
Nahe dem tschechischen Austerlitz bei Brünn (Slavkov u Brna), 60 Kilometer nördlich der österreichischen Grenze, fand am 2. Dezember 1805 die Schlacht bei Austerlitz statt. Napoleons Sieg über die vereinigten Heere von Österreich und Russland führte ihn auf den Gipfel seiner Macht. Die Dreikaiserschlacht bei Austerlitz gilt bis heute als die berühmteste Schlacht der Grande Armée. In weiterer Folge zerfiel das Heilige Römische Reich. Das mährische Austerlitz wurde zum weltweit bekannten Begriff. In Leo Tolstois Krieg und Frieden, einem der bedeutendsten Werke der Weltliteratur, wird die Schlacht detailliert beschrieben. Frankreich erinnert an keine Schlacht mit so vielen Gedenkstätten wie an diese.
Das damalige Schlachtfeld selbst ist heute neben Isonzo/Soča die einzige zentraleuropäische Destination für Schlachtfeld-Tourismus (Battlefield tourism), deren Infrastruktur mit englischen oder französischen Pendants vergleichbar ist. Im Mittelpunkt des Gedenkens steht das im Jugendstil erbaute Friedensdenkmal (Mohyla míru) auf der Pratzen-Höhe (Pracký kopec). Bei seiner Errichtung (1910-12) ein revolutionärer Akt. Denn es ehrt alle Gefallenen – ohne nationale Unterscheidung. Und versteht sich als Mahnung gegen den Krieg. Das daneben errichtete Museum wurde 2025 neu gestaltet. Auf Schloss Austerlitz (Slavkov u Brna) übernachteten und berieten sich die Kaiser von Österreich, Russland und Frankreich. Der fabelhafte mährische Landsitz von Reichsfürst Kaunitz, des österreichischen Staatskanzlers und in vor-napoleonischer Zeit politischer Vertrauter Maria Theresias, präsentiert sich ebenfalls auf Hochglanz restauriert und ist seit 2026 um die Dauerausstellung Austerlitz und Europa während der Napoleonischen Kriege ergänzt.
In Teil 23 meiner Serie Grenzgänger (hier alle weiteren Teile) präsentieren wir dir diese und weitere ikonische Erinnerungsorte der Dreikaiserschlacht bei Austerlitz, die von Wien aus bequem in einem Tagesausflug zu erkunden sind. Selbstverständlich wieder mit kulinarischen Tipps und einer praktischen Karte zur Orientierung am Ende des Berichts. Verschaff dir bei unserem Kurzvideo hier auf Instagram oder hier auf TikTok einen Eindruck.
von Martin Kienzl
Waterloo und Austerlitz: Begriffe, die sich jedem Europäer tief ins kollektive Gedächtnis eingebrannt haben. Auch wenn viele vielleicht nicht erklären könnten, warum genau. Wie Austerlitz Napoleons größten Triumph darstellt, steht Waterloo für seine vernichtende Niederlage an jenem Ort nahe Brüssel.

Das geschichtliche Ereignis Austerlitz hat unseren Kontinent geprägt. Die politischen Folgen der Dreikaiserschlacht wirken bis in die Gegenwart. Der österreichische Kaiser Franz II. verlor massiv an Einfluss. Österreich war aus Deutschland hinausgedrängt. Oberitalien ging Österreich vorübergehend verloren, womit der Boden für das Risorgimento, die Unità d‘Italia, die Einigung Italiens, vorbereitet wurde.
1806 legte Franz II. die Krone des Heiligen Römischen Reiches nieder und beendete damit dessen tausendjährige Geschichte. Napoleon organisierte große Teile Deutschlands im Rheinbund neu. Damit waren Bayern, Baden-Würtemberg, Sachsen und Westphalen gemeinsam militärisch Frankreich verpflichtet. Und ein Schritt in Richtung Deutsche Einigung getan.

Austerlitz wurde zum historischen Begriff. Aus diesen Gründen ist das ehemalige Schlachtfeld seit mehr als 100 Jahren ein internationales Reiseziel für Battlefield Tourism, wie du ihn vielleicht von den Schauplätzen der Battle of Hastings (1066), Bosworth Field (1485), Waterloo (1815), Hartmannswillerkopf (1915), Isonzo/Soča (1917) oder den D-Day-Stränden in der Normandie (1945) kennst. So gibt es in und bei Austerlitz (Slavkov u Brna) jede Menge touristische Angebote, die im offiziellen Online-Guide Napoleonisches Mähren (Morava Napoleonska) inklusive empfohlener Wander-, Rad- und Autorouten zusammengefasst sind.

Zentraler Erinnerungsort ist das erwähnte Friedensdenkmal (Památník Mohyla míru) auf dem Pratzen (Pracký kopec). Auf dieser Anhöhe hatten sich am Morgen der Schlacht die vereinten Armeen von Russland und Österreich positioniert. Sie dominierten das Schlachtfeld und waren damit in einer sehr starken Ausgangslage. Als die Franzosen den Pratzen hinauf stürmten, kämpften und starben auf seinen Hängen zehntausende Soldaten.
Heute ragt über den sanft daliegenden Wiesen Südmährens ein monumentale Jugendstilgebäude, das Friedensdenkmal. Es wurde vor dem Ersten Weltkrieg (1914-18) auf Initiative des mährischen Theologen und Friedensaktivisten Alois Slovák errichtet. Es war das erste Friedensdenkmal, das allen Beteiligten gedachte – nicht nur der siegreichen Seite. Und es sollte eine Warnung vor Kriegen und eine Mahnung zu Frieden sein. Slovák hatte in dieser militaristischen Zeit gegen Widerstände zu kämpfen. 1917 musste er sogar den Versuch der österreichischen Behörden, das 4,5 Tonnen schwere frühchristliche Kupferkreuz auf dem Denkmal zu beschlagnahmen, abwehren. Nach dem damals geläufigen Slogan Gold gab ich für Eisen sollte damit Geld für die Kriegskasse gemacht werden.

Der Bau des Friedensdenkmals wirkt nicht triumphal. Die Atmosphäre am Pratzen wirst du eher als still, fast sakral, erleben. Du siehst weit in die südmährische Landschaft, das einstige Schlachtfeld. Im Hintergrund tauchen die Brünner Plattenbausiedlungen, die Paneláky der 1970er und 1980er Jahre, auf. Die über 26 Meter hohe, vierseitige Pyramide mit abgeschnittener Spitze soll einen altslawischen Grabhügel darstellen. Vier Schildträger an den Ecken symbolisieren Frankreich, Österreich, Russland und Mähren, auf dessen Gebiet die Schlacht stattfand. Inschriften in Französisch, Deutsch, Russisch und Tschechisch erinnern an die Toten aller Nationen.

Im Inneren befindet sich eine Kapelle mit Gebeinen der insgesamt 16.500 Gefallenen – unabhängig von Rang und Herkunft. Mit der Botschaft Im Tod sind alle gleich. Selbst heute noch werden auf den Feldern Überreste von Soldaten gefunden, die im Beinhaus der Kapelle beigesetzt werden. Am Eingang der Kapelle stehen Skulpturen einer trauernden Mutter und einer trauernden Braut. Hundert Jahre nach den blutigen Ereignissen von Austerlitz wurde hier zur Versöhnung aufgerufen. Ein Appell, dessen tragische Aktualität sich heute, weitere hundert Jahre später, erneut zeigt.

Die Schlacht bei Austerlitz gilt bis heute als taktische Meisterleistung Napoleons. Oft wird sie in einem Atemzug mit Hannibals Sieg bei der Schlacht von Cannae oder den Feldzügen von Alexander dem Großen genannt. 86.000 Österreicher und Russen standen gegen nur 73.000 Franzosen. Die Alliierten fühlten sich überlegen. Napoleon studierte die geographischen Gegebenheiten wie Bachläufe, Teiche, Anhöhen usw.. Das brachte ihm einen Vorteil. Auf alliierter Seite war die Abstimmung und Zusammenarbeit von Österreichern und Russen offensichtlich schlecht organisiert.

So du mehr über den Verlauf der Schlacht wissen willst, wirst du im Netz auf unzähligen Seiten mit Schilderungen und Karten fündig. Grob gesagt: Der rechte Flügel der Franzosen befand sich vom Pratzen aus gesehen im Südwesten. Die Franzosen hatten das zentrale Pratzenplateau geräumt, was die Alliierten als Zeichen ihres Rückzugs deuteten. Diese rechte Flanke ließ Napoleon bewusst schwach aussehen – eine Täuschung. Die Alliierten stürzten vom Pratzen daher sowohl auf den rechten als auch auf den linken Flügel der Franzosen. Als sich der Morgennebel lichtete, stürmten französische Soldaten auf den Pratzen, der von den Alliierten nun zu schwach besetzt war. Sie trieben damit einen Keil zwischen die Alliierten. Das Zentrum war durchbrochen. Die Österreicher und Russen wurden auf dem rechten französischen Flügel eingekesselt. Jahr für Jahr, um den Jahrestag des 2. Dezember 1805, wird die Schlacht von Tausenden Reenactment-Enthusiasten am Originalschauplatz nachgestellt.

Hinter dem Friedensdenkmal findest du eine lange Glasfront, die im Zuge der letzten Erneuerung vor das Museums zu Schlacht und Phänomen Austerlitz gestellt wurde. Das Museum besteht seit den 1920er Jahren. 2025 wurde es umfassend erweitert und modernisiert. Einen Besuch würde ich dir sehr empfehlen. Es erwarten dich zwei Dauerausstellungen: Dreikaiserschlacht 1805, in der es um die eigentliche Schlacht, ihren Ablauf, die Ausrüstung usw. geht, und Phänomen Austerlitz. Wo eindrucksvoll illustriert wird, warum du den Ort wohl besuchst – die Legende Austerlitz. Anhand von Abbildungen von Büchern, Filmen, Videogames wird gezeigt, wie diese entstand und bis heute weiterlebt. Neu sind ein Multimedia-Bereich und eine Aussichtsplattform, die die Landschaft der Schlacht zum Exponat macht.

Die mährische Kleinstadt Austerlitz (Slavkov u Brna), die der Schlacht ihren Namen gegeben hat, beherbergt die einstige Sommerresidenz des alten böhmischen (tschechischen) Adelsgeschlechts von Kaunitz. Ihr wichtigster Vertreter, Wenzel Anton Fürst Kaunitz-Rietberg (1711–1794), Staatskanzler und führender Kopf der Aufklärung, steht für eine ganze Epoche österreichischer Geschichte, die Ära Kaunitz (1753-1792) unter Maria Theresia und Joseph II.. Ministerien im heutigen Sinn wurden geschaffen; die Oberhoheit des Staates über kirchliche Angelegenheiten eingeführt; Industriegründungen gefördert.

Außenpolitisch leitete er die Umkehr der Allianzen (Renversement des alliances), und damit die Annäherung von Österreich und Frankreich, ein. Die Ehe von Maria Theresias Tochter Marie Antoinette und Louis XVI. wurde eingefädelt. Sie endete im Zuge der Französischen Revolution (1789–1799) bekanntlich mit der Hinrichtung der beiden. Auf der Freyung in Wien kannst du bis heute das Palais Kaunitz, einen der schönsten Barockpaläste der Stadt, bewundern. Reichskanzler Fürst Kaunitz wurde am Austerlitzer Friedhof (Hřbitov Slavkov u Brna), in der Kaunitz’schen Familiengruft, beigesetzt.
Während der Schlacht nahm Schloss Austerlitz eine zentrale Rolle ein. Kaiser Franz II. und Zar Alexander I. übernachteten vor der Schlacht im Schloss. Nach seinem Sieg bezog Napoleon mit sichtlicher Genugtuung das Quartier, das zuvor von ihnen bewohnt worden war. Am 6. Dezember wurde hier der Waffenstillstand unterzeichnet.

Ort der Unterzeichnung und der Verhandlungen, die dieser vorausgingen, war der Gesellschaftssaal. Seine historische Bedeutung hat dazu geführt, dass man ihn heute als Historischen Saal kennt. Böhmische Kristallluster prägen sein Ambiente. Es ist der festlichste Raum des Westflügels, der zum Garten gerichtet ist, und dessen Besuch wir dir im Rahmen der Führung Historische Säle empfehlen.
Am 29. Jänner 2015 war der Saal erneut Ort eines historischen Ereignisses. Hier fand das erste Treffen der Regierungschefs Österreichs, der Slowakei und Tschechiens im seitdem etablierten Austerlitz-Format statt. Eine trilaterale Kooperation in den Bereichen Europa, Energie, Völkerrecht, IT-Technologie, Verkehr usw..
Unter den vielen Räumen verdienen zwei weitere besonders erwähnt zu werden. Den Ahnensaal (Sál předků, früher Speisesaal) ziert, wie in weiteren Schlosszimmern, ein Fresko des Mailänders Andrea Lanzi, der auch für Prinz Eugen in dessen Wiener Winterpalais arbeitete. Für die Stuckdekoration zeichnete Santino Bussi verantwortlich, dessen Arbeiten in Wien in unzähligen Palais und Kirchen zu finden sind.

Der sogenannte Rubens-Saal (Rubensův sál) ruft den Niedergang der Hauses Kaunitz im 19. Jahrhundert in Erinnerung. Die Kaunitz hatten im 18. Jahrhundert eine bedeutende Gemäldesammlung. Später wurde sie nach und nach zu Geld gemacht. Ob die Kaunitz je einen Rubens besessen haben, ist nicht belegt. Aber der heutige Rubens-Saal mit Rubens-Kopien (!) weist darauf hin, welchen Rang die Sammlung einst beanspruchte. Denn einen Rubens hatte man zu haben. So wie die Familie Liechtenstein, die diesem Anspruch bis heute gerecht wird. Die Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein in Wien und Vaduz zählen zu den weltweit bedeutendsten privaten Rubens-Sammlungen.

Die Schlosskapelle Heilig Kreuz (Kaple svatého Kříže) war das letzte Bauprojekt im Schloss, das Reichskanzler Kaunitz anstieß. Die Bezeichnung Kapelle erscheint wie eine zarte Untertreibung. Die beeindruckenden Dimensionen würden durchaus einer Kirche gerecht werden. Die spätbarocken Illusionsmalereien und ungewöhnlich vielen Fenster geben dem Raum eine luftige, nahezu klassizistische Wirkung. Die monumentalen Engelsstatuen des Altars gestaltete der berühmte Charakterköpfe-Bildhauer Franz Xaver Messerschmidt. Es war wohl kein Zufall, dass Maria Theresias (quasi) Hofbildhauer auch für ihren Reichskanzler Kaunitz arbeitete.

Einen romantischen Spaziergang durch den Schlossgarten von Austerlitz solltest du dir unbedingt gönnen. Das Gartenparterre mit seinen Springbrunnen und alten Kiefern ist für seinen reichen Figurenschmuck von Giovanni Giuliani bekannt. Der gebürtige Venezianer und Lehrer von Georg Raphael Donner schuf für Austerlitz 36 Statuen. Größter Auftraggeber Giulianis waren die Liechtensteiner. Seine Werke begegnen dir im Wiener Gartenpalais in der Rossau, als auch bei den Liechtenstein-Zwillingsschlössern Lednice-Valtice (Eisgrub-Feldsberg). Diese haben wir dir in den Beiträgen über Lednice und Valtice ausführlich vorgestellt.

Wenn du in den südlichen Teil des unteren Gartenparterres gehst, wirst du dich als Wiener über eine kleine Überraschung freuen. Dort findest du nämlich einen Chinesischen Pavillon. Die Gegenstücke dazu, die es in Laxenburg und Eisgrub (Lednice) gegeben hat, gingen verloren. Der Austerlitzer Parkbau blieb erhalten und hat auch nach der Komplettrenovierung 2020 seinen ursprünglichen Charakter bewahrt. Das charmante Häuschen aus dem späten 18. Jahrhundert kann in Größe, Pracht oder solidem Mauerwerk nicht mit den berühmten Bauten in Sanssouci bei Berlin oder Drottningholm bei Stockholm konkurrieren. Doch seine Besonderheit liegt darin, dass der chinoise Staffagebau von Austerlitz vollständig aus Holz errichtet wurde. Das macht ihn zu einer echten Rarität.

Im südlichen Rundflügel der einstigen Stallungen ist seit 2026 die Dauerausstellung Austerlitz 1805 – Slavkov und Europa während der Napoleonischen Kriege (Austerlitz 1805- Slavkov a Evropa v období Napoleonských válek) zu sehen. Das Profil des gesamten Schlachtfelds von Austerlitz ist auf wenigen Quadratmetern nachgebildet. Mittels Projektionen wird in zwölf Minuten anschaulich gezeigt, wie sich die Truppen bewegten und wie geschickt Napoleon das Gelände und den Nebel nutzte.

Der Ort, von dem aus Napoleon sah, wie sich der Nebel auflöste, ist der Žuráň-Hügel, Sitz seines Hauptquartiers. Bis heute ist der Žuráň (Schorrain) ein viel besuchter Ort. Liegt die besondere Wirkung des Ortes in seiner historischen Bedeutung bei der Schlacht, in der exponierten Lage mit ihrem weiten Rundblick, oder in dem Umstand, dass du hier auf einem künstlich aufgeschütteten Grabhügel aus dem 5.–6. Jahrhundert stehst? Der Magie des Žuráňs wirst du dich jedenfalls schwer entziehen können. Eine sanfte Steigung führt dich über das Ackerland zu der Kuppe hinauf. Zwei Ahornbäume flankieren einen Granitblock mit einer plastischen Karte des Schlachtfeldes. Die feierliche Enthüllung dieses Denkmals von 1930 fand unter Teilnahme französischer und tschechoslowakischer Militärdelegationen statt.

Vom Pratzen und hier vom Žuráň überschaust du das einstige Schlachtfeld am besten. Im Südosten siehst du über die Anhöhe der Alten Weinberge (Staré vinohrady), Ort der Schlüsselkämpfe, bis zum Pratzen. Im Süden reicht der Blick bis zu den Pollauer Bergen (Pavlovské vrchy), zu denen wir dich in Teil 1 unserer Grenzgänger-Serie geführt haben. Am 2. Dezember 1805 standen sich gegen halb neun am Morgen die beiden Heere gegenüber. Dichter Nebel verhinderte, dass sie einander sahen. Plötzlich soll die aufgehende Sonne den Nebel vertrieben und die südmährische Landschaft in leuchtendes Rot getaucht haben. Die Franzosen konnten den Feind ausmachen und die Gunst der Stunde nutzen. Napoleon schilderte diesen Moment später als schicksalhaft. Die Sonne von Austerlitz – le soleil d’Austerlitz – beeinflusste seiner Ansicht nach den Ausgang der Schlacht zu seinen Gunsten.

Der Santon-Hügel, der vor der Napoleonischen Zeit Padělek hieß, hat seinen heutigen, für das tschechische Mähren ungewohnten Namen vermutlich den französischen Soldaten zu verdanken. Sie errichteten hier die äußere Infanteriestellung ihres Linken Flügels. Und hielten die Kapelle, die ursprünglich hier stand und die sie zerstörten, für eine Saint Antoine – dem Heiligen Antonius – geweihte. Flüchtig französisch ausgesprochen: Santon. Auf den Santon kommst du nur zu Fuß. Oben erwartet dich seit 1832 wieder eine Kapelle. Mit französischen und russischen Gedenktafeln.

An der alten Poststraße von Brünn (Brno) nach Olmütz (Olomouc) befindet sich die Alte Post (Stará pošta) von 1785, die in der Schlacht eine wichtige militärische und symbolische Rolle spielte. Die Straße ist heute, trotz der parallel geführten Autobahn Brno-Olomouc, viel befahren. Wie in Habsburgischen Zeiten üblich, war sie ein Straßenhof mit Stallungen, Schankbetrieb und Übernachtungsmöglichkeiten für Reisende und Militär. Das wohl schönste Postgebäude aus dieser Zeit steht in Melk.

Alt wurde die Post bei Austerlitz hundert Jahre später, als ein paar Kilometer nördlich ein neues Postamt errichtet wurde. Hier gingen sie alle ein und aus: Franzosen, Russen, Österreicher. Damals diente der Ort sowohl als russisches Hauptquartier als auch als Unterkunft für Napoleon. Später kam der österreichische Fürst Liechtenstein zu Verhandlungen über einen Waffenstillstand hierher.
Wenn du ein Tierfreund bist, wird dein Herz höher schlagen, sobald du vom Hof der Alten Post zu den Feldern gehst. 2010 wurde an diesem Ort ein Denkmal (Památník koním padlých v bitvě u Slavkova) errichtet, das den tausenden gefallenen Pferden gewidmet ist. Eine lebensgroße Bronzestatue zeigt ein Pferd im Moment, da es von einer Kugel getroffen wird und sich aufbäumt.
Auf dem ehemaligen Schlachtfeld erinnern mehr als zwanzig Gedenksteine, Massengräber, Kreuze und Denkmäler an die gefallenen Soldaten sowie die historischen Ereignisse Anfang Dezember 1805. Einige dieser Stätten haben wir für dich im Service-Teil zusammengestellt. Wie das Friedensdenkmal am Pratzen mahnen sie uns eindringlich, Kriege zu vermeiden und den Frieden zu bewahren.

Die Schlacht bei Austerlitz (Slavkov) nahe Brünn (Brno) gilt als eine der bedeutendsten Auseinandersetzungen der Weltgeschichte und steht sinnbildlich für einen vollkommenen Sieg. Am 2. Dezember 1805 traten die Armeen der Kaiserreiche Frankreich, Österreich und Russland in der sogenannten Dreikaiserschlacht gegeneinander an. Die französische Armee unter Napoleon errang gegen die österreichisch-russische Allianz einen triumphalen Erfolg, dessen Auswirkungen bis heute spürbar sind.
Das Schlachtfeld bei Austerlitz ist heute das einzige in Zentraleuropa, das über eine Infrastruktur für internationalen Battlefield-Tourismus verfügt. Zu den Highlights zählen das Friedensdenkmal am Pratzen mit dem angeschlossenen Austerlitz 1805-Museum, Schloss Austerlitz mit einer Ausstellung zur Schlacht und zahlreiche weitere Erinnerungsorte, die Besucher durch spannende, landschaftlich reizvolle oder architektonisch beeindruckende Stationen führen.
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Mehr InformationenUnbedingt auch lesen: Alle Teile unserer Grenzgänger-Serie.


Auf dem einstigen Schlachtfeld bei Austerlitz gibt es unzählige Erinnerungsstätten, Gedenkorte, Denkmäler, Ausstellungen – die folgende kurze Übersicht erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Bist du im Detail interessiert, so empfehle ich online den ausführlichen Reiseguide Napoleonisches Mähren (Morava Napoleonska), die Wikipedia-Liste der Denkmäler des Schlachtfelds von Austerlitz (Seznam památek Slavkovského bojiště) und in Buchform den Touristischen Führer Das Schlachtfeld von Austerlitz – Führer durch die Landschaft der Dreikaiserschlacht von Jaromír Hanák, auf deutsch 2015 im Ave Verlag erschienen.






Alle weiteren Tschechien-Teile unserer Grenzgänger-Serie:
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Alle Fotos: (c) heldenderfreizeit.com
Der erfahrene Kulturjournalist (ehemals Bühne, Wien exklusiv, Stil Ikonen usw.) berichtet bei den Helden der Freizeit in seiner beliebten Grenzgänger-Serie über erstaunliche Ausflugsziele nahe der österreichischen Grenze.