Alle kennen sie aus den Sissi-Filmen, aber über Romy Schneiders steinigen Weg zum international gefeierten Schauspielstar ist vergleichsweise wenig bekannt. Die neue Graphic Novel Ich bin nicht mehr Sissi widmet sich diesem bisher kaum beleuchteten Lebensabschnitt auf sehr kreative Art.
von Christian Orou, 8. 1. 2026
Schon vor den Zeiten der so genannten Sozialen Medien war es für Personen, die in der Öffentlichkeit standen, schwierig, sich ein kleines Stück Privatsphäre zu bewahren. Stammte man aus einer berühmten Schauspiel-Dynastie, war es fast unmöglich. Romy Schneider war so eine Person. Die Familien ihrer Mutter Magda Schneider und ihres Vaters Wolf Albach-Retty standen seit Generationen auf der Bühne.

Schon früh steht die junge Romy Schneider mit ihrer Mutter vor der Kamera. Mit 17 gelingt ihr der Durchbruch im deutschen Sprachraum mit der Trilogie über das Leben der österreichischen Kaiserin Elisabeth. Doch schon bald hat die Schauspielerin genug von dieser picksüßen Heimatromanze und sie versucht, sich von dieser Rolle zu emanzipieren. Österreich und Deutschland sind ihr nicht genug. Diese Abkehr von ihrer Heimat löst das aus, was man heute einen Shitstorm nennen würde.

Diese Suche nach einem neuen Weg ist der Zeitpunkt, den Stéphane Betbeder und Rémi Torregrossa wählen, um mit ihrer Graphic Novel in die Lebensgeschichte von Romy Schneider einzusteigen. Die beiden kreieren aber keine klassische Biographie. Als Vorbereitung studieren sie unzählige Bücher, die sich einerseits mit der einzigartigen Schauspielerin beschäftigen. Auf der anderen Seite ackern sie sich durch Biographien von Menschen, die mit Romy Schneider in Kontakt waren. Mit ihrem Buch Romy Schneider – Ich bin nicht mehr Sissi füllen sie die weißen Stellen in der Episode ihres Lebens, der den Übergang von der Rolle der Kaiserin zu einer ernsthaften Schauspielerin bedeuten.
Sie fühlen sich in die Geschichte hinein, erfinden Dialoge (zum Beispiel zwischen Schneider und Alain Delon), die vielleicht so stattgefunden haben können. Und das macht auch den Reiz dieses Buches aus. Sie erzählen eine fiktive Geschichte, die sich aber sehr stark an die wahren Begebenheiten annähert.
Betbeder und Torregrossa beginnen ihre Graphic Novel mitten im zweiten Weltkrieg, in der die junge Romy Schneider Augenzeugin eines Fliegerangriffs wird. Diese Storyline nehmen sie immer wieder auf, lassen die junge Romy auch auf Adolf Hitler treffen. Damit verarbeiten sie die Gerüchte, dass Schneiders Mutter angeblich eine Affäre mit dem Diktator hatte. Eine Geschichte, die noch bis vor wenigen Jahren durch die Zeitungen geisterte.

Als Schlüsselepisode wählen Betbeder und Torregrossa Romy Schneiders erste Theaterarbeit mit Luchino Visconti in Paris. Sie zeigen eine junge Frau, die von Zweifeln geplagt ist, Angst vor dem Scheitern hat. Angst davor, vor ihrer mächtigen Großmutter, die mit über 80 Jahren noch auf der Bühne des Burgtheaters steht, nicht bestehen zu können.
Die Zeichnungen von Rémi Torregrossa sind stimmungsvoll und manchmal sehr detailverliebt. Er entführt seine Leser:innen in das Rom und das London der späten 50er und frühen 60er Jahre, baut Filmsets auf, entwirft ein Theater, spielt mit den Farben und taucht die Panels einmal in blau, einmal in rot. Beeindruckend ist auch, wie Torregrossa die Wandlung von Romy Schneider vom Teenager zur jungen Frau graphisch umsetzt.
Mit Romy Schneider – Ich bin nicht mehr Sissi gelingt es Stéphane Betbeder und Rémi Torregrossa gekonnt die Metamorphose von Romy Schneider von der Elisabeth-Darstellerin zu einer gefeierten, internationalen Schauspielerin nachzuzeichnen. Am Ende des Buches finden interessierte Leser:innen noch eine Aufstellung der Filme, in denen Romy Schneider mitgewirkt hat.
Autoren: Stéphane Betbeder, Rémi Torregrossa
Titel: Romy Schneider – Ich bin nicht mehr Sissi
Verlag: Splitter Verlag, 2025
Seiten: 160 Seiten
ISBN: 978-3-689-50127-3
Preis: 31,50 Euro
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Der Chefredakteur der Wiener Alszeilen verfasst für heldenderfreizeit.com Buch-, Musik- und Spiel-Rezensionen, ist Video-Redakteur von CU TV und schreibt für das Musikmagazin Stark!Strom. Dazu berichtet er von Konzerten, Sport- und anderen Kulturevents und führt Interviews mit Stars und spannenden Persönlichkeiten.
