Neues Jahr, neues Silent Hill. Nach dem großen Comeback ist die alte Horrorserie eine Anthologie von unterschiedlichen Entwicklern geworden. Mit Silent Hill: Townfall übernehmen die Marke nun Genre-Veteranen, die auch für den Kulthit Alien Isolation zuständig waren – das merkt man. Denn diesmal gibt es eine Egoperspektive und viel Geschleiche. Ob das noch zusammenpasst, verrät unser Silent Hill Townfall Review.
von Klaus Kainz, 27. 9. 2026
Verursacht der neue Jahrestakt der Serie schon Ermüdungserscheinungen? Auf Steam startete der Titel mit spürbar weniger gleichzeitigen Spieler als die direkten Vorgänger der zwei Vorjahre. Manchen Puristen mag beim Reboot manchmal auch der direkte Bezug zur alten Lore fehlen. Nach Silent Hill f spielt auch Townfall nämlich gar nicht mehr in Silent Hill. Trotz der scheinbar großen Unterschiede steckt hier aber trotzdem viel klassisches Horror-Gameplay drin – aber nicht ohne potenzielle Mankos, die je nach Spieler mehr oder weniger schwer wiegen können.

Nicht Silent Hill, sondern das schottische St. Amelia ist diesmal vom verfluchten Nebel befallen. Nur noch drei spielbare Protagonisten streifen durch die Stadt, und wie üblich scheinen sich im Nebel diverse Traumata der Figuren zu manifestieren. Hier scheint diesmal irgendetwas im Krankenhaus mächtig schief gelaufen zu sein. Das Gesamtbild bleibt aber lange unklar. Zwar sind die großen Enthüllungen keine Megaschocker, aber die Mysterien halten über die rund 13 bis 15-stündige Kampagne bei der Stange.
Grafisch sieht die neue Ortschaft jedenfalls stark aus. Die europäische Architektur und der Nebel passen wie die Faust auf Auge und besonders die Belichtung macht einiges her. Auch St. Amelia verwandelt sich außerdem immer wieder in eine dämonische Variante. Hier setzt Townfall auf krasse Rottöne, in Innenräumen gelegentlich auf den gewohnten Rost und kalte Wände. An die Musik des alten Stammkomponisten Akira Yamaoka kommt der neue Soundtrack zwar nicht heran, aber er hält den Puls trotzdem gut oben. Daneben macht aber auch das Sounddesign der Geräusche einiges her, das selbst die Momente ohne Gegner schaurig macht.

Vom grundlegenden Ablauf ist das Spiel – trotz Egoperspektive – durchaus bei den Klassikern. Ohne viel Geplänkel müssen die Protagonisten die neblige Stadt erkunden, die wirkt, als ob eine Katastrophe die Einwohner vertrieben hätte. Besonders die ruhige Erkundung ist erfrischend anders im Vergleich zu den sonst üblichen Spiellandschaften voller Hilfsmechaniken, leuchtenden Gehwegen und NPCs, die in anderen Games sofort die Lösungen ausplaudern. Hinweise sind hier selbst zu deuten, selbst auf dem leichten Schwierigkeitsgrad, der in Dokumenten lediglich ein paar Worte rot anstreicht. Andere Hinweise sind sinnvoll ins Setting integriert, etwa wenn Simon über seinen kryptischen Nachrichten bekommt.

Durch das neue Mysterium manifestieren sich in der doch nicht ganz realen Stadt vor allem medizinisch wirkende Phänomene. Manche Türen sind fleisch-artige Wände, die Simon mit Skalpell aufschneiden muss, beim Lösen von Codes sind manchmal Tabletten oder Blutbeutel zu interpretieren. Besonders die Bandbreite an Rätseln überzeugt in Silent Hill: Townfall. Oft sind Codes zu knacken, aber die Lösungswege zeigen sich gelegentlich ziemlich kreativ. An einer Stelle muss etwa die Zeit in einem Raum durch das Abspulen einer Kassette manipuliert werden.

Es gibt zwar Waffen, aber selbst mit solchen sollten die Gegner mindestens von anderen Monstern getrennt sein und bestenfalls unbemerkt von hinten attackiert werden. Mit dem tragbaren Monitor kann Simon die Monster anhand von Silhouetten orten, was die Lage etwas erleichtert. Für die Flucht gibt es überall kleine Verstecke, oder die Möglichkeit, Türen abzuschließen. Auch ist es möglich, per Schultertaste den Kopf zu neigen und hinter Ecken zu spähen. Die drei spielbaren Charaktere unterscheiden sich beim Gameplay übrigens kaum.
Spielerisch liegt der größte Unterschied bei den Kämpfen. Townfall setzt nämlich stark auf Stealth – ähnlich wie bei Alien: Isolation, aber nicht ganz. Statt eines einzigen unbesiegbaren Monsters lauern nämlich überall kleinere Mutanten. Eigentlich sind die Bewegungsmuster der Gegner relativ simpel, aber die Monster können dafür hart austeilen und sind sehr aufmerksam. Wer auf Konfrontationskurs geht, muss mit starken Verlusten der Heilmittel oder einem raschen Game Over rechnen.

Ein Manko ist lediglich die fehlende Abwechslung bei den Gegnertypen. Zwar bleiben die Kreaturen bis ans Ende durch ihre Stärke und die teils einschränkenden Gebiete absolut gefährlich – selbst nach Erhalt der Feuerwaffen zählt jeder einzelne Schuss, jede gefundene Kugel ist eine Erleichterung. Problematisch ist eher, dass die wenigen neuen Gegner im finalen Drittel ein bisschen nerven. Hier gibt es dann zum Beispiel kurzzeitig einen trägen Stalker, der viel Wartezeit abverlangt, aber gleichzeitig jeden Fehler mit einem automatischen Game Over bestraft. Darüber hinaus ist der Titel für das Überlebenskampf-Gameplay etwa zwei oder drei Stunden zu lange.

Debatten um die Lore hin oder her. Silent Hill: Townfall ist ein erfrischend old-schooliges Horrorspiel, das mit einfallsreichen Rätseln – heutzutage im AAA-Bereich eine Seltenheit – und Erkundung der Mysterien überzeugt. Fehlerfrei ist es zwar nicht. Besonders der Stealth könnte für manche gewöhnungsbedürftig sein, da er mehr auf harte Strafen als auf komplexe Muster und Mechaniken setzt. Ein bisschen kürzer dürften solche Horrorspiele ebenfalls sein. Trotzdem weiß der Titel zu fesseln. Zumindest als Fans klassischer Horrorabenteuer trifft er einen Nerv, trotz mancher Mankos.
Mehr aus der Welt des Gaming-Horrors:
Was kann der Konkurrent Resident Evil Requiem?
Geheimtipp? Das Horror-Remake Fatal Frame 2 im Test
Lohnt sich das Remake von Dead Space noch immer?
Alle Bilder © Konami
Der Redakteur (APA, Helden der Freizeit) und Videospiel-Blogger reviewed für uns vor allem Games, Serien und Filme - ist aber auch so manchem Naturausflug nicht abgeneigt.
