
Der Weltraum. Unendliche Weiten. Wir alle kennen die Missionen der Sternenflotte in dem mehrere Serien und Filme umfassenden Universum. Doch welcher Star Trek Captain erfüllte sie am besten? Hier das ultimative Helden-Ranking.
von Susanne Gottlieb
Picard, Kirk oder doch Sisko? Unter welchem Star Trek Captain würdest du am ehesten dienen wollen? War die Auswahl zwischen 1966 und 1987 noch einigermaßen übersichtlich (abgesehen von Gast-Captain Christopher Pike), so füllt sich das Star Trek-Universum seit Ende der 80er mit einer Vielzahl an neuen Kommandanten. Mit steigender Menge und einem Sammelsurium an verschiedenen Persönlichkeiten und Führungsstilen entwickelte sich auch die populäre Fandebatte: Wer ist nun der beste Star Trek Captain von allen?
Am 28. Oktober 2026 ist Sir Patrick Stewart im Alter von 86 Jahren gestorben. Für Generationen von Fans war er der Captain schlechthin. Wir nehmen seinen Tod zum Anlass, unser Ranking neu aufzurollen und um die Kommandantinnen und Kommandanten zu ergänzen, die seit der ersten Fassung dazugekommen sind. Dafür haben wir eine klare Regel aufgestellt: Gewertet werden nur Captains, die als Kommandant eine Serie über längere Zeit geprägt haben. Wer nur ein paar Folgen auf dem Sesseö saß oder als Übergangslösung einsprang, bleibt draußen. Das betrifft etwa Philippa Georgiou, Saru, Liam Shaw, William Riker, Hikaru Sulu, Rachel Garrett oder Edward Jellico. Eine Ausnahme gönnen wir uns: Seven of Nine ist zwar erst seit dem Finale von Picard Captain, doch kaum eine Figur hat so viele Fans, die lautstark eine eigene Serie für sie fordern. Wir setzen schon einmal auf sie.
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Mehr InformationenZum Teil liegt Lorcas niedriger Rang wohl an der Tatsache, dass es bisher noch kein Captain sehr lange auf der Discovery ausgehalten hat. Zum anderen, weil er auch in der kurzen Zeit an Bord ein unliebsamer Geselle war. Wie sich herausstellt gibt es den echten Lorca gar nicht mehr. Der Charakter, den man in der Serie kennenlernt, ist ein Doppelgänger aus einem Spiegeluniversum. Dieser will sich in der Serienwelt einen Weg zurück in seine eigene Welt erarbeiten, um dort die Kontrolle zu übernehmen. Wo immer Lorca aber hingeht, folgen ihm Chaos und Probleme. Eigentlich kein Zeitgenosse zu dem man aufschauen kann.
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Mehr InformationenMit Holly Hunter holt sich Star Trek eine Oscar-Preisträgerin auf den Captain-Stuhl. Nahla Ake ist Kanzlerin der wiedereröffneten Sternenflottenakademie im 32. Jahrhundert und gleichzeitig Captain des Schiffs, das die Kadetten durchs All trägt. Sie ist jahrhundertealt, hat viele Krisen gesehen und führt mit einer Mischung aus Weisheit, Humor und Exzentrik. Damit ist sie Schuldirektorin, Mentorin und Captain in einer Person. Warum sie es ob dieser beeindruckenden Qualitäten nicht weiter nach vorne geschafft hat: Starfleet Academy war nur ein kurzes Leben beschieden. Ake hatte schlicht nicht genug Zeit, um sich in die Riege der großen Kommandanten zu spielen. Starke Figur, starke Darstellerin, zu wenig Brückenzeit.
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Mehr InformationenSieben Jahre lang war Chakotay die Nummer Eins auf der Voyager und damit Janeways rechte Hand. In Prodigy bekommt der ehemalige Maquis-Rebell endlich ein eigenes Kommando: die USS Protostar. Lange Freude hat er daran allerdings nicht. Als die Serie beginnt, ist der Captain längst verschollen, auf einem fremden Planeten gestrandet, während eine Bande jugendlicher Ausreißer sein verwaistes Schiff kapert. Das ist nicht unbedingt der Karrierestart, den man sich wünscht. Eine ganze Staffel lang ist Chakotay nur ein Name in den Logbüchern, bevor er endlich gefunden wird und Staffel 2 eine größere Rolle spielt. Originaldarsteller Robert Beltran leiht ihm die Stimme, und Prodigy macht aus ihm endlich wieder eine Figur mit Ecken und Kanten, nachdem Voyager ihn in den späteren Staffeln zum Stichwortgeber degradiert hatte. Als Captain bleibt Chakotay trotzdem eher eine Randnotiz, ein sympathischer Kommandant, dem man gern mehr Zeit auf der Brücke gegönnt hätte.
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Mehr InformationenVon der Borg-Drohne zum Captain der Enterprise, mehr Karriere geht im Star-Trek-Universum nicht. Assimilation, Befreiung durch Janeway in Voyager, Jahre als Rangerin bei den Fenris Rangers und schließlich der Dienst auf der Titan unter Captain Shaw. Am Ende von Picard bekommt sie den Captain-Stuhl auf der frisch umgetauften Enterprise-G. Sevens Lebensweg hat sie schon immer anecken lassen. Doch wo in Voyager noch das Entdecken ihrer Menschlichkeit im Vordergrund stand, so ist sie inzwischen eine willenstarke Frau mit einem trockenen, kantigen Humor, aufopfernd, aber auch furchteinflößend. Eigentlich sollte sich Seven of Nine für diese Liste gar nicht qualifizieren, wir sehen sie als Captain nur wenige Minuten lang. Die Serie, die das hätte ändern sollen, gibt es (noch) nicht, obwohl Fans seit Jahren darum betteln. Bis dahin bleibt Seven die Captain mit großem Potenzial und kurzer Dienstzeit.
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Mehr InformationenAuch Zeichentrick-Captains zählen natürlich. Carol Freeman kommandiert in Lower Decks die USS Cerritos, ein Schiff, das für „Second Contact“ zuständig ist. Das ist der humoristische Zugang dieser Serie (und der Macher, die ganz offensichtlich riesige Das nächste Jahrhundert-Fans sind): Die Cerritos ist also nicht die Speerspitze der Sternenflotte, sondern eher deren Aufräumkommando. Freeman will trotzdem unbedingt ernst genommen werden: von der Sternenflotte, von ihrer Crew und vor allem von ihrer Tochter Beckett Mariner, die auf ihrem Schiff als Enseign dient und jede Gelegenheit nutzt, sie in den Wahnsinn zu treiben. Die Stimme hinter Freeman ist Dawnn Lewis, die der Figur einen wilden Cocktail aus Ehrgeiz, Eitelkeit und echter Kompetenz verleiht. Denn eigentlich steckt in Freeman ja wirklich eine richtig gute Kommandantin. Sie wird zwischendurch sogar verhaftet, weil man ihr die Zerstörung eines ganzen Planeten anhängt, und kommt mit ihrer Würde fast intakt wieder heraus. Welcher Captain kann das schon von sich behaupten?
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Mehr InformationenVielleicht hatten es einige seit Beginn von Discovery am Schirm, vielleicht auch nicht. Kaum eine Captain-Karriere beginnt so schräg wie die von Michael Burnham. In der ersten Folge zettelt sie eine Meuterei gegen ihre eigene Kommandantin an und landet im Gefängnis. Bis sie dort Platz nehmen darf, vergehen drei Staffeln, ein Sprung über 900 Jahre in die Zukunft und dann ist da noch ein Universum, das einmal komplett auseinanderfällt. Sonequa Martin-Green spielt Spocks Adoptivschwester, Burnham ist also von Vulkaniern erzogen und von Menschen geprägt. Dieser Zwiespalt macht sie wie schon Spock theoretisch zu einer der interessanteren Figuren. Ihr Problem ist eher die Serie. Discovery stellt sie so konsequent ins Zentrum, dass es um die Crew herum manchmal etwas still wird. Aber, Fans schwören auf die späteren Staffeln von Discovery. Herz und Hirn liegen bei Burnham hier stets nahe beieinander.
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Mehr InformationenWenn es um Gemütlichkeit geht, ist Archer definitiv der richtige Captain. Von Natur aus ein entspannter Mensch, gilt er trotzdem als einer der wichtigsten Entdecker des 22. Jahrhunderts. Im Gegensatz zu anderen Serien, steht seine Mission fremde Welten zu entdecken noch mehr im Fokus. Immerhin dient die Serie als Prequel zur Originalserie. Die Weltraumerforschung steckt noch in ihren Kinderschuhen. Gegen Archer spricht sein Misstrauen gegenüber anderen Alienrassen. Bei einer Figur aus einer Gesellschaft, für die fremde Wesen noch immer relativ neu sind, vielleicht verständlich. Aber in Bezug auf die Star Trek-Philosophie von Universum-umfassender Liebe und Friede bringt es ihm keinen Bonuspunkt.
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Mehr InformationenBis Georgiou war Janeway die einzige weibliche Figur, die auf der Brücke das Sagen hatte. Und sie musste als Captain einige der härtesten Entscheidungen von allen treffen. Immerhin verdammten ihre Handlungen ihr Schiff und ihre Crew in den Delta-Quadranten, um eine ganze Zivilisation zu schützen. Captain Janeway versteht, wann sie ihre humorvolle Seite in solch belastenden Umständen zeigen kann, aber auch wann sie eiskalt und professionell sein muss. Ihre von eisener aber auch warmer Disziplin getriebene Persönlichkeit stellt sie am besten in Interaktion mit Seven of Nine zur Schau. Der ehemaligen Borg hilft sie dabei, ihre menschliche Seite wiederzuentdecken.
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Mehr InformationenIm Falle von Pike kann man von einer multiplen Persönlichkeit sprechen. So oft wurde diese Nebenfigur, der Star Trek Captain ohne eigenes Schiff, neu interpretiert. Eigentlich hätte Pike der Captain der original Enterprise-Crew werden sollen, doch die Pilotfolge wurde vom Sender abgelehnt. In der Serienversion, die schlussendlich grünes Licht bekam, übernahm William Shatner das Kommando als James Tiberius Kirk. Das Einzige, was wir zu jener Zeit wussten war, dass Pike als engagierter Offizier viel Bewunderung von seiner Crew und auch seinem, laut Kanon, Nachfolger Kirk einheimste. Die aktuelleren Star Trek-Filme unter J.J. Abrams inszenierten ihn auch als Vaterfigur für den jungen, aufbrausenden Kirk. In Discovery wurde Pike als Abenteuer liebender Captain porträtiert, der nach Lorcas Abgang das Kommando übernimmt. Mit Strange New Worlds hat Pike seine eigene Serie bekommen, und Anson Mount macht daraus den vielleicht sympathischsten Captain seit Langem: charmant, entspannt und mit einem Führungsstil, bei dem man sofort anheuern möchte.
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Mehr InformationenVon all den Star Trek Captains der Neunzigerjahre ist er derjenige, dessen Namen man sich interessanterweise oft nicht merkt. DS9 war in Sachen Trekkie-Fandom auch nie leicht einzuordnen. Zu moralisch zwielichtig für eine klassische Gene-Roddenberry-Vision, war aber genau dieses Grauzonen-Storytelling von Showrunner Ronald D. Moore bei vielen Fans beliebt. Es erhob Star Trek aus seiner fast schon zu klischeehaften Gutartigkeit. So wie die Serie saß auch Sisko als Kommandant der Raumstation (diesmal kein Schiff) in Sachen Ethik zwischen den Stühlen. Er war ein Mann der Gefühle, des Drangs und debattierte weniger die Für und Widers, sondern entschied in Sekundenschnelle. Nicht immer war er gut darin, Sternenflotte-Befehle zu befolgen und bediente sich auch schon mal der Lüge. Aber wie Captain Sisko selber sagte: Ein kaum nennenswerter Kompromiss, wenn es darum geht, Menschen zu retten. Moore schuf übrigens später die Serie Battlestar Galactica. Unter anderem, weil er sich von Star Trek-Universum moralisch zu eingeengt gefühlt hatte. Das erklärt vieles, denn in BSG wimmelt es nur so von komplexen Figuren.
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Mehr InformationenCaptain Kirk war der erste Star Trek Captain, der jemals über den kleinen Bildschirm flimmerte, und allein dafür erhält er mehrere Nostalgiepunkte. Im Stile alter, verwegener Abenteurer war William Shatner als Kirk ein Held und Draufgänger, der schöne Frauen schätzte und lieber ein Risiko einging, als sich an die Regeln zu halten. Ihm ist es zu verdanken, dass der Begriff „Redshirt“ für den sich nähernden, garantierten Tod steht. Trotzdem war Kirk ein engagierter Kommandant, der für seine Crew einstand und sich sogar auf die Suche nach dem totgeglaubten Spock begab. In der Kelvin-Timeline verändert ein Angriff aus der Zukunft die Geschichte. Kirk ist ohne Vaterfigur, wächst als rebellischer Hitzkopf auf und landet viel zu früh auf dem Captain-Stuhl. Ganz anders Strange New Worlds: Hier schlüpft Paul Wesley in die Rolle aus der ursprünglichen Zeitlinie. Wesley versucht gar nicht erst, Shatner zu imitieren, sondern zeigt einen Kirk, der schon das Charisma und den Hang zum Risiko hat, aber noch nicht die Legende ist.
Trotz der nostalgischen Erinnerungen, einigen legendären Star Trek Filmen und gleich zwei Neuauflagen darf man nicht vergessen, dass Kirk als Captain auch viele Mängel hatte. So abenteuerlich er lebt, so sehr riskiert er auch regelmäßig sein Schiff und seine Crew. Wie sinnvoll ist es schon, dass der Captain bei jedem „Away Team“ dabei ist? Wie sicher würden wir uns daher wirklich unter seinem Kommando fühlen?
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Mehr InformationenWenn ein Captain so beliebt ist, dass er seine eigene Spin-Off Serie bekommt und als wahrer Meme-Generator dient, dann lässt sich leicht erraten, wer den Top-Spot in diesem Ranking erhält. Und wahrlich, Picard ist das Paradebeispiel eines Sternenflotte-Kommandanten. Eine perfekte Mischung Nobelheit, Intelligenz, Einfühlungsvermögen und Entschlossenheit. Man könnte meinen, eigentlich sei das schon zu perfekt und Picard müsste der größte Langeweiler von allen sein. Aber unter den gediegenen Händen von Schauspiellegende Patrick Stewart wurde Picard ein dreidimensionaler Charakter, der auch, oho, schon mal aufbrausend und arrogant werden konnte. Imperfektionen also vorhanden. Sein Geschick bei militärischen Manövern als auch in diplomatischen Verhandlungen lassen ihn zu dem Captain werden, unter dem man wohl am ehesten dienen möchte. Patrick Stewart ist der erste der Kapitäne, der nun bereits verstorben ist. Doch wie er schon in Treffen der Generationen zu Commander Riker sagte: “Was wir hinterlassen ist nicht so wichtig wie die Art, wie wir gelebt haben.“
Noch mehr kultige Charaktere aus tollen Filmen und Serien gefällig? Dann haben wir einiges für dich:
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Aufmacherbild: CBS / Helden der Freizeit
Susanne Gottlieb schreibt als Filmjournalistin für die Helden der Freizeit, Kleine Zeitung, NZZ, Standard, TV Media, Filmbulletin, Cineuropa und viele mehr. Sie arbeitet im Filmarchiv Austria, berichtet von diversen Filmfestivals und hat Theater-, Film- und Medienwissenschaft studiert.