Prächtige Bauten, verwinkelte, kleine Gassen und ein atemberaubender Blick aufs Meer: Geprägt von den Einflüssen der einstigen Habsburger-Monarchie hat die historische Hafenstadt Triest viel zu bieten und eignet sich im Herbst perfekt für einen Kurzurlaub.
von Stefanie Riegler
Entlang der Uferpromenade reihen sich am Wasser weiße Segelboote und kleine Yachten aneinander, auf der gegenüberliegenden Straßenseite erblickt man prächtige Bauten und Denkmäler – willkommen in Triest, wo Wiener Kaffeehauskultur auf das italienische “La Dolce Vita” trifft. Weil die Hafenstadt über 500 Jahre lang zur Habsburger-Monarchie gehörte und architektonisch stark an die österreichische Bundeshauptstadt erinnert, wird Triest auch gerne als “kleines Wien am Meer” bezeichnet.
Hier lässt sich ein gemütlicher Badeurlaub perfekt mit Sightseeing und Shopping verbinden. Wir haben für dich die besten Tipps für deinen Städtetrip nach Triest gesammelt. Um alle wichtigen Hotspots und Sehenswürdigkeiten zu besichtigen, reichen zwei Tage aus. Die Altstadt und Uferpromenade kannst du problemlos zu Fuß erkunden, deshalb eignet sich Triest perfekt für einen Wochenendtrip und ist von Wien aus in nur wenigen Stunden erreichbar (siehe Factbox unten). Gerade im Herbst ist die Stadt das ideale Reiseziel, da noch milde Temperaturen vorherrschen und weniger Tourist:innen unterwegs sind. Folgende Plätze und Sehenswürdigkeiten solltest du hier keinesfalls verpassen:

Die Piazza dell’Unità d’Italia (Deutsch: Platz der Einheit Italiens) ist der Hauptplatz von Triest und befindet sich direkt im Zentrum am Fuße des Stadthügels San Giusto. Auf drei Seiten von neoklassischen und prunkvollen Gebäuden aus der Habsburgerzeit umsäumt, handelt es sich hier um einen der größten Plätze Europas, der zum Meer geöffnet ist. Neben dem Rathaus (Palazzo del Municipio), befindet sich hier auch der Regierungspalast und das traditionsreiche Grand Hotel Duchi d’Aosta.

Im Laufe der Geschichte wurde die Piazza Unita d’Italia häufig zum Schauplatz großer Ereignisse. So legte etwa am 2. Juli 1914 am Kai das Schiff mit den Särgen des Erzherzogs Franz Ferdinand und seiner Frau Sophie an, womit das Ende einer Epoche besiegelt war. Später wurden hier die ersten italienischen Soldaten nach dem Ersten Weltkrieg unter dem Jubel der Bevölkerung empfangen.

Heute dient der Plätz, ähnlich wie der Rathausplatz in Wien, als Standort für verschiedenste Veranstaltungen. So fand erst Ende September an mehreren Tagen das Festival der wissenschaftlichen Forschung statt. Von den Bewohner:innen der Stadt wird der Platz häufig als “Piazza Grande” bezeichnet. Auch befindet sich hier das berühmte Caffè degli Specchi.

Direkt gegenüber der Piazza Unita erstreckt sich der Molo Audace, ein über 200 Meter langer Steg zum Meer hinaus. Es ist ein wunderbarer Ort, um an der frischen Luft zu flanieren. Von dort aus hast du den besten Blick auf die barocken Bauten der Stadt und kannst zugleich bei jeder Jahreszeit die wunderschönen Sonnenuntergänge am Horizont genießen. Benannt wurde der Kai nach dem Kriegsschiff “Audace”, das am 3. November 1918 an dieser Stelle anlegte und die Stadt unter italienische Kontrolle brachte.

Nicht nur Venedig hat einen – auch in Triest gibt es einen wunderschönen Canal Grande. Im Gegensatz zur berühmten venezianischen Wasserstraße geht es am viel kleineren Triestiner Kanal aber viel ruhiger zu. Mehrere Cafés und Restaurants sind hier zu finden, die einen tollen Ausblick auf die Kirche Sant’Antonio Nuovo bieten. Kulinarisch sehr zu empfehlen ist die Pasta in der Trattoria di Napoli. Der Canal Grande wurde im 18. Jahrhundert errichtet und diente einst als wichtiger Knotenpunkt des Handelsimperiums der Stadt.

Der Kanal ist rund 200 Meter lang und wird von mehreren Brücken überzogen. Die bekannteste ist die Ponte Rosso, auf der eine Statue von James Joyce zu finden ist. Der berühmte irische Schriftsteller lebte mehrere Jahre in Triest und hat hier einige seiner bedeutendsten Werke verfasst. Besonders in den Abendstunden, wenn sich das Licht malerisch im Wasser spiegelt, wird der Canal Grande zum beliebten Ort für Tourist:innen. Auch finden hier diverse Veranstaltungen statt und in der Adventszeit lohnt sich ein Besuch der Weihnachtsmärkte entlang des Kanals.

Vom Piazza Unita erreichst du in rund 20 Minuten zu Fuß das Strandbad La Lanterna, das zu den symbolträchtigsten Orten der Stadt zählt. Und das nicht nur aufgrund des Leuchtturms, La Lanterna, dem das städtische Bad seinen Namen verdankt. Es ist das einzige Strandbad in Europa mit einem strikt getrennten Frauen- und Männerbereich. Der Eintritt kostet 1,20 Euro. Links erstreckt sich der Strandabteil für die Frauen, rechts jener für die Männer, getrennt durch eine Mauer.

La Lanterna wurde 1903 eröffnet und ist in dieser Form wohl einzigartig in Europa. Von den Stadtbewohner:innen wird der Badeort häufig auch “Pedocìn” genannt. Gleich daneben findest du außerdem auch noch das Strandbad “Bagno Ausonia”. Dieses verfügt über eine 1500 m² große Liegefläche, welche zwischen den verschiedenen Terrassen mit Meerblick und einem Kiesstrand verteilt ist.

Mitten in der Altstadt, wenige Schritte hinter der Piazza Unita, steht das römische Theater, das im 1. Jahrhundert erbaut wurde und Platz für rund 6.000 Zuseher:innen bot. Außerdem handelt es sich hier um eines der wenigen Theater, das direkt am Meer gebaut wurde. Es kann kostenlos besichtigt werden, das Betreten der historischen Ränge ist für Besucher:innen allerdings nicht gestattet.

Das Castello di San Giusto gilt als eines der Wahrzeichen von Triest und befindet sich auf dem gleichnamigen Stadthügel. Der Bau der mittelalterlichen Festung wurde von den österreichischen Kaisern veranlasst. Es diente dem Schutz und der Kontrolle der Stadt und war auch das Zuhause für den kaiserlichen Kapitän. Von der Burg aus hast du einen wunderbaren Ausblick auf die Stadt und den Golf von Triest. Der Eintritt ins Schloss bzw. zum Museum kostet sieben Euro.
Wenn du noch mehr Sehenswürdigkeiten bestaunen willst, empfehle ich dir eine Tour mit diesem Hop-On-Hop-Off-Bus durch Triest. Das Ticket bekommst du um 17 Euro und die Tour startet mehrmals am Tag (am Wochenende sogar öfter) beim Molo Audace. Mittels Audioguide erfährst du viel über die Geschichte der Stadt. Der Bus hält an insgesamt 13 Stationen und fährt sogar bis zum berühmten Schloss Miramare, das rund acht Kilometer außerhalb von Triest liegt.

Für einen Ausflug zu einem tollen Meeresstrand und zum Schloss Miramare gibt es aber auch eine großartige Öffi-Alternative. Einfach in der Altstadt oder beim Bahnhof in die Buslinie 6 einsteigen. Die fährt am Weg zur Endstation Grignano (dort ist das Schloss Miramare) Richtung Norden den gesamten Barcola Strand entlang. Etwa alle hundert Meter befindet sich eine Station, so kannst du dir einfach eine schöne Stelle zum Aussteigen aussuchen. Die Fahrt funktioniert ohne Ticket, einfach die Bankomatkarte an das Lesegerät halten.
Kaum Wellen und eine gute Windprise sorgen dafür, dass sich hier viele Foil Kiter tummeln. Trotz der groben Felsen findest du aber alle paar Meter schöne Einstiegsstellen mit Leitern und Stiegen – und an heißen Sommertagen ganz viel Schatten durch den Wald. Zum Sonnenuntergang schwimmst du hier mit Blick auf das Schloss im Norden und den Leuchtturm im Süden. Kein Wunder, dass immer wieder Pärchen hier ihre Hochzeitsfotos machen lassen.
Triest ist auch als Stadt des Kaffees bekannt – denn was Espresso, Cappuccino und Co. betrifft, hat die norditalienische Hafenstadt eine lange Tradition. Die ersten Kaffeehäuser wurden in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eröffnet. Dabei vermischten sich die Bräuche der Habsburger-Monarchie mit jenen der multikulturellen Hafenstadt. Dank Kaiserin Maria Theresia wurde Triest zu einem der wichtigsten Handelszentren der Monarchie. Um 1900 war Triest sogar einer der größten Kaffeehandelsplätze überhaupt. Die berühmten Cafés von Triest erinnern heute noch stark an die Wiener Kaffeehäuser. Das Caffè degli Specchi wurde 1839 eröffnet und ist mit Blick auf die Piazza Unità d’Italia ein beliebtes Touristenziel. Der riesige Gastgarten mitten auf dem Platz wird aber genauso von Einheimischen besucht.

Ein weiteres der noch erhaltenen historischen Kaffeehäuser ist das Caffè San Marco in der Via Cesare Battisti. Gegründet im Jahr 1914, wurde das Lokal schnell zum Treffpunkt wichtiger Literaten und Denker. Etwa James Joyce oder Italo Svevo verkehrten regelmäßig hier. Dank seiner weitgehend original erhaltenen Jugendstileinrichtung ist es bei Tourist:innen ebenfalls beliebt. Passend zu einem Literatencafé beherbergt ein Teil der Räumlichkeiten heute eine Buchhandlung – hier kannst du also gemütlich in verschiedenen Werken schmökern und dabei einen Kaffee genießen.

Entlang der Uferpromenade, sowie auch in den kleinen Gassen der Altstadt findest du verschiedene Restaurants und Bars. Wer authentische Triestiner Küche und gute Fischgerichte schätzt, ist in der Osteria Salvagente bestens aufgehoben. Das Restaurant befindet sich in einer kleinen Seitengasse, nahe der Marina San Giusto. Für Pasta- oder Pizza-Fans empfehle ich vor allem am Abend einen Restaurant-Besuch am Canal Grande.
Ein besonders origineller und hervorragender Lokaltipp zum Mittagessen ist das Baracca e Burattini, das sich zwischen Bahnhof und Canal Grande in der Via de Torre Bianca versteckt. Weil es nur von 12 bis 16 Uhr geöffnet ist, empfiehlt sich eine Tischreservierung. Die Einrichtung aus DIY-Gegenständen ist ebenso urig verspielt und gelungen wie die Speisenkreationen. Am besten durch möglichst viele Antipasti kosten und wer von der ausschließlich italienischen überdimensionalen Karte, die einem zum Tisch gestellt wird, nicht alles versteht – einfach bei den Hauptspeisen überraschen lassen. Man kann nichts falsch machen – alles ist großartig!
Die Sissi Bar an der Piazza Venezia ist vor allem für Jugendliche am Wochenende ein beliebter Treffpunkt. Mit Blick auf die Statue von Maximilian I., dem Erzherzog von Österreich, kannst du hier gute Drinks in den Abendstunden genießen.
Wer Lust auf einen gemütlichen Kurztrip ans Meer hat, sollte sich Triest keinesfalls entgehen lassen. Der Charme dieser Stadt hat mich sofort in seinen Bann gezogen. Vor allem die Mischung aus historischer Architektur, Meerfeeling und Kaffeehauskultur macht Triest für mich zum perfekten Reiseziel.
Einwohner: 198.622
Währung: Euro
Beste Reisezeit: Im Frühjahr von März bis Juni oder in den Herbstmonaten September und Oktober. In dieser Zeit ist es deutlich wärmer und es sind weniger Tourist:innen unterwegs. In den Wintermonaten von November bis Februar sind Spaziergänge wegen der kühleren Temperaturen und der stürmischen Bora (Wind) im Freien oft ungemütlich.
Anreise und Unterkünfte: Einmal pro Tag fährt ein Zug von Wien direkt nach Triest. Die Fahrzeit beträgt rund sechseinhalb Stunden. Auch mit dem Flixbus kommst du ohne Umstieg in 6:45 Stunden in die historische Hafenstadt. Auf booking.com findest du zudem unzählige Hotels direkt im Zentrum, die rund 100 bis 150 Euro pro Nacht kosten (Frühstück inklusive). Sehr zu empfehlen und noch etwas günstiger ist beispielsweise das Bed & Breakfast Al Cucherle – das direkt bei unserem Lokaltipp Baracca e Burattini liegt.
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Alle Fotos: heldenderfreizeit.com
Stefanie Riegler ist seit 2009 als Journalistin tätig. Sie liebt das Wiener Stadtleben, geht gerne auf Reisen oder auf Konzerte und schätzt besonders österreichische Filme.
