Wenige Gaming-Franchises sind so ikonisch wie Resident Evil. Trotzdem ist der Hype um den neuesten Ableger Requiem geradezu überraschend groß – auf Steam hat der Titel bereits die Serien-Rekorde geknackt. Was dahinter steckt und wer tatsächlich zum neuen Horror-Sequel greifen sollte? Die Antworten hat unser Resident Evil Requiem Review.
von Klaus Kainz, 4. 3. 2026
Mit Resident Evil Requiem feiert die Horror-Saga den 30. Geburtstag. Zum großen Jubiläum passt es gut, dass sich der neue Titel spielerisch bei vielen Highlights der gesamten Serie bedient. Gleichzeitig geht es Story-technisch zurück an den Anfang. Denn in Requiem sollen endgültig die letzten Geheimnisse von Racoon City gelüftet werden. Das ergibt eine interessante Mischung, die aber auch Eigenheiten aufweist.

Zombie-Veteran Leon S. Kennedy kommt langsam ins Alter und wäre das noch nicht genug, ist er mal wieder mit einem Virus infiziert. Das soll ihn aber nicht von einer verdächtigen Spur abhalten. Ein alter Umbrella-Wissenschaftler ist auf freiem Fuß und scheint es auf Serien-Neuling Grace abgesehen zu haben, die er erfolgreich in seine Medizinanstalt entführt. Gleichzeitig scheint Grace Verbindungen zu Machenschaften in Raccoon City zu haben, das inzwischen vor fast 30 Jahren zerbombt wurde.

Das Gameplay für Grace gibt sich dabei ganz in der Horror-Tradition der Serie. Wieder einmal gilt es, aus labyrinth-artige Fakultäten mit abstrusen Schlüsselrätseln zu entkommen, während es Stalkermonster und Zombies auf euch abgesehen haben. Waffen und Munition sind gewohnt rar, Gegner dafür umso stärker. In vielen Belangen treibt Resident Evil Requiem die alte Horror-Formel auf die Spitze. Denn Grace ist noch schwächer als ihre Kollegen und muss mit noch weniger Waffen auskommen. Es ist also noch mehr Stealth und taktisches Vorgehen angesagt.
Außerdem sind die Stalker nun ausgereifter, nachdem die Vampir-Lady aus Resident Evil Village fast schon eher Meme-Material als wirklich furchteinflössend war. Die neuen Riesenmutanten sehen nicht nur widerlich aus, sondern sind gefährlicher und quetschen sich geradezu durch die engen Gänge. Außerdem sind sie teils nur noch mit Licht verwundbar, das sich nun vielerorts an- und ausschalten lässt. Allerdings haben es auch normale Zombies in sich, von denen manche wie Minibosse deutlich mehr aushalten und Spezialangriffe haben – beispielsweise ein Zombie-Koch mit riesigem Hackbeil.

Es zählt teilweise jede Kugel. Besonders brenzlig wird das, wenn die normalen Zombies als fast unverwundbare Blister-Heads wieder auferstehen und sich zwischen die großen Stalker mischen. Spezielle Injektionen, um Zombies permanent auszuschalten und solche Verwandlungen zu verhindern, sind ebenso begrenzt. Das heißt, dass hier eine zusätzliche Planungsebene hinzukommt. Damit geht ein Crafting-System einher, das mit dem Blut der Gegner und anderem Krimskrams eine Handvoll Kugeln, tödliche Injektionen oder Molotov-Cocktails herstellen kann.
Gleichzeitig haben die Entwickler verschiedene Spielstile der Serie überraschend gut balanciert. Zum einen ist es möglich, zwischen der Schulterperspektive und der Egosicht aus Resident Evil VII nahtlos zu wechseln. Letztere empfiehlt das Spiel für mehr Grusel in den Grace-Abschnitten, weil es den Blick auf die bösen Stalker einschränkt. Spielerisch sind beide Optionen aber gleichwertig. Das ist keine Selbstverständlichkeit, weil jede auf das Level-Design richtig abgestimmt sein muss. Nur wenige Zwischensequenzen und Quick-Time-Events sind ausschließlich in der Egoperspektive vorhanden.

Zum ersten Mal seit langem gibt es auch die Option für einen klassischen Modus mit Farbbändern. Das heißt, ihr könnt an Schreibmaschinen wie in den Originalspielen nur speichern, wenn Grace ein Farbband bei sich trägt – in Vorgängern wie dem Resident Evil 2 Remake war die klassische Spielweise auf den Hardcore-Modus beschränkt. Horror-Veteranen sei der klassische Modus übrigens ans Herz gelegt. Denn der Schwierigkeitsgrad fühlt sich sehr gut auf die Farbbänder ausgelegt an. Mit Blut muss Grace zusätzliche Bänder basteln, was das Crafting und die Planung noch ein bisschen spannender macht.

Leon sorgt wiederum für Action, wie sie aus Ablegern wie Resident Evil 4 bekannt ist. Der Superagent hat ein brachiales Waffenarsenal, kann Gegner auch ohne Serum mit einem Stealth-Angriff vernichten und hält deutlich mehr aus. In der ersten Spielhälfte ist Leon wie eine Art Katharsis gestaltet. Ist Grace mit einem größeren Abschnitt voller übermächtiger Monster fertig, kommt Leon hinterher und kann die zuvor übermächtigen Monster viel leichter ausschalten und so durchs alte Level düsen.
Hier zeigt sich aber einer der Schwachpunkte des Spiels. So ganz will das Konzept mit den beiden Charakteren nämlich nicht aufgehen. Es fühlt sich eher wie zwei verschiedene Games an, die künstlich gemischt wurden. Obendrauf ist ein Leon-exklusives Gebiet in der zweiten Spielhälfte nicht nur spielerisch weniger spannend als das von Grace, sondern hält mit den besten Action-Ablegern der Reihe leider nicht mit. Dafür sind die Arenen und Gegner nicht ausgeklügelt genug, auch wenn das Gameplay gut von der Hand geht. Außerdem hat Leon ein gänzlich anderes Spielsystem, das auf eine Punktejagd mit Waffenshop ausgelegt ist. Daneben fallen die Farbbänder selbst im klassischen Modus hier gänzlich weg.

Dafür setzt Leon dann stark auf die Geschichte, die in Resident Evil oft eher Nebensache war. Wer einen Teil nicht kannte, verpasste nicht immer viel und die abgedrehte Lore war eher spaßiges Beiwerk zum Horror innerhalb des Gameplays. Um bei Requiem auf volle Kosten zu kommen, hilft es aber, bereits länger mit der Serie zu tun zu haben. Denn speziell im letzten Drittel finden sich zahlreiche Anspielungen und überraschende Auftritte.
Am stärksten baut der Titel auf dem Remake von Resident Evil 2 auf, das story-mäßig etwas anders als die Originalspiele gestaltet war. Trotzdem gibt es auch mehrere Überraschungen für Fans, die seit den Erstlingen dabei sind oder sich anderweitig mit den alten Ablegern befasst haben. Wer Requiem beendet, bekommt übrigens einen 60-Seiten-Report mit der gesamten aktuellen Lore der Serie.

Resident Evil Requiem ist mal wieder ein hochwertiges Horror-Abenteuer von Capcom. Allerdings ist das Spiel, trotz Hype, für komplette Neueinsteiger nicht unbedingt die beste Wahl. Zum einen holt man am meisten aus der Story-Kampagne, kennt man bereits die Vorgänger, speziell das Remake des zweiten Teils. Bei der Action ist es zwar solide, aber mit Resident Evil 4 – Remake und Original – hält es nicht mit. Beim Horror erreicht Requiem teils neue Höhen, speziell beim Stalker-Terror im Stil des siebten Ablegers. Durch die reingepappten Leon-Elemente können die Grusel-Abschnitte aber nicht ganz durchstarten.
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Alle Bilder © Capcom
Der Redakteur (APA, Helden der Freizeit) und Videospiel-Blogger reviewed für uns vor allem Games, Serien und Filme - ist aber auch so manchem Naturausflug nicht abgeneigt.
