
NESS im Interview: Warum sich der Erfolg der 21-jährigen Traiskirchnerin nach Starmania, obwohl organisch gewachsen, krass anfühlt. Was sie inspiriert und begeistert und die besondere Nähe zu ihrer Community ausmacht. Sie erzählt, wie sie persönliche Themen in Songs verwandelt, Leidenschaft und Mut vereint und so ihre Auftritte auf jeder Bühne zu etwas ganz Besonderem macht.
von Patrick Meerwald, 21. 1. 2026
NESS fesselt ihr Publikum mit authentischer Musik und dem Zusammenspiel aus Einfühlsamkeit und Power auf und neben der Stage.

Im Interview blicken wir auf ihren Werdegang, werfen einen Blick auf ihren eigenen Anspruch an Musik und sprechen über ihre besonders innige Beziehung zu ihrer Community.
Ness: Das ist so ein arges Gefühl, wenn man denkt, ich komme aus Traiskirchen, irgendwo in der Nähe von Wien und kann jetzt zum Beispiel in Leipzig vor so vielen Menschen spielen. Das ist für mich schon ein krasses Gefühl. Da muss ich mich manchmal auch ein bisschen so in den Moment reinholen und mal realisieren, was da gerade passiert.
Es ist so surreal, dass das nach der Starmania-Zeit so weitergeht. Das war mein Anfang, was daraus entstand ist eigentlich fast schon absurd. Es war immer mein Traum, aber so groß habe ich mich nicht mal getraut zu träumen damals. Es übertrifft wirklich jede Erwartung, die ich hatte. Wenn ich jetzt zum Beispiel direkt bei oder gleich nach Starmania den Erfolg gehabt hätte, den ich jetzt habe, dann hätte ich abgekackt. Ich glaube, das hätte ich nicht gepackt. Deswegen ist es so cool, dass alles so organisch wächst. Mein erster Gig als einzelner Artist war 2022 noch im B72 am Gürtel und mein größter Wunsch war immer im Gasometer zu spielen. Und jetzt habe ich dort gespielt.
Ich würde sagen, mein Blick auf Bühnen an sich und auf das ganze Musikmachen, da hat sich mein Horizont einfach erweitert. Wenn du einen Blick hinter die Kulissen bekommst, dann weißt du, wie viel da drinsteckt. Zum Beispiel, was alles passieren muss, damit eine Show überhaupt stattfinden kann, wie viel da an Technik mitkommt, wie viele Menschen involviert sein müssen, usw. Deswegen ist mir das auch sehr wichtig, mein Team sorgfältig auszuwählen. Nicht nur, weil ich möchte, dass es funktioniert, sondern einfach, weil es menschlich so wichtig ist, dass es passt. Und es schwingt. Das spürt man, glaube ich auch.
Wir sind alle super gute Freunde. Es sind alle für mich sehr wichtige Menschen. Ich habe durch Starmania meine engsten Leute kennengelernt. Für das werde ich der Castingshow immer dankbar sein. Laura ist immer noch ein ganz großer Teil in meinem Leben. Mert oder auch JJ sind auch zum Beispiel echt gute Freunde. Ich hoffe, ich vergesse jetzt niemanden. Ich glaube, wir haben durch die Show einen ganz anderen Draht zueinander. Gemeinsam freuen wir uns auch für den Erfolg der anderen. Musik verbindet auch.
Meine Community und die Leute, die meine Musik hören, das ist für mich das Wichtigste überhaupt. Ich weiß, ich habe das alles nur diesen Menschen zu verdanken. Ich habe mir halt auch gedacht, man kennt ja die Menschen nicht unbedingt. Doch zeigt sich das jetzt echt anders. Ich kenne viele, die immer wieder kommen, was eine ganz tolle Verbindung ist.
Absolut. Wenn ich Konzerte spiele und dem Publikum in die Augen schauen kann oder danach, wenn ich rausgehe und mich unterhalte, ist das für mich eine Ebene. Ich hasse dieses „Du bist Artist“ und dieses „Du bist Fan“-Klischee. Wir sind alle eins. Das ist für mich das Allerwichtigste. Deswegen liegt es mir am Herzen, dass es den Menschen gut geht. Ich will Musik machen, die verbindet, die ehrlich ist. Aber sie soll jetzt auch nicht trauriger machen, als man vorher gewesen ist. Meine Musik soll immer in irgendeiner Form helfen. Für mich ist das das Allerwichtigste.
“Wir sind alle eins!” NESS räumt mit der Unterteilung Artist und Publikum auf

Das ist eine sehr gute Frage. Bei mir sind es oft die Texte. Ich mag zum Beispiel den Künstler RY X super gerne. Bei seinen Songs hast du das Gefühl, du hebst einfach ab, du schwebst richtig. Ich würde sagen, wenn ich emotional bin in Bezug auf Trauer oder einfach nur chillen will, dann höre ich das gerne. Aber ich würde auch sagen, ich höre so genreübergreifend einfach alles.
Ich gehe jetzt gerade viel mehr in diese Rock-Richtung. Ich schreibe generell viel, gerne jetzt rockiger, was ich jetzt für mich einfach entdeckt habe. Gehört hab ich es schon immer, aber früher habe ich mich eigentlich nie in Sessions da reingetraut. Ich musste mich dafür noch ein bisschen finden, um diesen Step zu gehen.
„Ich habe mich früher nie in Sessions getraut“ – NESS über ihren neu entdeckten Rock-Sound
Ich bin generell sehr perfektionistisch, was so vor allem meinen Gesang angeht. Und glaube, es ist bei mir eher positiv, dass ich so auf kleine Details achte, weil mir das einfach wichtig ist. Ich würde zum Beispiel keinen Song rausbringen, mit dem ich nicht zu 100% zufrieden bin. Mittlerweile habe ich eine gute Mitte gefunden, die mich nicht mehr einschränkt, sondern hauptsächlich positiv ist. Früher konnte ich nach Konzerten keine Videos anschauen und anhören. Wenn ich einen schlechten Tag habe, kann es jetzt noch sein, dass ich sehr selbstkritisch bin. Aber insgesamt würde ich sagen, ist es eher positiv gerade, dass ich einen Anspruch an meine Musik und mich selbst habe.
“Ich bin sehr perfektionistisch.” NESS über den Anspruch an sich selbst.
Wenn jemand, dann Billie Eilish (hier unsere große Top-10) auf jeden Fall. Sonstauch Youngblood. Die zwei sind für mich die größten, ich liebe die über alles.
Das Ding ist, dadurch, dass ich sehr viel verarbeite mit Musik, ist es auch schön für mich selbst, dann über die Themen zu singen. Und ich glaube, ich brauche da diese Abgrenzung gar nicht in der Form. Ich glaube, das passiert eher davor. Es gibt zwei Songs auf meiner EP, bei denen ich mir irgendwie unsicher war, ob ich die releasen kann. Ich habe einfach gedacht, „oh mein Gott, das hören so viele Menschen, die mich ja auch vielleicht neu entdecken, nicht kennen und dann wissen sie gleich so viel über mich.“ Ich glaube, ab dem Moment, wo ich mich entscheide zu releasen, habe ich mich schon genug abgegrenzt davon, aber im positiven Sinne. Ich entscheide mich aktiv, Themen mit den Menschen zu teilen. So wird es auch zu einem Healing, das auf der Bühne zu singen.
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Alle Bilder: (c) Jeanette Sophie
Der Wiener Journalist und Redakteur ist seit 2016 Musik-Ressortleiter bei heldenderfreizeit.com, schreibt für diverse Musikfachmedien wie Stark!Strom berichtet dabei über Konzerte, Neuerscheinungen, führt Interviews und erstellt Besten- und Playlisten zu den Top-Liedern von Musikstars.