Draußen mag es noch kalt sein, im Kino geht es aber heiß her. Emerald Fennell bringt ihre Literaturverfilmung von Emily Brontës Sturmhöhe, Wuthering Heights auf Englisch, in die Kinos.
von Susanne Gottlieb, 11. 2. 2026
Wenn die Britin Emerald Fennell einen Film herausbringt, kann man sich normalerweise auf etwas gefasst machen. Da war zunächst Promising Young Woman, in dem Carey Mulligan den Tod der besten Freundin rächen will. Dann kam Saltburn, in dem Barry Keoghan sich bei einer reichen Familie einnistet. Stets provokant gegenüber gesellschaftlichen Konventionen und gesellschaftlichen Spannungsfeldern wie patriarchaler Gewalt, sozialer Ungleichheit und ökonomischer Macht, haben sich ihre Filme aber auch der Kritik stellen müssen, dass sie Stil über Substanz wählt, ihre Kritik unpräzise ist und Provokation oft mehr Selbstzweck als Handlungstreiber ist.
Warum dies auch auf Wuthering Heights zutrifft, und wie man mit dieser auch inhaltlich stark reduzierten Adaption umgehen soll, das lest ihr hier. Weitere aktuelle Kinostarts findest du hier.

Die junge Cathy Earnshaw (Margot Robbie als Erwachsene) wächst abgeschieden, und nur mit dem Dienstmädchen Nelly Dean (Hong Chau) als Gesellschaft, in den Mooren von Yorkshire auf. Eines Tages bringt ihr sprunghafter, dem Alkohol nicht abgeneigter Vater (Martin Clunes) einen ärmlichen, ungebildeten Buben (später Jacob Elordi) mit. Er habe ihn seinem tragischen Schicksal entrissen, rühmt er sich, trotzdem ist klar, dass der Bub auch hier kein respektables Leben führen wird. Der Lichtblick ist aber die Verbindung zu Cathy. Sie nennt den Fremden Heathcliff, alsbald sind die beiden unzertrennlich und schwören sich schon in jungen Jahren, ohne es sich einzugestehen, ewige Liebe.
Doch jeder muss einmal erwachsen werden, und da werden die Dinge oft sehr anders. In diesem Fall muss Cathy, die aus einem moderaten Haushalt kurz vor dem finanziellen Ruin stammt, auf eine höhergestellte Verbindung hoffen. Diese Tür eröffnet sich ihr, als sie den reichen, gutherzigen Edgar Linton (Shazad Latif) und sein Mündel Isabella (Alison Oliver) als Nachbarn bekommt. Die Tatsache, dass Edgar Interesse zeigt, wird von den konfliktgeladenen Gefühlen für Heathcliff verkompliziert. Dieser verschwindet jedoch, als er merkt, dass er Cathy verlieren wird. Einige Jahre später kehrt er als reicher Mann zurück, Isabella wirft sofort ein Auge auf ihn. So eröffnet sich ein komplexer, kompromissloser, manipulativer Reigen der vier Figuren, in dem auch das Personal, vornehmlich Nelly, mit reingezogen wird.

Literaturfans werden mit dieser Adaption wohl weniger ihre Freude haben. Fennell hat die komplexe Thematik des Textes extrem abgespeckt. Statt den Fragen von sozialer Ausgrenzung, Rassismus und generationenübergreifender Tragik nachzugehen, setzt sie, abermals, auf eine stark stylisierte, sinnlich aufgeladene Version. Romeo und Julia ist das Stück, das Isabella im Garten eifrig mit Edgar diskutiert. Wie Romeo und Julia fühlt sich auch der Film beizeiten an, versetzt mit ein paar emotionalen und visuellen Andockungen an Stolz und Vorurteil. Szenen wie der Regenguss nebst einer Säulenkonstruktion inmitten einer grünen Landschaft sind einfach zu offensichtlich. Die tragischen Liebenden, deren tragisches Verlangen nacheinander andere mit ins Verderben reißt.
Dass Fennell Elordi als den im Buch dunkelhäutig beschriebenen Heathcliff besetzt, hebt sie zwar nicht aus den bisherigen, mehrheitlich mit weißen Schauspielern arbeitenden Verfilmungen hervor, bringt den Film aber ebenso um eine starke Komponente des sozialen Außenseitertums Heathcliffs. Er mag vielleicht arm sein, er sticht aber nicht hervor. Mit dem regelmäßig fehlenden Shirt wirkt Heathcliff auch eher wie ein Sexobjekt und eine Projektion von Bedürfnissen als eine komplexe Figur. Sein spätere Rache über ökonomische Mittel tritt hinter der Tatsache zurück, dass sich seine Motivation im Film rein um eine leidenschaftliche Affäre mit Cathy dreht.

Die zerstörerische Gewalt ihrer Liebe wird ebenfalls nur phasenweise angedeutet. Man sieht, dass Heathcliff die verwöhnte Isabella misshandelt, aber das ist im Hinblick auf die tragische Romanze, die hier rausgequetscht wird, nur eine Augenauswischerei. Ebenso fehlen die nächsten Generationen, an denen diese Tragik und Rache weiter ausgelebt und vererbt wird. Cathys Tochter, Heathcliffs Sohn, und ganz vollständig abwesend von dieser Geschichte, Cathys Bruder Hindley und sein Sohn Hareton. Dass man diese Figuren ausgespart hat, verdichtet die Dramatik zwischen Cathy und Heathcliff vielleicht, nimmt aber auch viel von der Thematik der Vorlage weg. Fennell hatte vorab gesagt, sie wolle nur “eine Version” des Romans verfilmen. Aber genau deswegen oder trotzdem wirkt der Film daher in der zweiten Hälfte etwas mager, ideenlos und ohne richtige Botschaft.
Fennell versteht es wie immer, die Bilder opulent und gekonnt umzusetzen. Das Spiel mit Blau, Grau- und Rottönen, das fast an Rokoko erinnernde Set-Design im Hause Linton, das Elemente von Marie Antoinette aufleben lässt, der abstrakte Symbolismus, wenn Cathys Tapete im prunkvollen Schlafzimmer wie ihre eigene Haut aussieht. Gefangen in der eigenen Haut, im eigenen Körper, möchte man sagen. Dazwischen stets die Weite der Moore, die raue, ungezähmte Natur. Schön anzuschauen ist er wahrlich der Film. Elordi und Robbie haben auch eine knisternde Chemie. Aber wirklich mitreißend ist der Film dann leider nicht.
Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Youtube. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf die Schaltfläche unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.
Mehr InformationenWuthering Heights lebt davon, eine erotisch aufgeladene heiße Nummer zu sein. Aber die Tiefe und Dramatik der Vorlage kann der Film ob seiner inhaltlichen Reduzierung leider nicht mitnehmen.
Bridgerton – unsere Review zu Staffel 4
Die besten Kinostarts
Netflix-Highlights im Februar 2026
6 Top-Kinofilme im Februar
Die 20 schönsten Netflix-Liebesfilme
Aufmacherfoto: (c) Constantin Film
Susanne Gottlieb schreibt als Filmjournalistin für die Helden der Freizeit, Kleine Zeitung, NZZ, Standard, TV Media, Filmbulletin, Cineuropa und viele mehr. Sie arbeitet im Filmarchiv Austria, berichtet von diversen Filmfestivals und hat Theater-, Film- und Medienwissenschaft studiert.
