Im ersten Solo-Regieprojekt von Josh Safdie nimmt er Anleihen am bewegten Leben des US-Tischtennisstars Marty Reisman. Timothée Chalamet brilliert als ehrgeizig-arrogante Titelfigur.
von Susanne Gottlieb, 25. 2. 2026
Ein paar Mal war er knapp dran. Vor allem mit seiner Rolle als Bob Dylan in Like a Complete Unknown. Doch der Oscar war ihm bisher verwehrt. Diesmal könnte es aber für Timothée Chalamet klappen. Mit der Titelrolle des Marty Mauser in Josh Safdies Marty Supreme könnte er diesmal nach der Statue greifen. Das Sportlerdrama hat aber auch noch ganze andere Highlights zu bieten und unterhält entgegen den typischen Klischees. Hier erfahrt ihr, warum ihr den Film nicht verpassen solltet. Und alle aktuellen Kinostarts findest du immer hier auf einen Blick.

Im New York der 50er schlägt sich Marty Mauser (Timothée Chalamet) als Schuhverkäufer bei seinem Onkel Murray (Larry Sloman) herum, aber eigentlich will er der erste große amerikanische Tischtennis-Star werden. Sein Onkel möchte sich aber sein Verkaufstalent bewahren, und auch die Affäre mit seiner verheirateten Kindheitsfreundin Rachel (Odessa A’zion) bringt ihm immer wieder Probleme ein. Als Murray ihm das Geld für den Flug zu einem Turnier nach London enthält, stiehlt Marty es kurzerhand aus dem Tresor.
In London muss er ernüchterntfeststellen, dass der Japaner Koto Endo (Koto Kawaguchi) viel erfolgreicher ist. Außerdem beginnt er eine Affäre mit dem ehmaligen Filmstar Kay Stone (Gwyneth Paltrow), während er ihren Mann Milton Rockwell (Kevin O’Leary) als Sponsor für den Sport um den Finger wickeln will. Als er mit seinem Kumpel, den ungarischen Spieler Bela Kletzki (Géza Röhrig), auf Welttournee geht, bringen ihn seine Ambitionen und seine privaten zwischenmenschlichen Verwicklungen immer weiter in die Bredouille.

Auch wenn die Safdie-Brüder seit einiger Zeit getrennt Filme umsetzen, ihrem altbekannten Stil sind sie treu geblieben. Vor allem Josh beschwört die alten Stärken wieder herauf. Die rohe Energie, die nervöse, intensive Dynamik der Kamera. Auch Marty Supreme sieht sich wie ein Adrenalinschub, die Teilnahme am Extremsport “Geschichten erzählen”, in dem die Bilder nur so über die Leinwand flimmern. Natürlich gibt die Biografie von Marty Reisman, auf dessen Leben diese fiktionalisierte Geschichte basiert, einige Schmankerl her.
Safdie aber verpackt die Details wieder in altbekannte thematische Abhandlungen. Marty jagt, von Gier zerfressen, dem großen Ruhm und dem Geld nach, ergibt sich impulsiven Entscheidungen und will seiner bescheidenen Herkunft aus Lower Manhattan entrinnen. Dabei fühlt sich sein Weg nach London, Asien und durch die Fänge seiner Familie und des Gesetzes wie ein Staccato-Tanz mit Zeitdruck an. Jeden Moment könnte ihn die Realität einholen, das Leben ihn in die Banalität eines kleinen Mannes unter der Fuchtel von Onkel und Mutter (Fran Drescher) zurückwerfen.

Verstärkt wird diese zweieinhalb Stunden lange Hektik durch schnelle Schnitte, Handkamera und wackelige Bewegungen. So wie Marty aufgehetzt wirkt, und nicht zur Ruhe kommt, so kommt auch das Bild nicht zur Ruhe. Chalamet begeistert mit starkem New Yorker Akzent, Monobraue und wilden, egonzentrischem Gehabe. Die für die Safdies typischen, überlappenden Dialoge dominiert er mit starker Mimik und Gestik. Dabei gelingt es ihm und Safdie, die durchaus ausgeprägte Egozentrik Martys charmant zu verkaufen. Dessen Streben nach Ruhm mag zwar auf den Rücken anderer und einen moralischen Kompass passieren. Gleichzeitig muss man ihn auch für seine Kompromisslosigkeit bewundern. Dass er etwa auch Rachel verteidigt, wenn ihr brutaler Ehemann Ira (Emory Cohen) gewalttätig wird.
Der amerikanische Traum ist auch bei Safdie eine Idee von Schall und Rauch. Marty kann sich behaupten, weil er das Spiel spielen kann. Das System einlullen. Aber seine Weigerung, sich für Geld bloßzustellen, verhindert auch den großen, kometenhaften Aufstieg. Ob man hier von Selbstsabotage reden kann, von großer Klappe, aber nicht viel dahinter, dieses Urteil bleibt jedem selbstüberlassen. Man versteht Marty, auch wenn man sein Benehmen kaum aushalten kann. Letzten Endes ist der Film der aufgepumpte Liebesbrief an eine kompromisslose Figur, die eine Post-Weltkrieg-Welt navigiert, in der konserative Ordnung noch den Ton angab, und Rebellion noch andere Wellen schlug.
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Mehr InformationenMarty Supreme überzeugt als wilder Ritt mit Sportlerdrama und lebt vor allem von der fantastischen Leistung des Hauptdarstellers.
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Alle Fotos: (c) Tobis Film
Susanne Gottlieb schreibt als Filmjournalistin für die Helden der Freizeit, Kleine Zeitung, NZZ, Standard, TV Media, Filmbulletin, Cineuropa und viele mehr. Sie arbeitet im Filmarchiv Austria, berichtet von diversen Filmfestivals und hat Theater-, Film- und Medienwissenschaft studiert.
