Ja, ist denn schon Halloween? Während Resident Evil Requiem (hier in unserem Test) noch in aller Munde ist, kommt mit dem Fatal Frame II Remake bereits das nächste Horrorsspiel aus Japan. Das in Europa zuvor als Project Zero 2 bekannte Geisterspiel galt lange als einer der besten Geheimtipps auf PlayStation 2. Ob es auch heute noch mit Resi und Silent Hill mithält, verrät unsere Review. Das Game erscheint am 12. März für PlayStation 5, Xbox Series, Switch 2 und PC. Wir haben es bereits für euch getestet.
von Klaus Kainz, 10. 3. 2026
Eigentlich ist es das zweite Remake des alten PS2-Geheimtipps. Bereits Nintendo finanzierte einst eine Project Zero II Wii Edition, die fixe Kamerawinkel durch eine Schulterperspektive ersetzte. Das HD-Remake baut das Geisterspiel nun neu auf und will damit wohl anderen Erfolgen wie den Neuinterpretationen Resident Evil 2 und Silent Hill 2 folgen. Das klappt stellenweise, aber ist noch immer ganz rund.

Beim Waldspaziergang stolpern die Zwillinge Mio und Mayu in ein verlassenes Dorf, das aus dem japanischen Mittelalter kommen könnte. Wie sich herausstellt, hat dort ein böses Ritual Geister beschworen. Dabei scheint Mayu wie hypnotisiert von roten Schmetterlingen, die überall auftauchen und sie zu den Geistern führen. Glücklicherweise hat ein Professor seine Camera Obscura und Notizen zu den bösen Machenschaften hinterlassen, mit der Mio ihre Schwester retten will. Die Story ist weiter die womöglich beste der Reihe, nicht zuletzt dank einer guten Auflösung.
Spielerisch folgt Fatal Frame 2 wiederum ganz Genre-Regeln, wie sie einst Resident Evil etabliert hat. Das heißt, ihr müsst aus verwinkelten Dörfern und Herrenhäusern voller seltsamer Rätsel fliehen, während es überstarke Gegner auf euch abgesehen haben. In Fatal Frame wollen euch aber keine Mutanten an die Gurgel. Stattdessen muss sich Mio mit einer magischen Kamera zur Wehr setzen, die böse Geister verbannt. Verschiedene Filmsorten sind wiederum das Äquivalent zu unterschiedlich starken Waffen in anderen Resi-Klonen.

Grafisch wurde der Titel auf Hochglanz poliert und die schaurigen Tempelanlagen und Dorfgassen bei Nacht und Regen können sich sehen lassen. Der Filmfilter, der über das gesamte Spiel gelegt wurde, mag Geschmackssache sein. Im Gesamtkonzept fügt er sich jedoch gut ein. Ein paar Wermutstropfen gibt es aber. Auf PlayStation 5 sind einerseits die Ladezeiten nach dem Ableben überraschend lange – bis zu einer halben Minute. Außerdem fehlt im sonst atmosphärischen Sound leider das alte Speicherraum-Theme – eigentlich ein Muss in alten Horrorspielen.

Steuerung und Kämpfe zeigen sich spürbar dynamischer als auf den alten Konsolen. Früher waren die spielbaren Charaktere nämlich fast schon lächerlich träge. Nun ist Mio deutlich flotter beim Laufen, kann Attacken ausweichen und sich erstmals auch Ducken. Das ist besonders für Verfolgungsabschnitte wichtig – ähnlich wie in anderen aktuellen Genre-Vertretern gibt es auch hier einen unbesiegbaren Stalker. Daneben gibt es für die Camera Obscura erstmals Filter, die unterschiedlich stark und schnell beim Aufladen sind. Über das Menü lassen sich wiederum zusätzliche Fähigkeiten wie Spezialattacken oder Resistenz gegen Blut freischalten.
Umgekehrt haben aber auch die Geister deutlich mehr drauf. Die greifen schneller und mit mehr Reichweite an, können Mio diesmal auch am Boden würgen und mit Überraschungsattacken die Ausdauer auf null senken. Ein Clou der Serie war schon immer, die Gespenster möglichst nahe an die Kamera heranzulassen, um die titelgebenden Fatal Frames auszulösen. Durch die schnellere Spieldynamik ist dieses Konzept nun deutlich effektiver umgesetzt.

Selbst auf dem leichtesten Schwierigkeitsgrad stecken Gegner enorm viel ein und können sich mehrfach regenerieren. Das sorgt zwar für Spannung, kann auf Dauer aber auch anstrengend sein. Denn Gegner wiederholen sich und können teils mehrere Minuten in Anspruch nehmen. Außerdem ist das Spiel mit automatischen Heilungen und Speicherungen sehr spendabel. Als Kompensation sollen die Kämpfe deswegen vielleicht besonders hart sein. Notfalls ist es immer möglich, den Schwierigkeitsgrad herunterzuschrauben.
Ein weiterer Grund für die aufgeblähten Kämpfe könnte sein, dass das restliche Spiel stark entschlackt wurde. Eigentlich sind traditionelle Survival-Horror-Games im Stile von Resident Evil auch Detektivspiele. Es gilt verrückte Rätsel zu lösen, Akten zu durchstöbern und Wege mehrfach abzulaufen, um aus den Labyrinthen zu entkommen – während die Gegner all das verhindern wollen. Das für Fatal Frame II Remake zuständige Team Ninja dürfte aber gefürchtet haben, dass klassisches Grübeln die Spieler überfordern könnte.

Haben die roten Schmetterlinge in den alten Versionen noch subtil auf bestimmte Auffälligkeiten hingewiesen, sind diese im Remake vielmehr ein GPS-System – quasi wie die überstrapazierten gelben Farbstreifen, die in immer mehr Games penibel die Wege vorgeben. Wenn es nicht die Schmetterlinge sind, dann sind es neue Kamerafunktionen, die leuchtende Brotkrumen sichtbar machen, oder unzählige Map- und Questupdates.
Innerhalb der Gebäude gibt es zwar noch Sackgassen und Rätsel. Im Vergleich zum Originalspiel wurde die Komplexität aber stark reduziert. In einem Horrorspiel drückt das leider auf die Atmosphäre. Selbst vergleichsweise lineare Resi-Klone wie Silent Hill f haben es sich kürzlich verwehrt, Spieler beim Erkunden zu stark bei der Hand zu nehmen. Schließlich ist es Bestandteil des Horrors, sich ein bisschen orientierungslos zu fühlen.

Früher war Project Zero 2 ein Geheimtipp, der neben Meilensteinen wie Resident Evil und Silent Hill 2 genannt wurde. Umso schöner wäre es gewesen, könnte das Remake weiter mit den Konkurrenten mithalten. Bei Stimmung und Story schafft das Fatal Frame II Remake das immer noch. Spielerisch ist es aber leider nicht so rund wie andere Remakes, oder neue Titel wie Resident Evil Requiem und Silent Hill f. Bei der Steuerung und im Gegner-Design gibt es zwar klare Verbesserungen. Allerdings schießt der Titel übers Ziel hinaus. Das neue Balancing ist seltsam, spült die kultigen Rätselpassagen viel zu weich, während es nun auf die überlangen Kämpfe ausgelegt ist.
Mehr Gruselspiele und Gaming-Neuigkeiten:
Das sind die Top Games 2026
Für wen eignet sich Resident Evil Requiem?
Silent Hill f – gekonntes Sequel?
Alan Wake 2 – Surrealer Horror aus Skandinavien
Alle Bilder © Koei Tecmo
Der Redakteur (APA, Helden der Freizeit) und Videospiel-Blogger reviewed für uns vor allem Games, Serien und Filme - ist aber auch so manchem Naturausflug nicht abgeneigt.
