Auch die Krankenhausserie Scrubs beugt sich modernen Trends und bringt einen Teil des Casts 16 Jahre später für eine zehnte Staffel zurück. Zündet die alte Erfolgsformel noch? Unsere Review.
von Susanne Gottlieb, 25. 3. 2026
Scrubs, der Krankenhaus-Klamauk der 00er-Jahre, mag für die Sender USA, NBC und ABC vielleicht nie der riesige Quotenhit gewesen sein. Eine treue Fangemeinde hat sich die Serie über die Jahre trotzdem erwirtschaftet. Denn die zehnte Staffel, die in den USA bereits Ende Februar mit der Ausstrahlung begonnen hat, ist einer der größten Hits für Hulu und Disney in jüngerer Zeit. Ab 25. März läuft sie auch im deutschsprachigen Raum.

In der letzten Staffel, die von 2009 bis 2010 lief, wurde das Sacred Heart Hospital abgerissen und musste der Winston University Platz machen, an der JD (Zach Braff), Turk (Donald Faison) und Dr. Cox (John McGinley) unterrichteten. Diese wird nun mit fast keinem weiteren Wort gewürdigt und das Krankenhaus steht auch auf magische Weise wieder. Fakt ist, JD, Turk und Elliott (Sarah Chalke) praktizieren wieder. Viel mehr ist zu den Umständen ihrer Rückkehr auch nicht zu sagen. Nicht etwa, weil es da nichts gäbe. Vielmehr hat Disney fInhaltsangaben jeder Art einen rigorosen Riegel vorgeschoben.
Was man aber erwähnen kann, ist, dass sich auch die Zeiten im Sacred Heart geändert haben. Eine neue HR-Verantwortliche, Sibby Wilson (Vanessa Bayer), sorgt dafür, dass Dr. Cox oder Todd (Robert Maschio) nicht mehr andere Angestellte beleidigen oder sexuell angraben. Die neue Generation an Assistenzärzten sind Social-Media-Kinder. Sam Tosh (Ava Bunn) zum Beispiel zahlt ihre Ausbildungskosten mit ständigen Reels und Videos von der Arbeit ab. JD hingegen hat einen weiteren Widersacher in dem ambitionierten Dr. Kevin Park (Joel Kim Booster) gefunden. Viel Neues, viel Alte und wie immer, allerhand mögliche Patienten.

Es haben wohl wenige Serien, die nach Jahren wieder aufgelegt worden sind, so erfolgreich das Original kopiert. Man könnte meinen, keine Zeit wäre vergangen, und JD, Elliott und Turk setzten fast dort fort, wo sie zuletzt aufgehört haben. Das sorgt für einen schönen Wiedererkennungswert, ist aber beizeiten auch etwas beschneidend. Denn oft fühlt sich die Serie an, als hätten die Figuren sich nicht weiterentwickelt. Als wären JD, Turk und Elliott inzwischen nicht in ihren 40ern mit zahlreichen Kindern und einigen deftigen Lebenserfahrungen. Auch einige Entscheidungen bezüglich JD und Elliot lassen vermuten, dass Serienschöpfer Bill Lawrence Scrubs nur schreiben kann, wenn alle in derselben unverrückbaren Dynamik verbleiben.
Was der Serie hingegen gut gelingt, ist moderne Befindlichkeiten wie Belästigungsstellen oder Social Media in die Serie einzubauen, ohne sich wie ein Dinosaurier drüber lustig zu machen. Allein die Tatsache, dass alle Akten nun digital bearbeitet werden, sorgt schon für einen wichtigen Handlungsumschwung in einer der Episoden. Scrubs, könnte man sagen, sucht das Alte, Vertraute oft auch in den neuen Möglichkeiten.

Auch die Rückkehr eines Großteils des alten Casts ist schön, auch wenn nur Braff, Faison und Chalke in allen Episoden als Regulars aufgeführt werden. Natürlich schwingt hier eine gewisse Dynamik mit, dass aus Mangel an großen Karrieren im Film oder Fernsehen die Darsteller wieder zu dem zurückkehren, was einst wie ein Selbstläufer gut funktioniert hat. Aber man kann Scrubs fast wie ein Klassentreffen sehen. Im Laufe von neun Episoden kehrt man zu alten Bekannten zurück und schaut, was aus ihnen geworden ist.
Eine Stippvisite dürfe es aber trotzdem nicht bleiben, die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache. Auf Rotten Tomatoes hat die Staffel eine Bewertung von 90 %, mehr als 11,36 Millionen Zuschauer haben bisher bei Disney+, Hulu und ABC eingeschaltet. Solche Erfolge verwirft man nicht einfach. Es ist anzunehmen, dass wir uns alle noch bei Staffel 11 sehen werden.
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Mehr InformationenScrubs ist eine willkommene Rückkehr für Fans ains Sacred Heart Hospital, wobei die Serie inhaltlich einigermaßen gekonnt zwischen neuen Herausforderungen und dem Reiz der Mottenkiste navigiert.
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Alle Fotos: © Walt Disney
Susanne Gottlieb schreibt als Filmjournalistin für die Helden der Freizeit, Kleine Zeitung, NZZ, Standard, TV Media, Filmbulletin, Cineuropa und viele mehr. Sie arbeitet im Filmarchiv Austria, berichtet von diversen Filmfestivals und hat Theater-, Film- und Medienwissenschaft studiert.
