auch schon verloren und Woody muss zurückkehren, um Buzz bei seiner Rettungsmission zu helfen, aber auch beim Versuch, endlich eine Freundin für Bonnie zu finden.

Zu viel Online-Kultur? Vereinsamung vor dem Bildschirm? Schlechtere Sozialkompetenz und kürzere Aufmerksamkeitsspannen? Das kommt einem doch bekannt vor. Die gesellschaftliche Debatte der letzten Jahre war für Disney wohl Grund genug, nochmals in die Animationstrickkiste zu greifen, und der Toy Story-Saga ein weiteres Kapitel hinzuzufügen. Das muss man der Reihe zugute halten, sie findet stets ihr Thema. Die Frage, wie und mit was Kinder spielen, ist aktuell und der Film schlägt sich auch nicht eintönig auf die eine oder andere Seite.
Vielmehr verstärken die Online-Tools auch hier die Frage von “Was ist echte Freundschaft?” und “Was ist Popularität?”. Wie einsam bin ich unter drei Freunden die nicht zu mir passen, und wie glücklich mit der einen Person, mit der ich auf einer Wellenlänge bin. Manchmal drückt der Film auch ein wenig zu sehr auf die Tube. Aber in einer Zeit, wo wir noch nicht wissen, wie diese Gadgets und die “Generation Tablet” unsere Jüngsten verändern, versteht es Toy Story 5, die eine oder andere geschickte Überlegung in den Raum zu stellen.

Fans von Cowgirl Jessie dürfen sich übrigens freuen. Seit Toy Story 4 konzentrieren sich die Macher offensichtlich auf je eins der Spielzeuge und erzählen dessen Geschichte. Teil 4 war die Erkenntnis von Woody, dass er eine andere Bestimmung hat, als sich um ein Kind zu kümmern. Teil 5 gehört nun Jessie, deren höchste Mission es ist, Bonnie zu einem zufriedenen Kind mit Freunden zu machen, während sie gleichzeitig mit ihrem eigenen Trauma konfrontiert wird. Einst gehörte sie einem Mädchen namens Emily, das Interesse an ihr verlor. Welche Rolle kann sie langfristig in Bonnies Leben spielen? Und inwiefern bedroht Lilypad diese Beziehung?
Hier wankelt Toy Story 5 ein bisschen. Es scheint, als könnten die Macher sich nicht ganz von der alten Leier des “wir werden einmal irrelevant und vergessen sein” distanzieren. Die Lektion, dass jedes Spielzeug eine gewisse Zeit eine wichtige Rolle spielt, und nicht vergessen wird, muss immer wieder aufs Neue gelernt werden. Andere Konflikte poppen zwar auf, müssen sich aber diesem schon etwas ermüdenden Evergreen unterordnen. So macht Toy Story 5 zwar Spaß und bleibt im Zeitgeist aktuell. An anderen Stellen wirkt der Film aber einfach schon inhaltlich überholt.
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Mehr InformationenAuch mit Toy Story 5 gelingt den Machern ein spaßiges Abenteuer voller Denkanstöße. Die Reihe erfindet das Rad aber nicht neu. Es wäre Zeit für ein paar mutigere Ideen.
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Alle Fotos: (c) Walt Disney
Susanne Gottlieb schreibt als Filmjournalistin für die Helden der Freizeit, Kleine Zeitung, NZZ, Standard, TV Media, Filmbulletin, Cineuropa und viele mehr. Sie arbeitet im Filmarchiv Austria, berichtet von diversen Filmfestivals und hat Theater-, Film- und Medienwissenschaft studiert.
