Auf das neue Star Wars: Galactic Racer sollten nicht nur Fans der weit entfernten Galaxis ein Auge werfen. Denn die Wettrennen durch die neuen und alten Kinowelten könnten Arcade-Rennspielen generell einen kräftigen Schub verpassen. Denn: Nachdem die Spieleindustrie das Genre eher vernachlässigt hat (unsere Liste der stärksten Arcade Racer), zeigen die alten Burnout- und Need for Speed-Veteranen, wie es geht. Warum das Game verglichen mit den letzten Kinofilmen das Zeug zum Fan-Liebling hat, verrät unserer Star Wars: Galactic Racer Test.
von Klaus Kainz, 4. 10. 2026
Lucasfilm schmeißt endlich wieder die Turbinen an. Selbst bei vielen Kritikern von Star Wars Episode I blieb das große Wettrennen hängen und deswegen folgten schnell Rennspiel-Versoftungen für Konsolen und Spielhallen. Für ein würdiges Comeback übernahm nun das neu gegründete Fusegames das Steuer. Tatsächlich stecken dahiner aber absolute Experten, die einst an Klassikern wie Burnout und Need for Speed mitwirkten – das merkt man.

Als Rennspiel gibt sich die Story simpel. Kurz zusammengefasst: Es gilt einen schnöseligen Champion namens Kestar Bool vom Thron zu stoßen. Diese Aufgabe besteht aus Turnieren, die sich ein wenig wie ein Roguelike spielen. Über Dutzende Rennen baut Protagonist Shade sein Gefährt auf, um es am Ende mit einem der Spitzenreiter aufzunehmen. Wer zu oft verliert, muss von vorne anfangen – nur ganz wenige Upgrades bleiben permanent. Im Gegensatz zu Roguelikes sind Strecken aber nicht zufallsgeneriert, nur der Turnierablauf.
Diesmal geht es nicht nur ums Podracing. Es düsen gleich mehrere Vehikel aus dem Star-Wars-Universum über die Rennstrecken. Am Anfang jedes Turniers gibt es die Wahl zwischen Landspeeder, Speeder Bike und Skim Speeder. Podracer sind eine eigene Bonuskategorie für Sidequests, inklusive alten Charakteren wie Sebulba.

Die Entwickler haben nicht vergessen, wie sich schwere Vehikel anfühlen müssen. Anfangs mag es kurz so wirken, als würden sich die Speeder wie die Autos in Need for Speed steuern. Hinter dem Lenker steckt viel Gewicht, aber es sind auch Drifts möglich und die genretypischen Boosts. Auch die Zerstörung gegnerischer Fahrzeuge durch gezielte Takedowns gab es schon früher und ist kein exklusives Feature in Star Wars. Trotzdem bieten die Schwebekarrossen ein bisschen mehr.
Einerseits kommen die Düsenantriebe deutlich schneller auf Höchstgeschwindigkeiten und besitzen obendrauf einen zweiten Boost, den sogenannten Ramjet, der die Turbinen extra aufheizt. Während die vergleichsweise dicken Landspeeder Gegner stärker rammen können, trotzen die Skim Speeder in den Kurven der Gravitation und neigen wie Flugjets scharf zur Seite. Die Podracer-Kategorie fährt sich ähnlich wie die Skim Speeder, während die Bikes schneller sind, aber etwas steifer zu steuern.

Neben der sehr intuitiven Steuerung trägt vor allem der Sound einiges zum Fahrgefühl bei. Die gelegentliche Musikuntermalung fängt den Spirit von John Williams halbwegs solide ein, ist aber nicht das Highlight. Vielmehr sind es die authentisch wirkenden Geräusche, wenn sich die Düsenantriebe aufheizen, oder das Metall beim Aufprallen kracht oder der Wind durch die Flügel bläst. Ein einziger Wermutstropfen hier sind die leicht abgedroschenen Sprüche der gegnerischen Fahrer.

Im Gegensatz zu vergleichbaren Rennspielen mit Science-Fiction-Anstrich wie F-Zero oder dem direkten Vorgänger Star Wars: Episode I Racer hat der neue Ableger offener gestaltete Strecken. Galactic Racer geht mit seinen Naturkulissen auf den unterschiedlichen Planeten mehr in Richtung Rally und Offroad. Das bedeutet viele Abkürzungen, beispielsweise durch enge Höhlen oder Raumschiffwracks, sowie viele große Sprünge und Klippen.
Das verlangt zwar Konzentration, aber die Strecken sind sehr gut auf die Steuerung zugeschnitten. Dadurch sind die engen Kurven und Höhlen bei den hohen Geschwindigkeiten zwar immer gefährlich, aber nie unfaires Hindernis. Überhaupt sind die Planeten visuell sehr organisch gestaltet. Gelegentlich gibt es subtile Leuchtmarkierungen für besonders scharfe Kurven, aber auch ohne große Hilfslinien bietet das Spiel immer Orientierung.

Wegen des durchaus spürbaren Schwierigkeitsgrads sind nicht nur Reflexe gefragt. Während der Zwischenstopps gibt es neue Bestandteile für die Karosserie zu kaufen, die zahlreiche Anpassungsmöglichkeiten bieten. Kleinere Parts verlängern beispielsweise den Boost oder machen das Gefährt immun gegen krasse Temperaturen. Gleichzeitig schalten verschiedene Fahrstile zu Beginn des Turniers automatisch Boni und Ausrüstungsgegenstände frei.
Apropos, auch auf der Strecke ist viel Taktik gefragt. Denn die sind mit vielen Hindernissen gespickt. Ist es zu kalt, frieren die Motoren ein, andere Elemente lassen sie überhitzen oder überhaupt in die Luft fliegen. Es ist einerseits möglich, Risiko einzugehen und gezielt durch Gefahrenzonen zu schippern. Mit richtiger Ausrüstung ist es aber auch möglich, sich mit Schutzschilden oder Kühlmechaniken zu wappnen.

Der Titel lässt hier viele verschiedene Spielstile zu. Läuft der Boost vom Ramjet zu lange, fliegt das Schiff in die Luft. Wer ihn trotzdem viel benutzen will, kann ihn aufrüsten und ihm viele Bonusattributen verpassen. Dafür ist dann aber möglicherweise kein Platz mehr in der Karosse für aktivierbare Schockwellen, um Gegner leichter von der Bahn zu bringen. Allein durch das vielseitige Tüfteln an den sehr spezifischen Weltraumgeräten wird aus Star Wars: Galactic Racer mehr als nur ein Autospiel mit Star Wars-Anstrich.
Etwas ungewohnt ist beim Aufbau der Kampagne nur, dass es nicht möglich ist, Rennen zu wiederholen. Wer ein Rennen oder eine Nebenaufgabe besser fahren will oder einfach aus Spaß nochmal spielen, muss darauf hoffen, dass es zufällig beim nächsten Turnier noch einmal vorkommt. Es gibt zwar einen Arcade Modus, aber der beinhaltet überwiegend Herausforderungen zum Zeitfahren ohne Gegner. Daneben gibt es kleine Bonusszenarien mit kleineren Turniere und vorgefertigten Fahrerattributen.

Ein bisschen schade ist, dass die Menüs beim Bauen der Vehikel steril aussehen. Das alte Episode I Racer verpackte die Tüftelarbeit noch mit Animationen in der Werkstatt aus dem Film. Immerhin gibt es hier nun ganz kleine Hubwelten, in denen Nebenaufgaben etwas organischer verpackt sind. Dort melden sich zum Beispiel eure Gönner per Hologramm und verlangen besonders waghalsige Manöver im nächsten Rennen. Manchmal machen auch eure Mitfahrer kleine Angebote oder ihr schließt vor dem Rennen Wetten auf euch selbst ab.
Heutzutage ist die Konkurrenz zwar nicht groß, aber auch zu den Zeiten von Burnout hätte Star Wars: Galactic Racer gut mitgehalten. In der Ära von PS5 und Xbox Series ist es nun klar einer der besten neuen Arcade Racer auf dem Markt. Es bringt die Highspeed-Action der Klassiker, aber verstärkt die Action mit moderner Technik, während es die Kulissen von Star Wars auch für ganz neue Mechaniken nutzt.
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Der Redakteur (APA, Helden der Freizeit) und Videospiel-Blogger reviewed für uns vor allem Games, Serien und Filme - ist aber auch so manchem Naturausflug nicht abgeneigt.
