Etwa 100 Jahre vor den Ereignissen aus Games of Thrones trifft ein einfacher, armer Ritter auf einen Knappen, der mehr ist als es scheint. Warum die HBO-Serie durch den Perspektivwechsel der Reihe neues Leben einhaucht, liest du in unserer A Knight of the Seven Kingdoms Kritik.
von Susanne Gottlieb, 16. 1. 2026
Ob George R.R. Martin nicht lieber endlich mal seine Bücher fertigschreiben sollte, das sei dahingestellt. Fakt ist, nach House of the Dragon beglückt uns HBO bereits mit dem nächsten Ableger des einst so erfolgreichen Game of Thrones-Franchise. Ebenfalls ungebrochen in seiner Faszination mit dem Haus Targaryen, ist A Knight of the Seven Kingdoms aber eindeutig das Gegenstück zum anderen Ableger.
Wo House of the Dragon von den Intrigen der Hochgeborenen handelt, ist die Mär von Duncan und Egg im Westeros der kleinen Leute angesiedelt. Warum man durchaus mal reinschauen sollte, das erfahrt ihr hier.

In Westeros, rund 100 Jahre vor den Ereignissen aus Game of Thrones, hat der hoch gewachsene Knappe Duncan (Peter Claffey) gerade seinen Meister, den Ritter Ser Arlan of Pennytree beerdigt. In der Absicht, selber zu einem respektierten Ritter zu werden, macht er sich auf den Weg zu einem Turnier in Ashford Meadow. Dort bersammeln sich die nobelsten Häuser. Unterwegs stolpert er bei einer Rast in einem Wirtshaus über den aufgeweckten Stallburschen Egg (Dexter Sol Ansell). Dieser bettelt, dass er Duncan als Knappe dienen darf. Duncan lehnt entrüstet ab und zieht weiter.
Doch in Ashford Meadow ist der kleine Egg dann plötzlich auch vor Ort und lässt sich nicht abschütteln. Duncan erkennt aber schnell den Wert dieses kleinen Persönchens. Die hochgeborenen Lords nehmen Duncan, bis auf wenige Ausnahmen wie Ser Lyonel Baratheon (Daniel Ings), nicht ernst. Das alte Wappen von Sir Arlan darf er auch nicht führen. Als dann auch noch die Targaryens auftauchen, trifft er zwar auf den wohlgesinnten Kronprinzen Baelor (Bertie Cavel), aber auch auf seinen weniger freundlichen Bruder Prinz Maekar (Sam Spruell) und dessen brutalen, sadistischen Sohn Prinz Aerion (Finn Bennett). Was Duncan noch nicht ahnt ist, wie nah der kleine Egg diesen Herrschern in Wirklichkeit steht.

Dass der kleine Egg in Wirklichkeit Prinz Aegon ist, ebenfalls Sohn von Prinz Maekar und ein zukünftiger Herrscher, sollte an diesem Punkt kein Geheimnis mehr sein. Basierend auf den Geschichten Tales of Dunk and Egg, erzählt Martin, wie der einfache Ritter mit seinem hochgeborenen Knappen durch Westeros reist, allerhand Abenteuer besteht und ihm dabei das Leben der kleinen Leute näher bringt.
Die kleinen Leute sind auch das treibende Element dieser Serie. Die Drachen sind zu dieser Zeit bereits ausgestorben, allzu viel Magie darf man sich unter diesen einfachen Bauern, Arbeitern und Kämpfern nicht erwarten. A Knight of the Seven Kingdoms ist wohl die realistischste Serie der Reihe bis jetzt. Sie zeigt gekonnt die Arbeiterklasse. Ein beständiges, stets dahin tickendes Uhrwerk, das die Last der gesellschaftlichen Unruhen auf seinen Rücken tragen muss, während sich in anderen Sphären die Reichen und Mächtigen vergnügen.
Doch die Reisen selber stehen in dieser ersten Staffel noch nicht im Zentrum der Erzählung. Vielmehr konzentriert sich Serienschöpfer Ira Parker rein auf den Prolog dieser Reisen, das Turnier in Ashford Meadow. Hier wird in aller Ruhe erzählt, wie Duncan Egg traf, wie Egg ihm das Leben rettete und das Haus Targaryen einen weiteren bedeutsamen Schicksalsschlag erleben musste. Diese Langsamkeit macht sich in manchen Momenten spürbar bemerkbar. Wenn selbst in einem Kampf auf dem Turnierfeld eine Rückblende zu Duncans Jugend in Kings Landing aufpoppt, dann weiß man, Parker hat hier versucht möglichst viel Inhalt und Charakterentwicklung in wenig Material zu stopfen.

Damit stößt er auf ein ähnliches Problem wie House of the Dragon zu Beginn hatte. Dieses musste sich erst einmal durch eine Unmenge an flotten Zeitsprüngen kämpfen, bevor es wirklich loslegen konnte. A Knight of the Seven Kingdoms drückt zu Beginn erst mal heftig auf die Bremse, um Gravitas und Emotionen zu entwickeln. Doch das hindert einen nicht daran, die durchaus charmanten Darbietungen des ehemaligen Rugby-Spielers Peter Claffey, sowie des jungen Musiker-Sohns Ansell zu genießen. Die Dynamik der beiden passt, und Parker kommt auch nicht darum herum, hier beißenden Witz einzubauen.
Waren Game of Thrones und House of the Dragon noch sehr ernst und dramatisch, so unterhalten sich Duncan und Egg schon mal über die heldenhafte Aufgaben einer Prostituierten in einem Trinklied. Wer Fäkalwitze mag, ist hier ebenfalls gut aufgehoben. Eine Frage stellt sich besonders. Schwenkt Parker in einer sehr wahrscheinlichen Staffel 2 dann auf eine “Abenteuer der Woche”-Dynamik der beiden Reisenden um? Oder setzt er mehr auf das Drama im Haus Targaryen?
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Mehr InformationenDer neueste Ableger der Games of Thrones-Reihe besticht durch Witz, Lebensweisheit und sympathische Darsteller. Selbst wenn man des Game-of-Thrones-Franchises schon etwas müde ist, lohnt es sich auf jeden Fall hier zumindest für die erste Staffel mal vorbeischauen.
Sollten die weiteren Staffeln nicht enttäuschen, könnte sich sogar eine Aufnahme in unser Ranking der 20 besten HBO-Serien ausgehen.
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Aufmacherfoto: (c) HBO
Susanne Gottlieb schreibt als Filmjournalistin für die Helden der Freizeit, Kleine Zeitung, NZZ, Standard, TV Media, Filmbulletin, Cineuropa und viele mehr. Sie arbeitet im Filmarchiv Austria, berichtet von diversen Filmfestivals und hat Theater-, Film- und Medienwissenschaft studiert.
