Der Nino aus Wien landet im Böhmischen Prater, Voodoo Jürgens bringt sein frisches Gschnas unter den Wiener Spätsommerhimmel und Jacob Collier zeigt im ausverkauften Globe, wie groß Musik auch ganz ohne große Besetzung werden kann. Dazu nehmen Die Toten Hosen mit ihrem letzten regulären Studioalbum Kurs auf das Happel-Stadion. Besondere Spielorte, frische Musik und spannende Tourkapitel: Diese acht Wien-Konzerte solltest du im September 2026 im Blick haben. Am Ende des Artikels findest du dazu noch eine Liste mit 17 weiteren Empfehlungen.
von Patrick Meerwald, 28. 8. 2026
Im September liegen intimer Soloabend und großes Stadionkonzert manchmal nur wenige Tage auseinander. Ein paar Gigs funktionieren noch unter freiem Himmel, gleichzeitig füllen sich Clubs (hier unsere Übersicht der besten in Wien) und große Hallen wieder mit Programm.
Unsere acht Empfehlungen der besten Wien-Konzerte führen damit vom Böhmischen Prater über die Arena und das Globe bis ins Happel-Stadion. Nicht immer ist dabei die größte Bühne automatisch das spannendste Argument. Mal ist es ein brandneues Album, mal eine ungewöhnliche Konzertkonstellation und manchmal schlicht ein Ort, der zu einem Künstler so gut passt, dass man sich fragt, warum dieses Konzert nicht schon viel früher stattgefunden hat.
Die Berliner haben aus sehr scharfsinnigen Beobachtungen von den vermeintlich kleineren Dingen über die Jahre eine eigene Sprache entwickelt. Diese Art Indie-Pop darf dabei gleichzeitig gleichzeitig verspielt, melancholisch und herrlich unspektakulär sein. Die Strandbad Eldena – Sommertour 2026 führt die Band Anfang September auf das Open-Air-Gelände der Arena. Von Wegen Lisbeth sind besonders gut darin, Dinge interessant zu finden, an denen andere achtlos vorbeigehen. Eine seltsame Begegnung, ein Gegenstand, ein Gesprächsfetzen oder irgendeine Nebensächlichkeit des modernen Alltags kann plötzlich zum Mittelpunkt eines Songs werden. Dazu kommen diese Melodien, die gerne wesentlich unbekümmerter daherkommen als das, worüber gerade gesungen wird. So entsteht jener einzigartige Lisbeth-Kontrast: Man kann zu einer Nummer problemlos tanzen und wenige Sekunden später feststellen, dass der Text gerade etwas wesentlich Unangenehmeres beobachtet hat.
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Mehr InformationenWer NIKOTIN nur über 1010 abgespeichert hat, hat 2026 einiges nachzuholen. Seit dem Song, der ihm 2023 größere Aufmerksamkeit brachte, ist beim Wiener vor allem die Schlagzahl gestiegen. Allein heuer folgten mit Unsterblich, Adrenalin, Kugelsicher und Ende Juli Kein Talent gleich mehrere neue Singles. Im Februar trat NIKOTIN mit Unsterblich bei “Vienna Calling – Wer singt für Österreich?” an, dem ersten österreichischen ESC-Vorentscheid seit zehn Jahren. Das Ticket für den Eurovision Song Contest in Wien holte am Ende zwar Cosmó, NIKOTIN bekam für seinen Auftritt aber viel Lob. In der Kleinen Halle der Arena gehört am 5. September der ganze Abend ihm selbst. Damit erklimmt er einen weiteren Schritt auf seiner Karriereleiter. Die großen Gesten, Glam-Attitüde und der Wille zur Rockstarnummer waren schon vorhanden, als die Bühnen dafür eigentlich noch zu klein waren. Inzwischen passen sie immer besser zu dem, was NIKOTIN an musikalischer und performerischer Qualität beherrscht.
Bei Jacob Collier könnte man einen halben Konzerttext problemlos damit verbringen aufzuzählen, was der Mann musikalisch alles kann. Das wäre beeindruckend und gleichzeitig ein bisschen langweilig. Viel spannender ist 2026, dass der Musiker, der jahrelang mit immer größeren harmonischen, rhythmischen und produktionstechnischen Möglichkeiten gespielt hat, nun bewusst auf Reduzierung setzt. Statt musikalischer Materialschlacht steht Collier solo im Fokus. Er setzt dabei stärker in den Mittelpunkt, was zwischen Stimme, Instrument, Raum und Publikum passiert. Seine The Light For Days Tour führt ihn in vergleichsweise intime Räume; in Wien spielt er am 8. September im ausverkauften Globe Wien. Aber Achtung, Collier wird mit diesem Setting allerdings nicht plötzlich gewöhnlich. Er lässt sein Publikum verschiedene Harmonien mitsingen und macht dieses so zu einem besonderen Chor. In einem Solo-Setting bekommt diese unmittelbare Kommunikation einen bezaubernden Vibe.

Der Nino aus Wien im Böhmischen Prater klingt ein bisschen so, als hätte jemand einen Wien-Konzerte-Termin nicht gebucht, sondern aus einem seiner Songs herausgeschnitten. Der Liedermacher romantisiert die Stadt gerne, aber selten so sehr, dass ihre schmutzigen Schuhe nicht mehr sichtbar wären. Der kleine Bruder des Wurstelpraters passt da perfekt. Immerhin wohnt er selbst auch im zehnten Bezirk – und ist auch schon in urigen Locations wie der Hansson Siedlung aufgetreten. Praterlied bekommt an diesem Ort natürlich automatisch eine zusätzliche Ebene, doch auch Fuaßboischaun, Unentschieden gegen Ried und all die anderen Stücke seines umfangreichen Song-Repertoire funktionieren deshalb, weil sie nie bloß auf Wiener Lokalkolorit angewiesen waren. Hinter dem Dialekt stecken oft ziemlich universelle Geschichten über Nähe, Einsamkeit, Sehnsucht und die kleinen Niederlagen dazwischen.
Lies hier unser großes Interview mit Nino über seine Faszination für Chartsongs und mehr
Am 11. 9. bespielt er erstmals das Tivoli, das dabei sein 30-jähriges Bestehen feiert. Erst am 14. August ist mit Neubau Alone ein neues Nino-Album erschienen. Statt sich dafür mit einer möglichst großen Produktion aufzublasen, geht Nino in die andere Richtung: reduziert, unmittelbar und weitgehend auf sich selbst zurückgeworfen. Umso schöner ist der Kontrast zum September-Konzert. Neubau Alone heißt zwar das neue Album, im Tivoli steht Nino aber nicht alleine: Mit dabei ist die AusWienBand, mit der er seit vielen Jahren seinen musikalischen Kosmos auf die Bühne bringt. Neues, bewusst reduziertes Material trifft damit auf seine legendäre Bandkonstellation. Helden-Zusatztipp! Am 19. September spielt Herbert Prohaska beim Charity 5.0 Konzert mit Pete Art und Band ebenfalls im “Böhmischen” auf der Bühne (Einlass 17 Uhr, Start: 19 Uhr).
Andere Rapper bauen sich ein Image aus Statussymbolen. Kreiml & Samurai haben sich dafür den Schweinehund in einem ihrer neuesten Tracks ausgesucht. Das erzählt eigentlich schon ziemlich viel über das Duo. Wer die beiden nur als Lieferanten von Schmäh und feuchtfröhlichen Konzertabenden versteht, unterschätzt allerdings, wie genau ihre Songs gebaut sind. Die beiden können sich über die eigene Bequemlichkeit lustig machen und gleichzeitig ziemlich präzise zum Ausdruck bringen, was rundherum schiefläuft. Das Wienerische daran ist die besondere Fähigkeit, eine kleine Katastrophe erst einmal mit einem Schulterzucken zu begrüßen. Heuer gibt es dafür reichlich neues Material. Trümmerln erschien am 26. Juni und umfasst neun Tracks, darunter Dera Birn, Nordwestbahn und Brickerl. Am 11. September präsentieren sie das Album als Highlight der Wien-Konzerte in der Arena.

Fast 45 Jahre nach ihrer Gründung müssen Die Toten Hosen niemandem mehr beweisen, dass Punk irgendwann auch ein Fußballstadion füllen kann und zweifellos unter die besten Wien-Konzerte kommt. Interessanter ist inzwischen eher, wie viel Punk von damals in einer Band steckt, die längst selbst Teil der deutschen Popgeschichte ist. Trink aus, wir müssen gehen! erschien am 29. Mai und wurde als letztes reguläres Studioalbum angekündigt. Das macht aus der Tour nicht zwingend eine Abschiedsrunde, verändert aber zwangsläufig den Unterton. Wenn eine Band mit einer derart langen Geschichte selbst beginnt, ein mögliches Ende ihres Albumkapitels zu markieren, hören sich Rückblicke plötzlich anders an. Spannend wird, wie sich dieser Abend anfühlt, wenn deutlich wird, dass sich eine scheinbar endlose Bandgeschichte dem fade out nähert.
Als perfekte Einstimmung, gibt es hier für dich das ultimative Toten Hosen Song-Ranking
Christina Stürmer dreht die Verstärker wieder auf. Nach der MTV Unplugged-Phase trägt die aktuelle Tour nicht zufällig den Titel Es wird wieder laut. Die letzten Jahre waren im Zeichen der Reduktion und teilweise neuer Beleuchtung. Nachzulesen in unserer Stürmer unplugged Konzert Review. Diese haben zuletzt gezeigt, wie viel Substanz in den Nummern steckt, wenn man ihnen den gewohnten Rockmantel auszieht. Jetzt wird er wieder angelegt. Viele von Stürmers Songs sind inzwischen alt genug, um für einen Teil des Publikums ziemlich konkrete Erinnerungen mitzubringen. Sie funktionieren weit mehr als bloße 2000er-Nostalgie. Wer Christina Stürmer früh erlebt hat, verbindet ihre Musik ohnehin stark mit Gitarren, Schlagzeug und einer sehr direkten Art von Pop-Rock. Und genau diese Energie bringt sie nun endgültig wieder zurück!
Bei AnnenMayKantereit beginnt fast jede Beschreibung irgendwann bei Henning Mays Stimme. Natürlich ist dieses tiefe, raue Organ ein ziemlich effektiver Wiedererkennungswert. Es kann einen simplen Satz klingen lassen, als hätte jemand gerade eine dreijährige Beziehung beendet und anschließend eine Schachtel Zigaretten auf einem Kölner Balkon vernichtet. Der eigentliche Trick von Songs der Band liegt viel eher in der Einfachheit. Oft gefragt, Barfuß am Klavier, Pocahontas oder 3 Tage am Meer versuchen selten, ihre Gefühle hinter komplizierten Bildern zu verstecken. AnnenMayKantereit sagen häufig ziemlich direkt, worum es geht, und lassen Musik und Stimme den Rest erledigen. Aus Musik, die ursprünglich sehr unmittelbar und ohne großen Karriereapparat funktionierte, wurde ein Massenerlebnis, ohne dass die Songs dafür plötzlich auf bombastische Stadionformeln umgestellt werden müssten. Der Sound passt noch immer genauso in kleine Venues. Doch in der Stadthalle singen wieder mehrere tausend mit!

Seit Ansa Woar schaut David Öllerer aka Voodoo Jürgens Menschen beim Leben, Lieben, Scheitern und gelegentlich auch beim kompletten Absturz zu. Seine Figuren wirken dabei selten wie literarische Konstruktionen. Eher so, als könnte man ihnen tatsächlich irgendwo in einer Gaststätte begegnen. Genau diese Nähe hat Voodoo zu einem der markantesten österreichischen Songwriter seiner Generation gemacht. Wenn er erzählt, kann es gleichzeitig grauslich, komisch und berührend werden. Mit Gschnas ist am 20. März 2026 sein viertes Album erschienen, elf Stücke umfasst die Platte. Jazz, Pop, morbide Balladen und herrlich windschiefe Momente dürfen nebeneinanderstehen, ohne dass Voodoo dabei weniger nach Voodoo klingt. Wie groß das Publikum für diese eigenwillige Welt mittlerweile geworden ist, zeigte schon sein Arena-Konzert im April 2026. Das war innerhalb weniger Wochen ausverkauft. Im September geht es deshalb gleich noch einmal dorthin – diesmal Open Air.
Lies hier unser Voodoo Interview, in dem wir mit ihm über den sehr fordernden Album-Entstehungsprozess sprachen
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Aufmacher: (c) Florian Rainer, (c) Susanne Hassler-Smith, (c) Martin Lamberty, (c) Robert Eikelpoth
Der Wiener Journalist und Redakteur ist seit 2016 für die verschiedensten Musik-Stories bei heldenderfreizeit.com verantwortlich, schreibt für diverse Musikfachmedien wie Stark!Strom berichtet dabei über Konzerte, Neuerscheinungen, führt Interviews und erstellt Besten- und Playlisten zu den Top-Liedern von Musikstars.
