20 Jahre nachdem die letzte Episode über den Bildschirm flimmerte, sind sie zurück: Für vier Folgen geben sich Malcolm und seine durchgeknallte Familie ein Stelldichein auf Disney+. Warum das freudige Wiedersehen nicht mehr so zündet wie früher und uns nicht so überzeugen kann, wie das Comeback von Scrubs (siehe Kritik hier), liest du in unserer Review.
von Susanne Gottlieb, 9. 4. 2026
In den 2000ern kam man nicht um die Serie herum. Bis heute gehört sie zum Standard-Nachmittagsprogramm auf vielen Sendern. Malcolm mittendrin gehörte zu jenen Serien, die Comedy von dem klassischen Multiple-Camera-Studio-Look und der heilen Welt-Süßelei befreiten und mit einer absolut gnadenlosen Familie, ständigen Geldproblemen und einigen fiesen Gags im realistischeren Single-Camera-Stil zu neuen Hohenflügen verhalfen.
Nun kehrt die Familie für ein Vier-Episoden-Special wieder auf den Bildschirm zurück. Wir haben uns angeschaut, ob das Chaos und das Motto Life is unfair noch immer funktionieren.

Wieder einmal hat Disney einen schweren Spoiler-Riegel vorgeschoben. Aber so viel kann gesagt sein. Malcolm (Frankie Muniz) ist nicht, wie von der Familie gehofft, zum Präsidenten der USA aufgestiegen, sondern leitet eine Wohltätigkeitsfirma, ist alleinerziehender Vater seiner Teenager-Tochter Leah (Keeley Karsten) und in einer potenziell wirklich seriösen Beziehung mit Tristan (Kiana Madeira). Der Erfolg dafür, meint er, ist es kaum noch Kontakt mit der Familie zu haben, und sie bei Emails und Anrufen abzuwürgen.
Doch nun steht das 40-jährige Hochzeitsjubiläum der Eltern an, und Hal (Bryan Cranston) und Lois (Jane Kaczmarek) haben kein Interesse daran, dass Malcolm sich wieder davor drückt. Aber abgesehen von ihrem widerspenstigen hochbegabten Sohn machen ihnen die teuren, aufwendigen Planungen sowie ihre anderen Kinder immer noch Sorgen. Francis (Christopher Masterson), der noch immer mit Piama (Emily Coligado) verheiratet ist, der impulsive Reese (Justin Berfield), der musikalisch begabte Dewey (Caleb Ellsworth-Clark), Jamie (Anthony Pimpano), inzwischen kein Baby mehr, und das Schlusslicht, das am Ende der Serie mit einer neuen Schwangerschaft Lois’ angedeutet wurde: Kelly (Vaughan Murrae), das non-binäre Kind. Zusammen auf einen Haufen verspricht das natürlich wieder einmal eine Menge Chaos.

Dürfen wir uns also wieder auf jede Menge Lacher einstellen? Naja, bedingt. Wer hofft, hier eine klassische Fortsetzung der Serie zu finden, der wird enttäuscht sein. Linwood Boomer, der Schöpfer des Originals, und selber der Drittgeborene, Hochbegabte von vier Buben, mag auf seine alten Tage etwas sentimental geworden sein. Oder er hat die Serie als Instruktionsvideo für ein besseres Miteinander verstanden. Die niederen, wenn auch liebevollen Instinkte der Figuren, wirken wegradiert. Stattdessen führt man lange Gespräche über Gefühle und übt Toleranz miteinander.
Klar, es sind alle miteinander älter geworden, Malcolm, Reese und Dewey können nicht mehr wie Kinder agieren. Aber das Problem ist, sie haben nicht einmal die Chance, miteinander zu agieren. Malcolm hat über weite Strecken als der Distanzierte seine eigene Storyline, Dewey ist als Pianist auf Weltreise und meist nur über Zoom zu sehen. Francis hingegen ist fast vernünftig geworden, allein der Frust, dass er nicht mehr das Hauptproblemkind seiner Eltern ist, lässt alte Tendenzen hochkochen. Jamie bekommt fast null Charakterisierung, wer dagegen sehr viel Aufmerksamkeit bekommt, ist Kelly. Es ist schwer zu sagen, ob Linwood Boomer denkt, queere Menschen müssen stets ein erhabenes Vorbild sein. Aber als Stimme der Vernunft wirkt Kelly langweilig, wenn sie sich etwa mit Reese brutale Streiche liefert, aber dabei nicht wie einst die Brüder gewinnen will, sondern die Ethik dahinter hinterfragen.

Auch andere Figuren durchlaufen Episoden, die weniger als Seitenhiebe auf soziale Normen und Klischees funktionieren, sondern wie eine altbackene Moral-Lektion wirken. So geht die altbekannte Dynamik der Figuren verloren. Sie ordnet sich der Dominanz von anderen unter, zu denen man keine Verbindung aufgebaut hat. Natürlich war Reese immer ein Problemkind, aber hier werden seine fiesen Tendenzen fast schon in schwarz-weißer Charaktermalerei dargelegt. Klar ist offensichtlich, dass Dewey nun einen anderen Schauspieler hat, da Erik Per Sullivan sich aus dem Geschäft zurückgezogen hat. Aber dass er so im Hintergrund agiert, ist irgendwie traurig.
Aber nicht verzagen, es gibt natürlich noch immer den einen oder anderen spaßigen Moment. Die alten Darsteller schlüpfen mit Einfachheit in ihre Rollen zurück. In solchen Momenten dürfte man dann einen Hauch an Nostalgie spüren. Das Revival von Scrubs konnte kürzlich beweisen, dass man sehr wohl den Mittelweg zwischen Altbekannten und neuem Zeitgeist finden kann (siehe hier unsere Kritik). Malcolm mittendrin hingegen weiß nicht mehr so recht, wie es seine Figuren 20 Jahre später in Szene setzen soll. Also hakt man einfach mal schnell sämtliche progressive Strömungen ab, ohne sich wirklich darüber Gedanken zu machen, wie sie den Figuren und der Handlung dienen. Das ist leider etwas schlampig und meist auch einfach nicht unterhaltsam.
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Mehr InformationenMalcolm mittendrin: Noch immer unfair hat zwar einige helle Momente, kann aber nicht mehr den Geist des Originals evozieren. Für ein Wiedersehen reicht es allemal.
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Alle Fotos: (c) Walt Disney
Susanne Gottlieb schreibt als Filmjournalistin für die Helden der Freizeit, Kleine Zeitung, NZZ, Standard, TV Media, Filmbulletin, Cineuropa und viele mehr. Sie arbeitet im Filmarchiv Austria, berichtet von diversen Filmfestivals und hat Theater-, Film- und Medienwissenschaft studiert.
